Der VVS hat 520.000 zusätzliche Fahrgäste pro Monat gewonnen. Foto: dpa

Nach VVS-Angaben sind die Fahrgastzahlen im Zeitraum von Januar bis September von knapp 252 Millionen im Vorjahr um fast zwei Prozent auf 256 Millionen in 2013 gestiegen. Das entspricht gut 520.000 zusätzlichen Fahrgästen pro Monat.

Stuttgart - Der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) steuert in diesem Jahr auf ein neues Rekordergebnis zu. Nach VVS-Angaben sind die Fahrgastzahlen im Zeitraum von Januar bis September von knapp 252 Millionen im Vorjahr um fast zwei Prozent auf 256 Millionen in 2013 gestiegen. Das entspricht gut 520 000 zusätzlichen Fahrgästen pro Monat.

Besonders zulegen konnte der VVS bei den Zeittickets (Wochen-, Monats- und Jahreskarten) im Berufsverkehr. Allein in diesem Bereich gab es eine Steigerung in den ersten drei Quartalen um drei Millionen auf 81 Millionen Fahrgäste. „Mehr als zwei Drittel unserer Kunden sind inzwischen Stammkunden. Das Abo mit der monatlichen Abbuchung kommt einfach gut an“, sagt VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger. Ein wichtiger Grund für die Erfolgsstory ist die neue S-Bahn-Linie 60 von Böblingen nach Renningen. Die S 60 ist auf dieser Strecke seit Dezember 2012 in Betrieb.

Überraschend ist für den VVS-Chef auch, dass es selbst im sogenannten Ausbildungsverkehr trotz sinkender Schülerzahlen noch ein Plus von fast einem Prozent gibt. Der Rückgang beim Scool-Abo wird derzeit noch durch die hohe Zahl der Studenten ausgeglichen. Bis einschließlich September waren rund 7,5 Prozent mehr Hochschüler mit einem Studiticket unterwegs als im Vorjahr.

Das größte Problem hat die S-Bahn

Seit September ist auch die größte Hochschule im VVS-Gebiet, die Universität Stuttgart mit ihren mehr als 24 000 Studierenden, an das Online-Ticket-System angeschlossen. Der Verkauf des Scool-Abos war im Schuljahr 2012/13 mit minus zwei Prozent erstmals rückläufig. Grund war vor allem der Wegfall eines kompletten Jahrgangs durch das G 8. Von 2014 an rechnet der VVS allerdings mit rückläufigen Zahlen im Ausbildungsverkehr, da die Schülerzahlen weiter sinken und die Zahl der Studenten ihren Höhepunkt erreicht hat. „Umso wichtiger ist für uns die Gruppe der Senioren, die ­einzige Bevölkerungsgruppe, die wächst“, betonte der zweite VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Die Zahl der Fahrgäste mit Seniorentickets stieg bis September um 2,6 Prozent auf 18,4 Millionen an.

Mehr Fahrgäste, das bedeutet auch mehr Fahrgeldeinnahmen. In den ersten neun Monaten 2012 bezahlten die Fahrgäste insgesamt Tickets im Wert von 310,3 Millionen Euro. 2013 sind es bereits 324,7 Millionen Euro – ein Plus von 4,6 Prozent. Der Ansturm der Fahrgäste stellt die Verkehrsunternehmen, die mit dem VVS zusammenarbeiten, vor logistische Herausforderungen. Das größte Problem hat die S-Bahn. Der Tunnel bei der Schwabstraße gilt als Nadelöhr. Laut Stammler können die Kapazitätsengpässe nur durch den vermehrten Einsatz von Langzügen gelöst werden. Neue Schnellbusverbindungen sollen zudem für Entlastung sorgen. Größtes Sorgenkind bleiben weiterhin die extrem schlechten Pünktlichkeitswerte der S-Bahn. In der Hauptverkehrszeit ist jede vierte S-Bahn mehr als drei Minuten verspätet. Deshalb können viele Pendler ihre Anschlussverbindungen nicht erreichen. Laut Stammler sind 56 Prozent aller ­S-Bahn-Nutzer darauf angewiesen, auf Bus oder Stadtbahn umzusteigen, um ihr Ziel zu erreichen.

Bauchschmerzen bereitet den VVS-Strategen auch die neue EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz). Wird diese Umlage – wie in den Koalitionsgesprächen diskutiert – für elektrisch betriebene Bahnen erhöht, wäre laut Stammler „eine zusätzliche Tariferhöhung um zwei bis drei Prozent nötig“.