Fehlende Batterien bringen den Stuttgarter Autobauer schwer in Bedrängnis. Der Zulieferer erhöht nun sein Produktionstempo.
Bei den Lieferengpässen des Stuttgarter Bosch-Konzerns, die beim Stuttgarter Mercedes-Konzern zu Umsatzeinbußen in Milliardenhöhe führen werden, zeichnet sich eine Wende zum Besseren ab. „Die Ausbringung der 48-Volt-Batterien mit Leistungselektronik steigt“, sagte eine Bosch-Sprecherin unserer Zeitung. „Momentan kann Bosch den Bedarf der Kunden weitgehend abdecken.“ Damit ist es dem Stuttgarter Autozulieferer offenbar erstmals gelungen, das viel zu geringe Produktionstempo an die laufende Nachfrage insbesondere von Mercedes-Benz anzupassen.
Allerdings besteht immer noch ein beträchtlicher Rückstand von Fahrzeugen, die längst hätten gebaut werden müssen, wegen des Fehlens der technologisch aufwendigen Batterie bisher aber nicht vom Band laufen konnten. Bosch zeigt sich zuversichtlich, die Produktion über die laufende Nachfrage hinaus zu steigern. „Das Unternehmen geht davon aus, die Rückstände aufholen zu können“, sagte die Sprecherin.
Während es bei der herkömmlichen 48-Volt-Batterie, die in Stuttgart-Feuerbach und im chinesischen Wuxi vom Band läuft, nach wie vor keine Probleme gibt, ist der Hochlauf der gleichen Batterie mit der sogenannten Leistungselektronik im thüringischen Eisenach bisher trotz fieberhafter Bemühungen nicht gelungen. „Die Komplexität der 48-Volt-Batterie hat uns bei der Industrialisierung vor größere Herausforderungen gestellt“, erklärte die Sprecherin. Der Unterschied zwischen den beiden Batterien besteht nach Angaben des Unternehmens darin, dass die neue Batterie mit einem Gleichspannungswandler von 48 auf 12 Volt ausgestattet ist, über den auch das Bordnetz gestützt werden kann.
Der Bosch-Konzern, der die Entwicklung innovativer Produkte und deren fehlerfreie Produktion in sehr hohen Stückzahlen zu seinen Kernkompetenzen zählt, erklärt das Problem mit den erschwerten Bedingungen, unter denen das Projekt während der Coronapandemie gestartet wurde. Es handele sich zudem um ein neuartiges Produkt, das in einem hochautomatisierten Verfahren hergestellt und aufgrund der hohen Nachfrage überdies sehr schnell in hohen Stückzahlen produziert werde.
Die Engpässe kommen für Mercedes zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn die Batterien werden in der neuen E-Klasse und im Geländewagen GLC eingebaut. Damit ist Mercedes bei zwei neuen Modellen, auf die der Hersteller in der Regel kaum Rabatt geben muss, nur begrenzt lieferfähig. Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm hatte Ende Oktober erklärt, dass Mercedes ohne die Lieferengpässe fünf Prozent mehr Autos hätte absetzen können. Das entspricht einer Größenordnung um 100 000 Fahrzeuge.