Mit Marina Ott ist eine vielseitig engagierte Persönlichkeit gestorben. Dabei wollte sie das 175. Firmenjubiläum ihres Schuhgeschäfts noch groß feiern.
Im Alter von 50 Jahren ist Marina Ott, Inhaberin des gleichnamigen Schuhgeschäfts in Dornhan, Anfang des Jahres gestorben. Wenige Tage vorher mussten die Familienangehörigen den Tod der Seniorchefin Gisela Ott beklagen. Sie starb im Alter von 83 Jahren.
Marina Ott hatte sich für dieses Jahr viel vorgenommen: Das Schuhgeschäft besteht seit 175 Jahren. Das Firmenjubiläum wollte sie groß feiern, das war ihr aber nicht mehr vergönnt. Sie verlor den Kampf gegen ihre heimtückische Krankheit. Ihr Tod kam für die Familienangehörigen sehr überraschend.
Einstieg ins Schuhgeschäft
Marina Ott hat nach dem Abitur in Sulz bei Salamander in Kornwestheim Industriekauffrau gelernt und eine Ausbildung zur Handelsfachwirtin absolviert. In Tübingen leitete sie danach die Salamander-Filiale. Vor gut 20 Jahren stieg sie in das elterliche Schuhgeschäft in Dornhan ein, um ihre Mutter zu unterstützen. Nach wie vor arbeitete sie aber weiter in Tübingen, was für sie eine Doppelbelastung bedeutete.
Einige Jahre später übernahm sie als alleinige Geschäftsführerin das Schuhgeschäft Ott und führte es erfolgreich weiter. Kundschaft hatte sie aus dem ganzen Kreis Rottweil und Freudenstadt. Obwohl die eigene Firma sie stark beanspruchte, engagierte sich Marina Ott in der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe (IHG). Hier setzte sie sich besonders für den Einzelhandel ein. Ihr großes Anliegen war, dass die Kaufkraft in Dornhan bleibt.
Das Käpsele-Fest
Da hat sie im dreiköpfigen Vorstand der IHG, zusammen mit Stephan Kaufmann und Anja Gaux, auch einiges bewegt. So wurde der Slogan „Käpsele kaufet em Städtle“ kreiert. Das Käpsele-Fest im Herbst mit Narturparkmarkt wurde ins Leben gerufen. Im vergangenen Jahr fand es zum vierten Mal statt.
Während der Hochphase von Corona, die eine schwere Zeit für den Einzelhandel war, organisierte sie in Dornhan einen Bringdienst für den Einzelhandel mit. Sie war mitbeteiligt an der Einführung der IHG-Gutscheine oder auch an der Jobinitiative in Dornhan. Marina Ott dachte als Unternehmerin nicht nur an ihr eigenes Geschäft, sondern hatte mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz immer auch andere im Blick und motivierte sie zu Aktivitäten. Dabei war sie offen für Ideen und Veränderungen, wenn sie sinnvoll erschienen.
Zwei Wahlperioden war sie im IHG-Vorstand, bis sie wegen ihrer Krankheit zurückstecken musste. Sie habe bis zuletzt dagegen angekämpft und sei auch guter Hoffnung gewesen, das Krankenhaus verlassen zu können, sagt ihr Bruder Theo Ott. Wie gern hätte sie das große Jubiläum in diesem Jahr organisiert. Das Schuhhaus, das Georg Ott vor 175 Jahren in der Brunnengasse gründete, ist eines der ältesten Geschäfte in Dornhan. 1955 erfolgte der Umzug in das Gebäude in der Vorderen Gasse 2. Als Marina Ott in fünfter Generation das Geschäft übernahm, bestand der Neubau in der Rossgartenstraße bereits einige Jahre. Hier soll es nun auch weitergehen.
Das Jubiläum findet statt
Derzeit ist Katharina Ott, die Nichte der verstorbenen Inhaberin, dabei, sich einzuarbeiten. Sie hat im elterlichen Schuhgeschäft in Dornstetten Einzelhandelskauffrau gelernt. In Nagold war sie beim Abschluss zur Schuhbetriebswirtin die Beste ihres Jahrgangs. Weitere Berufserfahrungen sammelte sie in London und in der Verwaltung beim Wanderschuhe-Hersteller Lowa.
Geplant ist, das 175. Jubiläum in diesem Jahr zu feiern. Das wäre ganz im Sinne von Marina Ott, für die, wie auch für ihre Mutter, das Schuhhaus eine Lebensaufgabe war.