Aktuell steht das Mammobil in Calw und bietet Brustkrebsvorsorge-Screenings an. Wie ist es, in der mobilen Praxis behandelt zu werden? Und wie ist es, in einem Anhänger zu arbeiten?
Das Mammobil sieht von außen nach dem aus, was es ist: ein meterlanger Anhänger. Doch beim Eintreten ist das schnell vergessen. In dem gut beheizten Empfangsraum mit Tresen, Holzvertäfelung, Tapete und Sitzgelegenheiten begrüßt Annette Ott unsere Redaktion. Die Leiterin des Mammobil-Teams gibt eine kleine Führung. Hinter dem Empfang befinden sich zwei Umkleidekabinen und der Röntgenraum, ganz hinten gibt es außerdem einen gemütlichen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiterinnen.
Das Mammobil der Praxis für Brustdiagnostik Tübingen ist in über einem Dutzend Gemeinden im Einsatz– seit 2019 auch in Calw, nachdem es in der Hessestadt keine Praxis mehr gab, die die Vorsorge-Mammographien anbietet. Inzwischen ist das Gefährt zum dritten Mal vor Ort. Der Anhänger steht seit dem 15. November und noch bis zum 6. Februar auf dem Parkplatz gegenüber dem Brauhaus Schönbuch. Die Mitarbeiterinnen der mobilen Praxis, allesamt ausgebildete Medizinisch-Technische-Radiologie-Assistentinnen (MTRA), kümmern sich um die Vorsorge-Mammographie bei Frauen, bisher noch zwischen 50 und 69 Jahren. Die Frauen wurden vorab von der Zentralen Stelle Mammographie Screening Baden-Württemberg mit einem Terminvorschlag angeschrieben, denn sie haben alle zwei Jahre die Möglichkeit für die kostenlose Untersuchung.
Die Screenings retten Leben
Brustkrebs ist die in Deutschland am häufigsten vorkommende Krebsart. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft mache sie 30 Prozent aller Fälle aus. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gibt außerdem an, dass Dank der Vorsorge-Screenings bei 30 von 1000 Frauen ein auffälliger Befund entdeckt wird, im Schnitt wird bei sechs Patientinnen dann die Diagnose Brustkrebs gestellt. „Rechtzeitig erkannt und behandelt, sind die meisten Erkrankungen heilbar“, so die Deutsche Krebsgesellschaft. Ott und ihre Kolleginnen können also mit Fug und Recht als „Lebensretterinnen auf Rädern“ bezeichnet werden.
In Calw und Umgebung, so erzählt Ott, wurden 5500 Frauen zum Screening eingeladen. Etwas mehr als die Hälfte nahmen und nehme das Angebot wahr. Wie funktioniert eine Mammographie? Die Brust wird zwischen zwei Scheiben platziert und anschließend geröntgt, wie die Mitarbeiterin Heike Schadt erklärt. Anschließend wird auf Basis der entstandenen Bilder ein Befund gestellt. Falls es Auffälligkeiten gibt, wird ein weiterer Termin in der Tübinger Praxis gemacht, „zur weiteren Untersuchung oder gleich für eine Biopsie“, erklärt Ott die Abläufe. Inzwischen sitzt sie mit unserer Redaktion im Aufenthaltsraum des Mammobils, in dem die 65-Jährige seit 14 Jahren die Hälfte Ihrer Arbeitszeit verbracht hat.
Das mobile Arbeiten
Sie scheint zufrieden mit der Arbeit im Mobil, wobei ein Manko gebe es doch: Der Anhänger hat keine eigene Toilette. Da heißt es improvisieren. In Calw hat man über die Jahre eine Lösung gefunden: Hier darf das Team das Örtchen vom Kroatischen Verein nebenan nutzen. Zwei bis vier Tage in der Woche arbeitet Ott mobil, die restliche Zeit in der Tübinger Praxis. Sie und die meisten ihrer Kolleginnen fahren jeden Tag nach Hause. Für einen Fahrt braucht sie „so 70 Minuten“, erzählt sie. Jedoch sei das nicht immer der Fall. Es gebe es auch Stationen, die näher bei Tübingen liegen.