Wolfgang Bahr vom Lahrer Nabu legt Wert darauf, dass der Seepark Lebensraum für viele verschiedene Tiere und Erholungsort für Menschen bleibt. Foto: Köhler

Sechs Jahre nach der Landesgartenschau gibt es Gedanken in der Stadt, das Gelände mehr für Veranstaltungen zu nutzen – unter anderem zur Förderung des Tourismus. Der Lahrer Nabu lehnt dies ab. Bei einer Führung wurde deutlich, warum.

Enten und Schwäne gleiten gemütlich über das glitzernde Wasser. Aus dem fast mannshohen Schilf hört man die Frösche laut quaken, im Wald trällern die Vögel ihre Lieder. Auch einige Spaziergänger und Jogger sind am Donnerstagabend trotz des Nieselregens unterwegs und genießen ihre Freizeit.

 

Der Lahrer Seepark ist eine Idylle – für die Tiere wie für die Menschen. So ist es keine Überraschung, dass der Begriff Landesgartenschaugelände mit als erstes fällt, wenn über Potenziale in der Stadt gesprochen wird. OB Markus Ibert sprach unter anderem bei seiner Rede beim Frühlingsempfang an, ob man den Park nicht mehr nutzen sollte – für Konzerte, Kunst, Kultur, Sport oder sonstige Events. „Oder ist vielleicht alles gut so, wie es ist?“, brachte er eine Debatte ins Rollen. Der Lahrer Nabu hat sich nun klar zu letzterem positioniert.

Gelände beinhaltet vier verschiedene Lebensräume

„Der Seepark darf nie und nimmer ein Eventpark werden“, betonte Wolfgang Bahr, bis April 29 Jahre lang Vize-Chef der Lahrer Gruppe. Er hatte am Donnerstag zu einer Führung eingeladen, um die Artenvielfalt auf dem Gelände vorzustellen und sich klar zu positionieren. Der Park, das sei auch die Position des neuen Nabu-Vorstands, „soll ein Ort der Ruhe und der Besinnung bleiben.“ Zudem sieht Bahr durch mehr Events die Artenvielfalt im Park gefährdet. Der Regen und die auch deshalb nur kleine Gruppe hielten ihn nicht davon ab, zu zeigen, warum er die Flora und Fauna für so schützenswert hält.

Da sei zum einen der Lebensraum Blumenwiese. Bahr führte die Teilnehmer zum Grünstreifen zwischen der Gaststätte am See und dem Parkplatz. Viele bunte Farbtupfer leuchten dort im Dank des Regens sattgrünen Gras. Vom gelb blühenden Hornklee („der ist sehr spannend für den Hauhechelbläuling“) bis zur blauen Ackerwitwenblume („wichtig für den Schachbrettfalter“) informierte der Botanik-Experte über die Bedeutung der verschiedenen Pflanzen. Dabei hatte er auch den ein oder anderen Geheimtipp parat: „Wenn Sie von einer Biene gestochen wurden, können Sie auf den Spitzwegerich solange klopfen, bis der Saft austritt.“ Träufele man diesen auf die Wunde, lindere das den Schmerz. Beim Wiesensalbei wiederum könne man beobachten, was sich die Natur alles einfallen lässt. Wenn beispielsweise eine Hummel den Nektar naschen möchte, klappe der Pollenträger der Blume wie ein Schlagbaum herunter, um sicherzustellen, dass die Pollen am Insekt hängenbleiben.

Wolfgang Bahr freut sich über die Nachtviolen im Seepark. Foto: Köhler

Ein Stück weiter südlich nahe der B 3 machte Bahr auf einen weiteren Lebensraum aufmerksam: die Streuobstwiese. Wenn auch untypisch „sehr militärisch in Reihen gesetzt“ fänden zwischen den Bäumen bis zu 5000 verschiedene Tierarten ein Zuhause. Allen voran der Steinkauz, der der Nabu-Gruppe schon seit seiner Gründung sehr am Herzen liege. Eine Tafel des Nabu mit selbst gezeichneten, aber verblüffend echt wirkenden Tieren zeigt die Vielfalt auf. „Wir hoffen, dass es in 50 oder 60 Jahren einmal so aussieht wie auf dem Bild“, so Bahr.

Von den 4000 Bäumen wird die Stadt noch zehren

Mit dem Wald an der Südseite des Sees hätte die Stadt „ökologisch Großartiges geleistet“, sagte Bahr, als er die Gruppe weiter leitete. 4000 Bäume seien es, die gepflanzt wurden. „Daraus wird man noch Kapital schlagen“, so der Nabu-Experte. Denn allein eine Buche sorge für den Sauerstoff für bis zu 50 Menschen. Die Vegetation, die ein Zuhause für 30 Falter und Raupen sei, sorge auch dafür, dass Wasser gebunden und gefiltert werde. Zu jedem Auwald gehören natürlich auch Tierarten, wie sie im Seepark zu finden sind. Darunter die Nachtigall, der Waldkauz und der Hirschkäfer.

Zu guter Letzt, erklärte Bahr am Ufer, gebe es noch den Lebensraum See und Schilfröhricht. Unter anderem Teich- Grasfrösche sind dort beheimatet, auch ein Blesshuhn drehte am Donnerstagabend auf dem See seine Runden. Beim Blick auf die gegenüberliegende Seite bedauerten Bahr und die Teilnehmer der Führung sehr, dass die Weiden entlang der Seepromenade im Juni gefällt werden müssen. Sie hätten, so Bahr, erst in 25 Jahren ihre ganze Wirkung entfaltet.

„Wehret den Anfängen“, betonte der Nabu-Experte im Anschluss an die Führung, während der die Teilnehmer immer wieder interessiert Fragen stellten. Die Natur solle lebenswert bleiben, für Events sei der Bürgerpark die bessere Alternative. Bahrs Sorge: Einige man sich als Kompromiss auf zwei oder drei Events, werde es nicht dabei bleiben. „Der Seepark ist ein Ort für Naherholung und für Naturbeobachtung“, betonte Bahr. Gegen alles andere „muss es Gegenwehr geben“.

Erde von Stuttgart 21

Der LGS-See, informierte Wolfgang Bahr, sei einst absichtlich in einer geometrischen Form angelegt worden. Man sollte sehen, dass es kein natürlicher See ist. Für die Arbeiten, den See richtig zu formieren,  sei eigens Erde aus Stuttgart per Bahn nach Lahr transportiert worden. Und zwar Erde vom Bauprojekt Stuttgart 21.