Ist das Präsidiumsmitglied der Verfasser des Schreibens, das den Rücktritt von Präsident Claus Vogt fordert? Christian Riethmüller äußert sich zu seinen Kontakten zur Initiative „Zukunft_VfB“.
Unter den vielen Stellungnahmen im Machtkampf beim VfB Stuttgart sorgte in der vergangenen Woche eine für besonders hohe Wellen, die von Fan-Seite vorgebracht wurde: „Wir fordern einen sofortigen Rücktritt des gesamten Präsidiums des e. V., namentlich Präsident Claus Vogt, Vize-Präsident Rainer Adrion und Präsidiumsmitglied Christian Riethmüller“, hieß es in dem Statement, das mit „Cannstatter Kurve“ unterzeichnet war.
Die Botschaft dahinter: Nicht nur die Ultra-Gruppierungen, sondern eine breite Basis der Kurve steht hinter der Forderung. Online ist mittlerweile auf der Homepage des Commando Cannstatt eine umfangreiche Unterstützerliste an Gruppen und Fanclubs angeführt, die sich hinter der Forderung versammeln.
Es gibt aber auch andere Stimmen: Viele Fans teilen zwar im Grundsatz die formulierte Kritik, dass durch die Abwahl von Clubpräsident Claus Vogt als Aufsichtsratschef die Mitgliederrechte mit Füßen getreten wurden und Vertrauen in die Brüche ging. Einige kommen aber zu einer anderen Schlussfolgerung: Statt einer kompletten Auflösung des Präsidiums fordert die Initiative „Zukunft_VfB“ lediglich den Rücktritt Vogts.
Vizepräsident Rainer Adrion und Präsidiumsmitglied Christian Riethmüller sollen demnach hingegen zur Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit im Amt bleiben und sich bei der nächsten Mitgliederversammlung dem Votum der Mitglieder stellen – was beide inzwischen auch angekündigt haben.
Christian Riethmüller und Claus Vogt sind sich schon länger uneinig
Mittlerweile gibt es hierzu von „Zukunft_VfB“ eine Petition auf der Homepage change.org – begleitet von einem Schreiben, das den amtierenden Präsidenten als Hauptproblem ausmacht: „Es geht vor allem um Claus Vogt.“ Er habe das Vertrauen fast aller Beteiligten verloren, „weil er die verantwortungsvolle Position des Aufsichtsratsvorsitzenden und auch die des Präsidenten nicht angemessen ausfüllt.“
Bei der Frage nach dem Verfasser des anonymen Statements führt nun eine Spur ausgerechnet zu Riethmüller, dessen Verhältnis zu Vogt schon länger zerrüttet ist. Das Commando Cannstatt veröffentlichte auf seiner Homepage Bilder einer Datei des Schreibens, in deren Metadaten Riethmüller als Autor aufgeführt ist. Wahrscheinlich sei, so die Ultra-Gruppierung, „dass der Name des Verfassers in den Metadaten der Datei seinen Ursprung im lokalen Computersystem und dem in der Software hinterlegten Identitätsstempel haben dürfte.“
Der Autor habe es wohl aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit versäumt, die Metadaten vor dem Versand zu bereinigen. Riethmüller also als Verfasser eines Schreibens, das den Rücktritt von Vogt verlangt und zugleich ihn und Adrion von dieser Forderung ausnimmt? Das wäre ohne Frage eine brisante Konstellation.
Riethmüller selbst widerspricht dem in einer Stellungnahme vom Donnerstag, die unserer Redaktion vorliegt. Darin bestätigt er zunächst seinen Kontakt zu „Zukunft_VfB“, von deren Initiatoren er aktiv kontaktiert worden sei. „Die Personen waren mir zuvor schon bekannt, und ich pflege – wie auch mit ganz vielen Mitgliedern und Fans – einen persönlichen Kontakt.“ Dabei sei ihm geschildert worden, dass es viele Mitglieder, Offizielle Fanclubs und Fans gebe, die sich den Forderungen im Statement der Cannstatter Kurve nicht anschließen wollten und stattdessen einen eigenen Vorstoß planten.
Autor des Schreibens sei er aber nicht, betont der 49-jährige Tübinger: „Die Initiatoren hatten mich gebeten, über ihr Statement, an dessen Entstehen ich weder auslösend noch inhaltlich beteiligt war, drüber zu schauen und vor allem auf formale Details zu prüfen.“ Das habe er getan und eine aus seiner Sicht formal korrekte Word-Datei übermittelt.
Er sei demnach weder Verfasser noch Initiator des Schreibens, sondern habe es lediglich auf Formalien hin korrigiert. Publik gemacht hat Riethmüller seine Beteiligung allerdings erst nach Bekanntwerden seines Namens in dem digitalen Dokument, während er parallel in einem am Donnerstag veröffentlichen Statement gemeinsam mit Adrion und dem AG-Vorstand zur Einigkeit aufrief.
Aus seiner Kritik an Vogt macht Riethmüller derweil keinen Hehl: „Ungeachtet dessen teile ich vieles von dem, was die Initiative publik gemacht hat.“ Es wird nicht der letzte Akt im Stuttgarter Machtkampf gewesen sein.