Bei der Dehoga-Lossprechungsfeier wurden Auszubildende, die mitten in der Corona-Krise gestartet waren, verabschiedet. „Ehrgeiz, Wille und Hingabe“, aber auch „Abstriche im Privatleben“ gehörten in dieser Branche dazu, erklärten die Redner. Und: Die Zahl der Auszubildenden steige wieder deutlich.
Wenn sich jemand vor den Spiegel stellt und mit sich selber spricht, muss das kein Fall für den Psychiater sein. Rachdian Bimodityo hat damit versucht, die deutsche Sprache so gut wie möglich zu lernen.
Jetzt wurde der frisch gebackene Hotelfachmann aus dem Hotel Grüner Wald in Freudenstadt bei der Lossprechungsfeier des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) als Kammersieger ausgezeichnet.
Der Start der Ausbildung seines Jahrgangs war alles andere als leicht. Diese Auszubildenden begannen, daran erinnerte Beate Gaiser, Freudenstädter Dehoga-Kreisvorsitzende, im zweiten, harten Corona-Lockdown.
Zumal auch darüber hinaus die Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe keine geringe Herausforderung sei. Gaiser: „Dazu gehören Ehrgeiz, Wille und Hingabe.“ Diese Eigenschaften habe Rachdian Bimodityo bewiesen.
„Dieser Beruf führt zu Abstrichen im Privatleben“, sagte Ricarda Becker. Dennoch bringe er viel Freude mit sich, sagte die Leiterin des Dehoga-Campus in Calw-Wimberg, wo die Feier stattfand.
Ein gutes Zeichen
Becker moderierte die Veranstaltung und versorgte mit ihrem Team in Küche und Service die Gäste mit einem Menü, bestehend aus Miso-Brühe mit Lachs-Lolli, Maispoularde an Sellerieschaum und Mango-Chutney sowie einer Mousse au Chocolat mit Chili-Note.
Gaiser freute sich, dass die Zahl der Auszubildenden in der Branche wieder deutlich steigt, angesichts des Fachkräftemangels ein gutes Zeichen. Das sei zum Teil auf den „Corona-Knick“ zurückzuführen, der zu deutliche Rückgängen geführt hatte. Aber auch darüber hinaus nehmen die Zahlen zu. Und vor allem kommen immer mehr Azubis aus dem Ausland. Hauptherkunftsländer seien Marokko, Vietnam, Indonesien und die Republik Kosovo.
„Wir brauchen sie alle“
In der bestandenen Prüfung sieht Knut Lorisch, Mitglied der Geschäftsführung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nordschwarzwald in Pforzheim, einen ersten Meilenstein für die weitere berufliche Karriere. Die demografische Entwicklung habe zum Mangel an Fachkräften geführt, die Lücke werde noch größer.
„Wir brauchen sie alle“, rief Lorisch den Absolventen zu. Wer in dieser Branche im Nordschwarzwald seine Ausbildung absolvierte habe, sei weltweit gefragt. „Erzählen sie anderen von Ihrer spannenden Ausbildung, werden Sie Botschafter für Ihren Beruf“, sagte der IHK-Vertreter.
Kömpf appelliert, wählen zu gehen
Der stellvertretende Oberbürgermeister von Calw, Dieter Kömpf, forderte die Absolventen auf, angesichts der bevorstehenden Wahlen sich kommunalpolitisch zu engagieren. „Dort können sie direkt etwas bewirken.“ In den Gemeinderäten werde beispielsweise darüber entschieden, wie lange die Außengastronomie geöffnet haben darf. Kömpf appellierte an die jungen Menschen, auf jeden Fall wählen zu gehen.