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Loßburg Inklusion mit Säbel und Flamingo

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Blütenblätter zum Bewerfen der Hochzeitspaare wurden auch an das Publikum verteilt. Foto: Schwarzwälder Bote

Auf der Jagd nach einem Huhn, das goldene Eier legt: Nach über einem Jahr Probenarbeit präsentierte die Theatergruppe "Mittendrin" ihr selbst entwickeltes Stück.

Loßburg. Auch als verwöhnter Theaterbesucher musste man uneingeschränkt feststellen: Die von der Theatergruppe "Mittendrin" der Lebenshilfe am Wochenende zweimal aufgeführte "Schräge Piratenkomödie" war ein ganz besonderes Theatererlebnis. Ganz besonders, weil die eigentlich heitere Geschichte bewirkte, dass sowohl den Zuschauern als auch den Schauspielern nach der Vorstellung Tränen in den Augen standen. Allerdings aus unterschiedlichem Grund: Die Zuschauer bekamen vor Rührung feuchte Augen, und die Schauspieler vor Freude über das Geleistete.

Dabei ist die gespielte Geschichte eigentlich simpel: Ein Kapitän lebt mit seiner Tochter in der Karibik. Die ist untröstlich, weil ihr geliebtes Huhn, das zudem goldene Eier legt, gestohlen wurde. Die beiden heuern Piratenkapitän Cappuccino mit seiner Piratenmannschaft an, um das Huhn zu suchen. Als Belohnung winkt ihm ein Eheversprechen. Auf ihrer Suche erlebt die schräge Truppe manche Abenteuer, bis das Huhn endlich im Schlafzimmer von US-Präsident Donald Trump gefunden wird.

Die Theatergruppe "Mittendrin" ist ein Angebot der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung. Im Rahmen ihrer "Offenen Hilfen" bietet die Selbsthilfevereinigung Beratung, Entlastung, Freizeit und gemeinsame Urlaube. Aber auch Betreutes Wohnen, die Kindertagesstätte oder Schulbegleitung gehören zu den Leistungsangeboten der Lebenshilfe.

Wie Hans-Joachim Greschner als Vorsitzender der Lebenshilfe in seiner Begrüßungsansprache berichtete, engagieren sich in der Lebenshilfe über 100 ehrenamtliche und 25 hauptamtliche Mitarbeiter, um für Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft mehr Toleranz, Teilhabe, Bindung und Offenheit zu erreichen.

Jede noch so kleine Rolle zählt

Wie die anschließende Vorstellung eindrücklich belegte, werden diese Ziele auch durch die gemeinsame Arbeit an einem Theaterstück mehr als erreicht. Zusammen mit Theaterpädagogin Monika Bruch und der Leiterin der "Offenen Hilfen", Jasmin Schmidt, probten die 15 Theaterspieler über ein Jahr lang an dem Stück. Wobei es sich hier nicht um ein fertiges Stück handelte, vielmehr wurde die Geschichte rund um das Huhn, das goldene Eier legt, gemeinsam mit allen Mitwirkenden fortgeschrieben.

Über das Resultat dieser gemeinsamen Probenarbeit gibt es nur ein Urteil: Perfekt. Im wohltuenden Gegensatz zum üblichen Theaterspiel wurden auch kleinste Nebenrollen gewürdigt und hoch geachtet. Schauspieler, die angesichts ihrer Behinderung keine Sprechrolle übernehmen konnten, glänzten durch pantomimische Gesten. Oder einfach auch durch schrullige Requisiten, die sie gekonnt einsetzten.

Die Schauspieler passten perfekt zu ihren Rollen, als Beispiel sei hier der Müllmann erwähnt, der auch in seiner Doppelrolle als Schiffs-Lotse eine glänzende Figur ablegte. Unglaublich berührend zu beobachten war es auch, mit welcher Selbstverständlichkeit und Sensibilität die Mitspieler ihre – mehrfachbehinderten – Schauspielerkollegin unterstützten und unauffällig kleine Hilfestellungen gaben.

Im weiteren Verlauf der Geschichte wechselten sich auf der Bühne in drei Akten herrliche Bühnenbilder, kleine Dialoge, flotte Sprüche und ausgelassene Tänze munter ab. Auch die Piratenmannschaft war bei ihrer Namenswahl sehr kreativ: Da trafen sich an der Bar "Zum lustigen Hering" Kühler Karpfen mit Blauer Neo. Dort hielten sie auch ihr Piraten-Symposium ab, bei dem wichtige lebenspraktische Ratschläge ausgetauscht wurden. Allerdings konnte auch Piratenkapitän Cappuccino seiner Mannschaft nicht erklären, wer Donald Trump ist: "Wer ist denn das? Ich kenne nur Donald Duck."

Dramaturgisch höchst geschickt wurde von den Verantwortlichen in das Stück eine kleine Rückschau auf die gemeinsamen Probenarbeiten eingebaut. So konnten die Zuschauer anhand eingespielter Bilder die gemeinsamen Reisen, Probenwochenenden und Unternehmungen miterleben. Überhaupt offenbarten die Aufführungen deutlich, dass hinter dem großartigen Erfolg eine perfekte Vorbereitung steht: Da klebten auf der Bühne unauffällig Zettel mit den Namen der Schauspieler, da markierte ein wie zufällig hingeworfener Schuh genau den Punkt, an dem die Spieler sich verbeugen mussten. Da wurden in der kurzen Umbaupause an die Zuschauer im Gang Blütenblätter verteilt, um damit die einziehenden Hochzeitspaare zu bewerfen. Und vorab wurden nonverbale Zeichen verabredet, die dem Publikum als Orientierung dienten.

"Mittendrin im Leben" ist das Motto der Lebenshilfe. Dass dieses Motto durch die Theateraufführungen erreicht wurde, ist das Verdienst aller Akteure. Und: Mittendrin war man auch als Zuschauer.

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