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Loßburg Für die nächsten drei Jahrhunderte gerüstet

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Der Birkhof (auf dem großen Bild mit dem Leibgedinghaus) wurde innen und außen aufwendig saniert. Michael und Regina Mühlbayer informierten Landrat Klaus Michael Rückert über das Projekt, das sich über Jahre hinzog (Bild links unten, von links). Moderne LED-Beleuchtung wurde im gesamten Gebäude installiert, so auch im früheren Stall (unten Mitte) und im Wohnbereich des Birkhofs (unten rechts). Fotos: Wiegert Foto: Schwarzwälder-Bote

"Im Ruhestand braucht man ein Projekt", sagten sich Regina und Michael Mühlbayer – und kauften den heruntergekommenen Birkhof in 24-Höfe. Mit großem Engagement und viel Liebe zum Detail haben sie ihn denkmalgerecht saniert.

Loßburg-24-Höfe. Welcher Herkulesaufgabe sie sich da näherten, war Regina und Michael Mühlbayer wohl nicht ganz bewusst, als sie vor viereinhalb Jahren erstmals mit dem Auto aus dem Wald auf die abgelegene Lichtung mit dem Birkhof und dem dazugehörigen Leibgedinghaus fuhren. Wohl aber, dass sie vom alten Bauernhaus und seiner Lage "total begeistert" waren.

Bei einem Besuch von Landrat Klaus Michael Rückert und Bianca Gruber von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Freudenstädter Landratsamts gab das Ehepaar einen umfassenden Einblick in die drei Jahre dauernde Sanierung und, eng damit verbunden, die Geschichte des 320 Jahre alten Birkhofs. Instandgesetzt wurde er in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden unter fachlicher Begleitung durch das Architekturbüro Jarcke. Die Sanierung ist, wie Bianca Gruber bestätigt, aus denkmalpflegerischer Sicht mustergültig. Was durchaus nicht heißt, dass der Hof komplett "auf Alt" gemacht ist. Historische Bausubstanz wurde wo möglich erhalten und neue wo nötig eingebaut. So findet sich beispielsweise auch eine Stahltreppe im Birkhof. Vor der Sanierung wurden verschiedene baufällige Anbauten aus neuerer Zeit abgetragen, die nicht für den Denkmalschutz bedeutsam waren. So ist das Hofgut heute in seinem Grundbestand zu sehen – weiträumig vor allem in der Scheune, dem Heuboden und im Stall und mit bestechend klarer Architektur.

Der Bauernhof, sagt Michael Mühlbayer, "ist für die nächsten 300 Jahre gerüstet, und dann sollen die Leute sehen, was vor 600 und was vor 300 Jahren gebaut wurde". Das Ehepaar aus Ludwigsburg nutzt den Birkhof als Ferienhaus für die Verwandtschaft, und wohnt zeitweise auch hier. "Der Nordschwarzwald ist ein Stück Heimat für uns", sagt Regina Mühlbayer, "die Großfamilie wohnt im Umfeld." Der Birkhof, 1697 als Vogtshof des Klosters Alpirsbach erbaut, war zuletzt 60 Jahre lang nicht mehr von Menschen bewohnt. Die letzte Kuh zog 1996 aus dem Stall aus. Bis zu dieser Zeit wurde der Birkhof noch als landwirtschaftliches Gehöft genutzt. Als das Ehepaar den Birkhof erwarb, "hat es hier schlimm ausgesehen", wie Michael Mühlbayer sagt: "Das Dach drohte einzustürzen, es hat reingeregnet. Für den Hof war die Sanierung Rettung in letzter Sekunde."

Alte und neue Bauelemente nebeneinander

Klar war den Käufern gleich, dass die Substanz des Hauses noch rettbar war. Fachhandwerker und Restauratoren aus der Region wurden mit der Sanierung beauftragt. Regina und Michael Mühlbayer packten aber auch selbst kräftig mit an. Was noch verwendbar war, wurde instandgesetzt, wo nötig neues Holz eingebaut. Das alte stammt von Bäumen, die im Winter 1696/97 geschlagen wurden, wie die Altersbestimmung ergab.

Der Birkhof wurde mit ursprünglichen Materialien komplett isoliert und bekam einen Außenanstrich mit Leinölfarbe. Auch alle im Haus verwendeten Farben basieren auf Leinöl mit historischen Pigmenten. Die Steine wurden mit historischem Kalkmörtel ausgefugt und zum Teil verputzt.

An manchen Stellen sieht man alte und neue Bauteile mit gleicher Funktion nebeneinander. So wurde ein neues Hoftor eingebaut und das alte, stark beschädigte, als Doppeltür belassen. Im Wohntrakt hat das Bauernhaus eine Raumhöhe von fast drei Metern. Der Bereich umfasst neben einer kleinen Stube mit angrenzender Schlafkammer auch noch die große alte Stube mit aufwendiger Holzausstattung. Sie diente dem Vogt früher als Amtsstube.

Besonders augenfällig ist das Nebeneinander von alten und neuen Bauelementen in einem Bad: An der Holztür prangt ein rund 300 Jahre altes Schloss, ein Meter weiter steht eine vollverglaste moderne Duschkabine. Viele freigelegte bauhistorische Details, etwa kobaltblaue Putze im Flur der Wohnung und alte Türfassungen, wurden im Sanierungskonzept berücksichtigt. In der Schlafstube lag ein 500 Jahre alter Terrakottaboden, der restauriert und, soweit die Fliesen noch intakt waren, wieder eingebaut wurde. Ein Terrakottaboden mit identischer Fliesenform und gleichem Muster wurde auch in der Abtwohnung des Alpirsbacher Klosters verlegt.

Viel Arbeit erforderte es, aus dem Stall den Mist vieler Jahre zu kratzen, ebenso, die frühere Rauchküche instandzusetzen. Zumal, wie Michael Mühlbayer sagt, "das ganze Haus krumm ist". Für die Fassade fertigte ein Handwerker aus Altensteig 167 000 Schindeln – es war aus Altersgründen der letzte Auftrag, den der Senior annahm.

Saniert wurde auch das Leibgedinghaus. Seine Fensterläden sind, wie Michael Mühlbayer betont, in "württembergischem Oberamtsgrün" gestrichen. Beim Rückbau von Teilen des mehrfach erweiterten Leibgedinghauses fand man auch wieder den mittelalterlichen Tiefbrunnen, dessen Wasser den Bau des Birkhofs überhaupt erst ermöglichte.

Landrat Rückert würdigte bei seinem Besuch, dass die Sanierung "mit großem Respekt vor der Historie des Birkhofs" vorgenommen worden sei, und erwähnte auch, dass das Architekturbüro Jarcke im vergangenen Jahr für das Projekt bei einem Wettbewerb der Architektenkammer für die Landkreise Calw und Freudenstadt eine Auszeichnung für beispielhaftes Bauen bekommen hat. Lächelnd erzählte Regina Mühlbayer vom Besuch eines Jungen aus der Nachbarschaft, als die Sanierung am Anfang stand. Der Birkhof, habe das Kind ihr gesagt, sei ein "Glomb", und das Leibgedinghaus "nicht viel besser". Aus dem "Gelumpe" haben die Mühlbayers ein Traumhaus gemacht.

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