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Löffingen Erinnerungen an das Holzwerk Benz

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Dieses Foto dürfte um 1920 entstanden sein, ein Blick aus Richtung "Breiten", rechts die Villa des Firmengründers, dahinter der qualmende Schornstein. Die Häuser sind noch meist aus Holz gebaut. Foto: Schwarzwälder Bote

"Josef Benz Holzgroßhandlung, Dampfsäge- und Hobelwerke, Kistenfabriken, Kyanisier- und Imprägnieranstalt Löffingen" – so beschrieb Josef Benz sein 1911/12 errichtetes Werk, welches nicht nur Löffingen geprägt hat.

Löffingen. Selbst im Ausland, etwa in Spanien, Frankreich, Italien oder in der Schweiz war es bekannt. 1972 endete die Ära des Unternehmens, in dem einst viele Löffinger arbeiteten.

Heimatforscher Werner Waßmer und seine Ehefrau Maria nahmen jetzt zahlreiche Interessierte mit auf eine virtuelle Zeitreise und erinnerten mit Bildern an die Geschichte des Unternehmens. Das pensionierte Lehrerehepaar Waßmer betreibt die private Internetseite "Löffingen – damals".

Die Anfänge: Mit 29 Jahren übernahm Josef Benz das kleine Holzhandelsgeschäft des Vaters. Er erwarb zehn Hektar Gelände jenseits der Bahnlinie, um darauf die Holzindustriewerke Benz aufzubauen. Zu Beginn gab es ein zweigattriges Sägewerk und eine angeschlossene Kistenfabrik, doch schon 1920 war der Rauch der zwei Schornsteine weit über Löffingen zu sehen und das Firmengelände hatte sich mächtig vergrößert. 1921 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt mit Bahnanschluss. 350 Arbeiter und Angestellte waren auf dem großen Areal beschäftigt. 1928 zerstörte ein Großfeuer das Unternehmen, vor allem die Holzhäuser und die frisch geteerten Dächer gaben dem Feuer Nahrung. Der Gesamtschaden wurde auf mehre Millionen Reichsmark beziffert.

Wiederaufbau: Doch Josef Benz baute 1928/29 alles nach modernsten technischen Erkenntnissen wieder auf. Gleichzeitig gründet er 1930 die Betriebsfeuerwehr. Durch Fliegerangriffe 1945 wurde das Betriebsgelände stark beschädigt. Der Wiederaufbau erfolgte. In den 1960er-Jahren kamen viele italienische Gastarbeiter und auch Schlosser nach Löffingen. Elektriker und kaufmännische Angestellte wurden ausgebildet. 1972 bedeutete das Ende des so erfolgreichen Unternehmens, welches 1970 erneut durch einen Großbrand teilweise zerstört worden war. 1984 wurde der Schornstein gesprengt, 2013 wurde das Kesselhaus abgerissen.

Alte und neue Villa: Als Josef Benz fünf Jahre alt war, brannten das Elternhaus und zwei weitere Gebäude nieder. Seine Eltern bauten auf dem Brandplatz ein neues Haus auf, den alten Benzbau, den heutigen Siefertbau mit der Scheffelapotheke. Vorne war der Wohnblock, hinten befanden sich die Stallungen. Später baute Josef Benz daraus einen Wohnblock mit 15 Wohnungen. Im heutigen Textilgeschäft waren die Benz-Garagen. Der neue Benzbau wurde 1923/24 mit 20 Wohnungen gebaut. Gleichzeitig schuf sich Josef Benz mit den beiden Villen, in dem heute eine Arzt- und Zahnarztpraxis angesiedelt sind, ein neues Zuhause.

Unternehmer mit Herz: Heute erinnert nur noch das Familiengrab an Josef Benz. Er wurde 1882 geboren und starb 1932 mit gerade einmal 49 Jahren nach einer Operation in Freiburg. Nach seinem Tod übernahmen seine zwei Söhne die Geschäfte. Der Holzhändler, der sich zum Unternehmer entwickelte, heiratete Emma Langenbacher aus Rötenbach, welche ihm die Kinder Walter (1908), Hilda (1911) und Hans (1914) schenkte. Als sie mit 32 Jahren verstarb, heiratete er Anna Bauer aus der Nähe von Stockach. Aus der Ehe ging Tochter Inge (1920) hervor.

Josef Benz war nicht nur Unternehmer. Auch sein soziales Engagement wurde deutlich, wie Rita Bölle und Carola Hannes erinnerten. Als er 1923 von den 320 Angestellten 120 Personen entlassen musste, schenkte er ihnen das Geld für die Fahrkarte, um wieder nach Hause zu fahren. Wer bei der Entlassung nicht aus den Benzbaracken auf dem Fabrikgelände ausziehen wollte, konnte für eine etwas höhere Miete als die Arbeiter wohnen bleiben. 1,50 Mark Stundenlohn gab es 1955, so Gerhard Pfeifer. Gelegentlich gab es Weihnachtsgeld. Doch vor allem profitierten die Arbeiter von der Einzahlung in die Versicherung.

Viel bewegt: Aufgewachsen im kleinen geschlossenen Ring Löffingens, wuchs in Josef Benz der Pioniergeist. Ob der Weitblick durch die Wallfahrt oder den Wochenmarkt mit den vielen Menschen die von außerhalb kamen, entstand, oder die Ideen im Elternhaus oder in der elterlichen Wirtschaft "Zum David" wuchsen, lässt sich nicht sagen. Sicher ist, dass der Sohn der Stadt viel bewegt hat. "Dieser Mann hat für Löffingen und die Region sehr viel getan. Mindestens eine Straße müsste nach ihm benannt werden", appellierte Hans-Peter Kramer, dessen Vater in der Villa Benz Gärtner war.

Mit ihrem Vortrag über das Holzwerk Benz haben Maria und Werner Waßmer den Nerv der Bevölkerung getroffen. Da konnte etwa Bettina Happel von ihrer "Omi Hilde" erzählen, die Tochter von Josef und Emma Benz. Interessante Details wusste Gerhard Pfeifer zu berichten, der als Fahrer eingesetzt war, ebenso sein Kollege Karlheinz Hofmeier. In der Nähe wohnte die Familie Trenkle.

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