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Löffingen Als Löffingen das Stadtrecht bekam

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Die Urkunde zur Wiederverleihung der Stadtrechte hängt im Zimmer des Löffinger Bürgermeisters. Foto: Schwarzwälder Bote

Die Löffinger standen und stehen für ihr Städtle, dies wurde beim Vortrag von Rudolf Gwinner anlässlich der 1200-Jahr-Feier nur allzu deutlich. Der Heimatforscher hatte die Wiederverleihung der Stadtrechte 1950/51 aufgegriffen und nicht nur die Stadtgeschichte durchleuchtet, sondern auch einen Fokus auf die damalige Zeit gesetzt.

Löffingen. Laut Heimatforscher Rudolf Gwinner hatte Löffingen bis 1921 Stadtrecht inne. Wegen der zu geringen Einwohnerzahl wurden der Gemeinde die Rechte damals allerdings entzogen, erst im Mai 1951 bekam Löffingen die Stadtrechte auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Paul Benitz wieder zuerkannt. Benitz begründete seinen Antrag auf die neuerliche Verleihung der Stadtrechte unter anderem damit, dass das Baarstädtle ein "wirtschaftlicher und geschäftlicher Mittelpunkt der Region" sei und dies gewürdigt werden müsse.

"Noch heute schwärmen ältere Menschen vom großen Festwochenende, als sie am 27. Mai 1951 die Stadtrechte wieder bekamen", so Rudolf Gwinner. Bei den rund 40 Zuhörern wurde dies offensichtlich. Bürgermeister Tobias Link hatte das Goldene Buch der Stadt mit dabei, der erste Eintrag war dieses unvergessliche Wiederverleihungs-Fest. Josef Heiler hatte damals seine Gefühle in Gedichtform ins Buch eingetragen. "Die Heimatliebe und die Empatie der Löffinger sind hier deutlich zu spüren", sagte Bürgermeister Tobias Link.

"Als stolzes und schönes Fest in schöner Harmonie" beschreibt der Hochschwarzwald-Bote am 28. Mai 1951 die imposanten Feierlichkeiten. Die Stadt war festlich geschmückt, und viele Tausende machten sich auf den Weg nach Löffingen. Sie kamen aus dem Schwarzwald und der Baar, um dem großen Festumzug und den Auftritten beizuwohnen. Es war Fritz Adrion, der den historischen Festumzug mit Motto-Wagen und Fußgruppen zusammengestellt hatte. "Ein Zug durch die interessante Löffinger Geschichte, bei der auch die Orte Göschweiler, Rötenbach, Bachheim und Dittishausen sich beteiligten", so der Zeitungsbericht. Die Festschrift verdeutlicht dies, und so mancher Zuhörer erinnerte sich noch an den Umzug. Als Festjungfrauen, als Tänzerinnen oder beim ersten Spielmannszug waren Inge Benitz, Anita Hoitz, Genoveva Kinast und Eugen Fehrenbach mit dabei. "Es regnete in Strömen, und unsere weißen Unterröcke und Kleidung waren durch und durch nass", erzählte Inge Benitz. Unter dem Regen hatte auch Eugen Fehrenbach zu kämpfen. "Wir hatten große Papphüte mit Schild, die uns ins Gesicht fielen, sehen konnten wir nichts mehr."

Aufgrund des Dauerregens wurden das ganze Geschehen nach dem Umzug nicht auf die Festbühne, sondern sofort in die Festhalle verlegt. Am Abend gab es nochmals historische Festspiele mit ebenfalls 21 Auftritten. Genofeva Kinast erinnert sich noch gut, wie ihr Vater Fritz Adrion sie und andere junge Damen zum Tanzen verpflichtete. Auch da gab es eine beeindruckende Schau durch die interessante Löffinger Geschichte. Am Schluss wurde das Lied auf die Stadt Löffingen unter Mitwirkung vom Gesangverein, Kirchenchor und Stadtmusik unter Leitung von Karl Hepting gesungen. Hänner Jäger hatte den Text geschrieben, der damalige Lehrer Bier das Lied komponiert. Die vier Strophen konnte der 90-jährige Willy Burger noch auswendig. Er erinnert sich noch genau, mit wieviel Herzblut und Probenarbeit dieses Lied einstudiert wurde. Das Volksfest mit Vergnügungspark fiel buchstäblich ins Wasser, aber Musik, Tanz und Unterhaltung bis zum Wecken gab es.

Der Antrag zur Wiederverleihung der historischen Stadtrechte zeigt, mit wieviel Herzblut hier gekämpft wurde. Nicht nur die Geschichte, sondern auch die Rolle Löffingens in der Region wurden auf mehreren Seiten aufgezählt. "Der Geschichtsauszug trägt die Handschrift von Fritz Adrion, Henner Jäger und Karl Ehret", so Gwinner. Wahrscheinlich war es aber Karl Hasenfuß, der 1953 die Löffinger Chronik herausbrachte. Mit Sicherheit konnten die Akteure auf die historischen Forschungen des 1948 verstorbenen Leo Ratzer zurückgreifen. Löffingen wurde erstmals 819, damals als Dorf, erwähnt. 1261, so hat Matthias Wider belegt, wurde die Stadt Löffingen vom Haus Fürstenberg gegründet. Die Stadt war nicht erster Linie als befestigte Zufluchtsstätte zu sehen, sondern ihr Hauptaugenmerk war darauf gerichtet, den an der Straße nach Freiburg gelegenen Ort zu einem Mittelpunkt für Handel und Verkehr zu machen sowie zu einer Zollstätte, so kann man in der Begründung lesen.

Mit Schreiben vom 6. Dezember 1950 teilt das Badische Ministerium des Inneren dem Landratsamt Neustadt mit, dass der Gemeinde Löffingen die Bezeichnung "Stadt" verliehen wird. Die Urkunde hängt im Bürgermeister-Zimmer. Am selben Tag wurde auch Bonndorf zur Stadt. "Zu den 30 Städten im ehemaligen Land Baden, welche die Stadtrechte wieder bekamen, zählen auch Bräunlingen, Blumberg, Hüfingen, Stühlingen und Möhringen", erinnerte Gwinner.

Die Wiederverleihung der Stadtrechte war laut Rudolf Gwinner von großer landespolitischer Bedeutung. Der damalige badische Staatspräsident Leo Wohleb erhoffte sich durch großzügige Wiederverleihungen Stimmen gegen die Bildung eines Südweststaates. Interessant ist die Abstimmung. In Löffingen stimmten 69 Prozent für das alte Land Baden, im Landkreis Neustadt 66,5 Prozent, in Donaueschingen 57 Prozent und im Landkreis Villingen 43,3 Prozent. "Ob dies an den nichtbadischen Schwennigern lag?", mutmaßt der Heimatforscher Rudolf Gwinner.

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