Wenn Thomas Moser (rechts) sich „uffregt“, bleibt sein Schwenninger Pendant Michael Schopfer in der Regel ruhig – aber auch nicht immer. Foto: Birgit Heinig

Jetzt ist es bald ein für alle Mal vorbei, das kabarettistische Donnerwetter zum Jahresende. Thomas Moser und Michael Schopfer sind mit ihrem „Satirischen Jahresrückblick“ gerade auf Abschiedstournee.

Ein letztes Mal nach zehn Jahren stoßen die beiden auf einen mehrfach vollen Ratskeller in Villingen und ein restlos besetztes Café Häring in Schwenningen an. Auch in Mühlhausen erfährt die „Abrechnung 2023“ große Resonanz.

 

Gewohnt unbarmherzig gehen die „Schwertgosch“ aus dem Westen (Moser) und der „Grantler“ aus dem Osten der Stadt auch diesmal wieder mit der Kommunalpolitik ins Gericht, aber auch die Gesellschaft muss sich einiges an Kritik anhören.

Protestplakate verteilt

So wird das Publikum als deren Vertreter und Vertreterinnen aufgefordert, gefälligst Haltung einzunehmen, für die Demokratie einzustehen und für seine Interessen durchaus auch auf die Straße zu gehen. Am Beispiel der Färberstraße und der dort dahinsiechenden Gastronomie verteilen Moser und Schopfer dafür Protestplakate („Wir fordern Bier bis vier“) im Raum mit der nachdrücklichen Aufforderung: „Hochhalten!“

Obwohl Thomas Moser bekannt dafür ist, dass er sich gerne „uffregt“, steht ihm Michael Schopfer diesmal in nichts nach. Der Schwenninger echauffiert sich über teurer werdendes Bier bei billiger werdender Butter („nüchtern, aber fett“) über Wärmepumpe, die mit Strom aus Frankreich gespeist werden, über die Ampel im Allgemeinen und über OB Roth („die narzisstische Luftpumpe in den Wechseljahren“) im Besonderen. „Die können mir alle dermaßen den Buckel runterrutschen, dass ich mich mit meiner Rodelbahn selbstständig machen könnte“, schimpft er.

Moser dagegen scheint entspannt, trägt er doch eine Warnweste und Schwimmflügel. Diese immer dann zur Sicherheit, wenn er nach Schwenningen gehe, wo es in 2023 schließlich „erst mehrfach Feuer und dann die Sintflut“ gegebene habe.

Schwenninger Zunftball

Kein gutes Haar lassen beide an den Shitstormern nach dem Schwenninger Zunftball 2023, die sich über „Black Facing“ beim Auftritt des Tanzballets als „Boney M.“ aufregten. Würde sich in Timbuktu jemand daran stören, wenn sich dort zwei das Gesicht weiß anmalten, um Moser und Schopfer zu parodieren? Ganz schlecht kommt der Narrenzunft-Vorstand weg, der seine Tänzerinnen den Kritikern „zum Fraß vorgeworfen“ habe.

Überbordende Bürokratie und politischer Stillstand, das leidende Klima und der schlechte deutsche Fußball – Stoff gibt es für die Satiriker genug. Ihre Lösungsansätze beginnen bei einer Verkleinerung des Gemeinderates, gehen über den Vorschlag, öfter mit dem Rad zu fahren („auch wenn das im Kofferraum immer klappert“) und reichen bis zur Abrechnung mit dem FC Liverpool, der sich „erbärmlich und arrogant“ von seinen Fans abschottete und dabei vom FC 08 Villingen noch unterstützt wurde.

Moser und Schopfer wettern gegen die „verhätschelten Fußball-Jungmillionäre“, die sich von Kindern auf den Platz führen lassen müssen und „von ihrem Psychologen gezeigt bekommen, wo das Tor steht“. Sie selbst umdribbelten in ihrer Jugend Maulwurfshügel und gingen erst nach Hause, wenn sich der Hartplatzsand tief in die Kniescheibe gebohrt hatte.

Wenn sich VS trennt

Was wäre, wenn sich Villingen und Schwenningen wieder trennten? In einem Szenario über mehrere Jahre hinweg malen die beiden das Bild eines gewerbesteuerverwöhnten Schwenningens und eines dahinsiechenden Villingens, bis sich Letzteres aus purer Not mit Marbach zu „Marillingen“ zusammenschließt.

Frauen in den Rat

Die Aufnahme von Frauen in den Rat der Historischen Narrozunft nehmen die beiden zum Anlass, einer schwindenden Männlichkeit hinterherzutrauern und anzukündigen, jetzt die „Alte Jungfere“ zu unterwandern.

Die Jugend mit ihren Smartphones („wir haben früher den Hörer abgenommen, ohne zu wissen, wer dran ist“), eine abnehmende Geburtenrate, „weil keine Handwerker mehr ins Haus kommen“ und die vier Friedhöfe Schwenningen – „der Wald- und der alte Friedhof, der Muslen- und der Marktplatz“ – beschäftigen das Duo ebenso wie das Zentralbad, „das nicht kommt, eher trocknet das Schwenninger Moos ein“, der als Stadtstrand gepriesene „bewachte Sandkasten“ im Sommer auf dem Muslenplatz und der kommunalpolitische Wunsch „wann denken wir endlich einmal groß“.

Der Abschied

Mit „Schön war’s, jetzt ist es zu Ende“ verabschieden sich Thomas Moser und Michael Schopfer, entschuldigen sich fast („Kabarett muss manchmal auch wehtun“) und hinterlassen beim Publikum die Frage, wie es in „the Länd“ und in VS jetzt wohl weitergeht ohne die kabarettistischen Finger der beiden in den Wunden.

Termine und Tickets

Karten für den „Satirischen Jahresrückblick von Thomas Moser und Michael Schopfer gibt es noch für folgende Termine: Villingen Ratskeller: 26. Januar und 3. Februar. Schwenninger Café Häring: 19. Januar. Mühlhausener Göpelhaus: 13. Januar. Karten sind für 19 Euro erhältlich beim Reinigungszentrum Heinzmann, Niedere Straße 53, Telefon 07721/2 53 86, im Blumenhaus Schopfer, Schützenstraße 28, Telefon 07720/58 25, nur für Mühlhausen in der Metzgerei Moser, Telefon 07720/95 74 71, unter th.moser@gmx.de oder über www.satirischer-jahresrückblick-vs.de.