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Leichtathletik Maximilian Vollmer: Unter neuer Flagge

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Der Zehnkämpfer Maximilian Vollmer. Foto: ©Jamroofer/Fotolia.com, Vollmer/Montage: von Gottschalck

Im Eishockey versuchen Manager oft alles, damit ihre Importcracks aus Nordamerika möglichst schnell einen deutschen Pass erhalten, so das Ausländerkontingent ihrer Klubs nicht belasten. Der Marbacher Zehnkämpfer Maximilian Vollmer geht nun den umkehrten Weg.

Dienstag, Eugene, Ortszeit 9 Uhr. Maximilian Vollmer ist gerade aufgestanden, packt gleich seinen Koffer. Vom Westen des US-Bundesstaates Oregon wird es per Flieger in Richtung New Mexico gehen. "In Albuquerque steht für mich das nächste Hallenmeeting an. Man kommt hier schon viel rum", sagt der Student (Business Administration) der Universität von Oregon und lacht.

"Perfekte Bedingungen"

Dort, also in der Stadt mit gut 150 000 Einwohnern, verbindet der 21-Jährige seit September 2018 Studium und Sport. "Zwischen 7 und 8.30 Uhr steht meistens Krafttraining an, danach gehe ich in die Vorlesungen. Anschließend wartet das eigentliche Training", sind die Tage des früheren Sportlers der LG Bad Dürrheim stets gut gefüllt. "Und hier gibt es eben perfekte Bedingungen", schwärmt Vollmer auch über die Hallen am Gründungsort der Sportartikel-Weltmarke "Nike". "Diese sind oft mehr als 100 Meter lang, dazu gut 30 Meter hoch. Da kann man sogar aus vollem Anlauf Speerwerfen."

Noch viel Potenzial

Und dies ist wichtig, will Vollmer doch seine Bestleistung (60,71 Meter) mit dem 800 Gramm schweren Wurfgerät in diesem Jahr verbessern. "Ich habe in jeder Zehnkampfdisziplin noch Potenzial", denkt der Marbacher dabei aber vor allem an den Weitsprung, in dem sehr viele Punkte vergeben werden. "Im Training habe ich schon an der 7,50-Meter-Marke gekratzt", weiß Vollmer, dass er dann im Vergleich zu seiner bisherigen Bestleistung im Zehnkampf (7,06 Meter) gleich gut 100 Punkte mehr auf dem Konto hätte. Auch im Hochsprung würden noch einige Zentimeter mehr möglich sein, vielleicht sogar die "magische" Zwei-Meter-Barriere. Dies würden 803 Zähler für den Zehnkampf bedeuten – statt 705 Punkte, die bei seinem bisher höchsten Sprung (1,89 Meter) heraussprangen. "Und ähnlich sieht es in den anderen Disziplinen aus."

Neue Trainingsinhalte

Der Optimismus kommt nicht von ungefähr. Maximilian Vollmer ist nach einigen Gesundheitsproblemen nicht nur wieder komplett fit, sondern schöpft auch durch die Umgestaltung einiger Trainingsinhalte viel Mut. "Dies betrifft vor allem Physiomaßnahmen direkt nach den Einheiten. Ich kann mich danach nun viel besser regenerieren. Dies bedeutet, dass ich einfach im nächsten Training wieder meinen Körper voll belasten kann", geht der 21-Jährige nun viel öfters an Limit.

Die Nummer 1 der USA?

Kein Wunder, dass er sich in diesem Jahr zutraut, nicht nur erstmals die Marke von 8000 Punkte zu überspringen. "8350 Zähler sind schon mein Ziel. Zudem möchte ich wieder die nationalen College-Meisterschaften gewinnen. Und Gold bei den US-Trials wären auch nicht schlecht", hat Vollmer viel vor.

Die große Konkurrenz

Apropos 8350 Punkte. Diese Marke müssen deutsche Zehnkämpfer übertreffen, wollen sie in Tokio dabei sein. Im vergangenen Jahr schafften dies mit Weltmeister Niklas Kaul (8691) und Kai Kazmirek (8444) zwei "Könige der Athleten". "In Deutschland ist die Konkurrenz sehr groß. Dies ist aber nicht der Hauptgrund, weshalb ich einen US-Pass beantragt habe", verrät der 21-Jährige in einem Nebensatz, dass er nicht mehr die Farben des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV) vertreten wird.

Der Nationenwechsel

Vom DLV – Zehnkampf-Bundestrainer Christopher Hallmann war trotz mehrfacher Anfragen nicht erreichbar – ist der Marbacher enttäuscht. "In den USA kann man einfach Studium und Sport viel besser verbinden, das Förder- und Qualifikationssystem ist hier sehr gut. Es kann doch auch nicht sein, dass ich man sich fast nur über Wettkämpfe in Deutschland für die internationalen Großveranstaltungen qualifizieren kann", fühlt sich Vollmer, der den Weg über ein Stipendium nach Oregon gefunden hat, in seiner Wahlheimat einfach auch "pudelwohl". Dies liegt auch am Stellenwert, den "Track & Field" im Land von Zehnkampf-Doppel-Olympiasieger Ashton Eaton (2012 und 2016) besitzt. "Hier herrscht eine große Begeisterung für unseren Sport. Wir Leichtathleten bekommen viel mehr Unterstützung", verweist der Fünfte der U20-EM von 2017 – damals noch im Trikot des SSV Ulm – nicht nur auf die Fans. "Auch finanziell gibt es hier andere Möglichkeiten", denkt Vollmer übrigens darüber nach, mittelfristig von Eugene nach Los Angeles zu ziehen.

"Eine Kopfsache"

Doch dies ist Zukunftsmusik. Zunächst steht die intensive Vorbereitung auf die Zehnkampfsaison im Mittelpunkt. Dass Vollmer in den vergangenen Wochen gut gearbeitet hat, zeigen die jüngsten Leistungen beim Razorback-Invitational-Hallenmeeting. 7,02 Sekunden über 60 Meter, 7,00 Meter im Weitsprung und 14,36 Meter mit der Kugel ließ der siebtbeste deutsche Zehnkämpfer des vergangenen Jahres 1,93 Meter im Hochsprung folgen. "Und dies aus dem Training heraus", betont der 21-Jährige. Der Marbacher sieht sich also auf einem guten Weg, in diesem Jahr seine Zehnkampf-Bestmarke von 7964 Punkten nicht nur zu steigern, sondern regelrecht zu pulverisieren. "8350 Zähler müssten eben möglich sein, wenn ich an meine Trainingsleistungen denke. Es geht für mich also darum, mein ganzes Potenzial bei den Wettkämpfen abzurufen", weiß Vollmer, dass dies nicht nur eine Frage der körperlichen Fitness ist. "Das ist eben auch eine Kopfsache."

Der lange Weg zum Pass

Da sind sie also wieder – die 8350 Punkte. Auch in den USA ist dies die Norm für die Olympischen Spiele in Tokio. 2019 schaffte dies übrigens kein US-Mehrkämpfer, wobei Zach Ziemek (8344) nur sechs Zähler unter der geforderten Marke blieb. Sportlich traut sich Maximilian Vollmer also die Qualifikation für die Sommerspiele in Japan zu. Doch der Zehnkämpfer wird am 5. und 6. August 2020 nur zuschauen, wenn Weltmeister Niklas Kaul, der französische Weltrekordler Kevin Mayer (9126 Punkte) und Co. im Olympiastadion von Tokio um die Medaillen kämpfen. "Da ich ja einen US-Pass beantragt habe, darf ich nun nicht mehr für Deutschland starten. Allerdings dauert es in der Regel so drei Jahre, bis hier ein Nationenwechsel über die Bühne geht. Das ist ein unglaublich bürokratischer Akt", hofft Vollmer, dass sich dieser über bereits bestehende Kontakte zu Senatoren beschleunigen lässt. "Vielleicht habe ich so schon im kommenden Jahr die US-Staatsbürgerschaft." Doch sicher sei eben, dass er im olympischen Jahr weder die USA noch Deutschland bei Wettkämpfen vertreten darf. "Sonst würde ich meine Einbürgerung in die USA gefährden. Und diese ist für mich eben sehr wichtig. Hier sehe ich meine Zukunft, hier will ich mal Kinder bekommen. Und ich bin ja erst 21 Jahre alt", hat Maximilian Vollmer bereits die Sommerspiele von Paris (2024) im Blick. Dann natürlich unter dem Banner der "Stars and Stripes".

Die Eltern im Schwarzwald

Aber auch "Schwarz-Rot-Gold" wird für Marbacher weiter eine Rolle spielen. "Ich möchte meinen deutschen Pass behalten", stellt Vollmer klar. Doch wirklich viel verbindet den Zehnkämpfer nicht mehr mit seiner alten Heimat. "Klar – ich vermisse meine Eltern. Sonst aber passt es für mich hier in den USA perfekt." Zuletzt hat er den Schwarzwald übrigens im vergangenen August besucht. Damals gab es allerdings nicht sein deutsches Lieblingsgericht. "Ich liebe Knödel mit Braten. Das gibt es in Eugene nicht", bekommt der Marbacher nun gegen 9.45 Uhr Ortszeit auch so langsam Hunger. Doch bevor es in die Mensa geht, muss der 21-Jährige eben noch seinen Koffer packen. 60 Meter, Stabhochsprung und Weitsprung stehen in Albuquerque auf seiner Wettkampfliste. Für Ende April ist schon der erste Zehnkampf des Jahres 2020 geplant. Dann will er endlich die 8000-Punkte-Marke knacken.

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