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Leichtathletik Freudenstadts stille Talentschmiede

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Seit fast drei Jahrzehnten zeigen sich Helmut und Ursula Mast im Kreis Freudenstadt dafür verantwortlich, aus Nachwuchssportlern Topathleten zu formen – mit Erfolg. Foto: (sb)

Den Leichtathletik-Interessierten der Region dürfte derzeit ein Name sehr geläufig sein, der der LG farbtex Nordschwarzwald. Doch neben den erfolgreichen Läufern hat der Landkreis mit dem TSV Freudenstadt eines der Zentren in Deutschland: in den Disziplinen Weit- und Dreisprung.

Bereits Mitte der Sechzigerjahre machte Freudenstadt durch Reinhold Boschert Schlagzeilen. Der Weitspringer brachte es seinerzeit auf 8,01 Meter, stand im legendären Olympiafinale von 1968 in Mexiko City, in dem Bob Beamon den unfassbaren Weltrekord von 8,90 Metern sprang. Danach wurde es allerdings etwas stiller um die Springer aus Freudenstadt – bis Helmut Mast und seine Frau Ursula als Trainer beim TSV Freudenstadt anheuerten.

Helmut Mast, der bereits 1991 als Trainer startete und seine Frau Ursula, die 1993 dazustieß, bilden seither ein tolles Trainerduo. Ursula betreut dabei zunächst die Kinder und übernimmt die leichtathletische Grundausbildung. Ab einem gewissen Alter wechseln die Nachwuchsathleten dann in Helmuts Gruppe, um dort speziell ans leistungssportorientierte Training herangeführt zu werden.

Aus Not Tugend gemacht

Als das Ehepaar in den frühen Neunzigerjahren mit den Trainingsgruppen startete, stand zunächst noch Kugelstoß- und Diskustraining im Vordergrund, die Masts waren in ihrer aktiven Zeit selbst erfolgreich in diesen Disziplinen. Allerdings war zu jener Zeit Deutschland weltweit als das "Werferland" bekannt, was auch klangvolle Namen wie Lars Riedel, Jürgen Schult, Astrid Kumbernuss, Franka Dietzsch oder Ilke Wyludda untermauern – allesamt Olympiasieger, Weltmeister oder Weltrekordler.

Die unglaublich starke Konkurrenz bei den Werfern in Deutschland war nicht nur in der Spitze enorm, selbst bei Baden-Württembergischen Meisterschaften musste man mitunter internationale Spitzenweiten erzielen, um aufs Podium zu kommen. Mit dem Einzugsgebiet rund um die Stadt Freudenstadt mit damals etwa 30 000 Einwohnern stellte es sich als eine echte Herausforderung dar, überhaupt erst genügend Kinder und Jugendliche zu finden, die dann auch noch das Wurftalent mitbrachten.

Plan B in petto

Die Masts hatten aber einen Plan B. Durch ihre sehr gute Trainerausbildung, die auch Bereiche wie Schnellkraft und Koordination beinhaltet, fing das Trainerduo an, den Fokus auf den Bereich Sprint und Sprung zu legen. Durch eine sehr gute Freundschaft mit dem Ungarn Tamas Kiss – dem aktuellen Damen-Bundestrainer im Bereich Hochsprung – konnten dabei immer wieder Tipps geholt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Ebenfalls hilfreich zur Seite stand der ehemalige Bundestrainer Eckhardt Hut, zu ihm pflegen die Masts eine innige Freundschaft. Über die Jahre entwickelte sich dadurch eine echte Springer-Hochburg in Freudenstadt – ohne jedoch ganz den Blick auf die Werfer-Wurzeln zu verlieren.

Petra Lammert holt Bronze

Denn mit Petra Lammert brachte man anfangs der Zweitausenderjahre eine echte Weltklasse-Athletin im Kugelstoßen hervor, die bereits 2003 bei der Junioren-EM die Bronzemedaille holte und es später unter anderem im Trikot des VfB Stuttgart und des SC Neubrandenburg bis zum Gewinn der Hallen-Europameisterschaften brachte.

Aber auch mit Gabi Zürn hatte man über 400 Meter Hürden eine deutsche Topathletin bereits Mitte der Neunzigerjahre geformt, viermal stand sie im Endlauf der Deutschen Meisterschaften, ihr bestes Ergebnis blieb allerdings ein vierter Platz. Zürns Pech war es damals, dass auch die 400 Meter Hürden der Damen unter anderem mit Vizeeuropameisterin Heike Meissner zu den deutschen Topdisziplinen in der Welt zählten. Später wechselte Zürn auf die 800 Meter-Distanz, wo sie bis 2018 den Kreisrekord mit 2.06 Minuten innehatte. Dieser Kreisrekord wurde jüngst erst durch die Weltklasseläuferin Elena Burkard geknackt.

Arbeit zahlt sich aus

In der jüngeren Vergangenheit zahlte sich für die Masts dann aber ihre Arbeit im Bereich Weit- und Dreisprung aus, denn mit Matthias Uhrig und Patrick Rädler hatte man in Freudenstadt gleich zwei Springer, die mit insgesamt sieben Deutschen Meistertiteln im Weit- und Dreisprung das Maß aller Dinge unter den Deutschen Nachwuchsspringern waren. Beide hatten auch diverse Einsätze für die Deutsche Nationalmannschaft. Rädler sorgte dabei mit seinem vierten Platz bei der U 20-EM im Weitsprung und seinem siebten Platz bei der U 18-WM für internationale Erfolge.

Mit ihrer Tochter Sandra Mast hatte das Freudenstädter Trainer-Erfolgsduo parallel zudem ein heißes Eisen bei den Werfen im Feuer, die es bei den Paralympics bis auf Platz sechs schaffte. Auch Valerie Hess gilt es in diesem erlauchten Feld zu nennen. Die Sprinterin zählte zu den hoffnungsvollsten Nachwuchstalenten in Deutschland. Ihr gelang bei den Deutschen Jugendmeisterschaften über 100 und 200 Meter jeweils der Einzug in den Endlauf.

Erfolgsgeschichte hält an

Seither schreiben die Masts ihre Erfolgsgeschichte nahtlos weiter: Sowohl Emanuel Gerber über 1500 Meter als auch Sebastian Gerber und Julian Bayer im Dreisprung verpassten mit Platz vier jeweils nur denkbar knapp den Sprung aufs Podest bei deutschen Jugendmeisterschaften. Mit Luca Pflästerer hat man aktuell wieder einen Athleten, dem dieses Kunststück mit Platz drei bei der Jugend-Hallen-DM im Dreisprung bereits gelang. Mit Alexandra Roser und Sophie Stolle hat man zudem derzeit zwei verheißungsvolle Athletinnen, die sich zuletzt immer stärker präsentierten.

Doch zu allem sportlichen Erfolg gehört auch ein passendes Umfeld. Mit Oliver Viehmann etwa weiß die "Mast-Gruppe" seit Jahren einen hervorragenden Physiotherapeuten an ihrer Seite. Viehmann nimmt sich einmal pro Woche den Athleten an – um dann mit gezielten Maßnahmen Verletzungen vorzubeugen. Zudem hilft die Stadionsanierung und auch der neue Tartanbelag der Sprintbahn in der Turnhalle beim Panoramabad, noch professioneller zu trainieren.

Auch eine Kooperation mit der Waldorfschule in Freudenstadt ist geplant, sobald die Stadionsanierung abgeschlossen ist. Über diese Kooperation sollen in Zukunft auch einige Kinder den Weg zur Leichtathletik finden. Die Masts sind aber auch hier bestrebt, weitere Schulen in dieser Kooperation einzubinden, um so den Nachschub an Talenten zu sichern.

Apropos Kooperation: Durch die Freundschaft der Masts mit Bundestrainer Tamas Kiss öffneten sich außerdem neue Wege. Julian Bayer und Luca Pflästerer trainieren bis zu dreimal pro Woche am Olympiastützpunkt Stuttgart in der Trainingsgruppe um Weitsprung-Vizeeuropameister Fabian Heinle und der WM-Vierten im Hochsprung, Marie-Laurence Jungfleisch.

Talente in Region halten

Ursula und Helmut Mast haben in den nun vergangenen fast drei Jahrzehnten etwas geschaffen, das deutschlandweit ihresgleichen sucht. Allerdings sprechen die beiden auch die Problematik des ländlichen Raums an, denn Abgänge wie Lammert, Uhrig und auch Rädler zeigen, dass hier noch einiges passieren muss, um die wenigen Talente in der Region zu halten.

Eine große Chance sieht Helmut Mast dabei vor allem in dem neuen Campus in Freudenstadt, durch den die Region auch Studenten die Möglichkeit bietet, vor Ort zu bleiben und nicht etwa in eine Unistadt abwandern zu müssen. Was Mast aber in seinen fast 30 Jahren Trainertätigkeit – in denen er neben der Vereinstätigkeit auch zwölf Jahre als Verbandstrainer vom Württembergischen Landesverband WLV tätig war – feststellen musste, ist die Tatsache, dass seiner Meinung nach die Bereitschaft zum Leistungssport deutlich abgenommen habe. Die Veränderung bezüglich des Schulwesens und der Berufswelt sei oft ein wichtiger Faktor, der die Abstimmung mit dem Training nicht einfacher mache.

Die Mischung macht’s

Aber der Erfolg der letzten Jahre zeigt, dass die Masts mit ihrem Konzept ganz viel richtig machen. Die große Stärke sieht Helmut Mast dabei vor allem darin, "dass wir für jeden etwas bieten. Wir trainieren zwar sechsmal die Woche, aber wer nicht ganz den Ehrgeiz hat, darf auch nur ein- oder zweimal dazukommen. Diese Mischung im Training zwischen Topathleten und Hobbysportlern bringt viel Lockerheit. Und so manchen packte dann doch der Ehrgeiz, um auch mal die besseren Sportler zu ärgern."

Gerne blickt Helmut Mast auf die sportlichen Highlights zurück, und dabei fällt ihm ein Moment ganz besonders ein: "Es war der 14. Juni 2009 in Mannheim. Patrick Rädler sprang eine grandiose neue persönliche Bestleistung mit 7,81 Metern. Es war ein Qualiwettkampf für die U 20-Europameisterschaften. Patrick hatte im Vorfeld immer mit kleinen Verletzungen zu kämpfen. Mit diesem riesen Satz überraschte er alle und gewann deutlich."

Doch allen Erfolgen zum Trotz werden die Masts nicht müde was ihre Trainerarbeit beim TSV Freudenstadt anbelangt. Vielleicht bringen die beiden in naher Zukunft einen Athleten hervor, der dann die Acht-Meter-Marke im Weitsprung knackt – und den Uralt-Kreisrekord aus dem Jahr 1968 von Reinhold Boschert angreift.

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