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Leichtathletik Der Schwarzwälder Kenianer

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Philip Kiptoo Rutto nahm an vielen Läufen im Nordschwarzwald teil. Foto: Lenk

Zwischen 2011 und 2017 war der kenianische Läufer Philip Kiptoo Rutto insgesamt siebenmal Gast in Dornstetten, um in ganz Europa bei den großen Stadtläufen an den Start gehen zu können. Heute ist er Farmer in Kenia.

Die größten Erfolge als Sportler von Philip Kiptoo Rutto waren zweifellos sein sechster Platz beim Florenz-Marathon 2011, sein dritter Platz beim Dresden-Marathon 2016 und sein fünfter Platz beim Yokohama-Marathon 2018. Allerdings machte sich Rutto vor allem in Deutschland einen Namen mit Siegen bei den Läufen des internationalen deutschen Cross-Cups in Pforzheim und Darmstadt, bei denen er unter anderem den deutschen Marathon-Rekordler und Vize-Europameister über 5000 Meter, Arne Gabius, besiegen konnte.

Vor allem aber zeigte sich die Kenianische Frohnatur auch bei den lokalen Volksläufen immer gerne und stellte seine Klasse unter Beweis. Den traditionsreichen Schönbuchlauf in Hildrizhausen über 25 Kilometer gewann er insgesamt viermal und verbesserte den Streckenrekord gleich zweimal.

Apropos Streckenrekord: Fast ausnahmslos bei jedem Lauf in der Region setzte der 1,70 Meter große und 52 Kilo leichte Kenianer vom Stamm der Kalenjin neue Maßstäbe, die immer noch ihre Gültigkeit haben. Nur beim Dornstetter Adventslauf musste er sich bei seinem bisher einzigen Start 2016 gleich drei Dornstetter Teamkollegen, Timo Benitz, Denis Bäuerle und Marco Kern, geschlagen geben – ein Sieg, den Rutto nach wie vor auf seiner Wunschliste stehen hat.

Nah dran am Läufermekka

Der Kenianer kommt aus dem kleinen Ort Tambach im Rift Valley, dem großen ostafrikanischen Grabenbruch. Tambach liegt direkt neben dem weltberühmten Läufermekka Iten, rund 400 Kilometer nordwestlich von Nairobi. Rutto lebt dort mit seiner Frau Lorraine Kollongei, seinem vierjährigen Sohn Leon Lenk Kibet Kiptoo und seiner einjährigen Tochter Lexie Jemutai Kiptoo. Als dritter von insgesamt neun Söhnen seiner Eltern Flomena Cheplait und Francis Kipruto Cheplaiti kam Rutto 1985 zur Welt. Sein Vater Francis war bis zu seinem Ruhestand Direktor der örtlichen Schule und ist bis heute in der Lokalpolitik des Elgeiyo Marakwet County ehrenamtlich tätig.

Neben Rutto ist vor allem sein Bruder Moses Kemboi Cheplaiti zu erwähnen. Moses war Captain der kenianischen Hockeynationalmannschaft und repräsentierte Kenia unter anderem bei den Afrikameisterschaften 2015, bei denen das kenianische Team haarscharf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio verpasste. Ein weiterer Bruder, Abraham Kiplagat Cheplaiti, ist ebenfalls Läufer. 2017 erlief sich Abraham den dritten Platz bei den kenianischen Meisterschaften über 1500 Meter, was wohl in jedem Land zur Nominierung für die Weltmeisterschaften gereicht hätte, aber eben nicht im Läuferland Nummer eins Kenia.

Während seiner jeweils dreimonatigen Aufenthalte in Dornstetten und Dietersweiler war Philip Kiptoo Rutto aber nicht nur Läufer. Gemeinsam mit der Aacher Kindergärtnerin Christel Gaiser und den Kindern des Baiersbronner Kindergartens kochte Rutto das Kenianische Nationalgericht Ugali, eine Art Kuchen aus weißem Mais. An Sonntagen, an denen er kein Rennen bestritt, besuchte Rutto auch gerne den morgendlichen Gottesdienst, bevor es ihn nachmittags auf den Sportplatz zur SG Dornstetten zog. Fußball ist trotz seiner läuferischen Extraklasse die große Liebe von Rutto. Sein Lieblingsklub in Deutschland ist der FC Bayern München mit Robert Lewandowski als Lieblingsspieler, aber international schlägt sein Herz für Manchester United.

Ein kleines Vermögen

Neben dem Sport träumte Rutto aber immer schon von einer eigenen Farm. Diesen Traum erfüllte er sich mit seinen rund 15 000 Euro, die er während seiner Schwarzwald-Aufenthalte an Preisgeldern erlief. Diese Farm bewirtschaftet Rutto zusammen mit seiner Frau Lorraine, die hauptberuflich als Lehrerin an einer Schule der Vereinten Nationen im West Pokot County arbeitet. Auf seiner Farm betreiben die beiden vor allem Ackerbau. Weißer Mais, aber auch seit neuestem Kohlrabi, Chicorée, diverse Kohlsorten und Hokkaido-Kürbisse kultivieren die beiden auf ihrer Farm. Die Samen der neuen Gemüsesorten hatte Rutto aus Dornstetten importiert, um etwas Abwechslung in die sonst recht magere kenianische Gemüsekultur zu bringen. Mit dem Kürbis aber schaffte Rutto es, weit über Iten hinaus bekannt zu werden, denn die schmackhafte Sorte gedeiht prächtig auf dem fruchtbaren Boden des kenianischen Hochlandes und wurde in kürzester Zeit zum Verkaufsschlager der Region. Umgerechnet rund 30 Cent pro Kürbis, in Kenia ein kleines Vermögen, bringt Rutto das lukrative Kürbisgeschäft ein.

Mit diesen Einnahmen erfüllt sich Rutto derzeit einen weiteren Traum – den Aufbau einer Ziegenherde. Neben dem Kürbis ist Rutto aber bereits an neuen Gemüsesorten dran. 2018 ließ er sich über seine Dornstetter Kontakte eine ganze Auswahl an Samenpäckchen schicken. Sein Auftrag damals: Sorten, die gut schmecken. Gesagt, getan. Um damals das extrem teure Porto nach Kenia zu sparen, bat Rutto seinen Freund und guten Kürbis-Kunden Eliud Kipchoge, ihm die Samen von seinem Start beim Berlin-Marathon mitzubringen. Der zögerte keinen Augenblick stimmte dem Vorhaben zu. Das Paket wurde also direkt ins Athletenhotel nach Berlin geschickt, von wo aus Kipchoge es dann nach Kenia mitnahm – bemerkenswerterweise rannte Kipchoge in jenem Berlin-Marathon seinen Fabel-Weltrekord von 2:01.39 Stunden und ist damit wohl der schnellste Paketbote der Welt.

Rasen der SG Dornstetten

Vielleicht halfen ja damals auch die Rutto-Kürbisse in Kipchoges Marathon-Vorbereitung im Hinblick auf den Weltrekord? Doch das Gemüse war nicht das einzige, was Rutto in Dornstettten bestellt hatte. Einen ganz besonderen Wunsch hatte er noch – er wollte seinem lokalen Fußball- und Feldhockeyklub eine besondere Spende zukommen lassen. Bei seinem sonntäglichen Besuchen bei der SG Dornstetten war er so begeistert, dass er darum bat, einen kleinen Sack Dornstetter Sportplatzrasen mitzuschicken. Auch diese fünf Kilo Rasensamen lieferte Kipchoge, und der Tambach FC kickt nun seit gut drei Monaten auf Dornstetter Rasen.

Zwar läuft Rutto immer noch jeden Tag, allerdings konzentriert er sich seit gut einem Jahr nun verstärkt auf seine Farm und die Familie. Dennoch glühen die Drähte weiterhin nach Dornstetten. Während seiner Aufenthalte in Dornstetten als Athlet bei der LG Nordschwarzwald entstanden nämlich auch etliche Freundschaften über den Sport hinaus, die dank der modernen Medien fast täglich gepflegt werden. Ein ganz großes Anliegen war es auch für einige Dornstetter Freude von Rutto, das Schulgeld seiner Kinder im Sinne einer Patenschaft zu übernehmen.

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