Womit sollen die Räume im Marktplatz 11 gefüllt werden? Foto: Klormann

Seit Jahren herrscht gähnende Leere im Erdgeschoss des Gebäudes am Marktplatz 11 in Calw. Aber was könnte dort überhaupt hineinpassen? Gastronomie, Büros, ein Geschäft? Darüber gibt nun eine Machbarkeitsstudie Aufschluss, die dem Gemeinderat vorgestellt wurde.

Calw - Was könnte gleichzeitig Leben auf den Marktplatz bringen, sich wirtschaftlich realisieren lassen und zu den Räumlichkeiten im Erdgeschoss des Gebäudes Marktplatz 11 passen? Diese Frage hatte sich der Bau- und Umweltausschuss im Februar gestellt. Weil aber ohne eine eingehende Prüfung keine Antwort möglich war, beschloss das Gremium, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, bei der die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten genau unter die Lupe genommen werden. Diese präsentierte Fritz Kempf vom Architekturbüro Dorner und Partner aus Nagold dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung.

Kurz die Fakten vorneweg: Das Erdgeschoss weist zum Marktplatz ausgerichtet eine Nutzfläche von 108 Quadratmetern auf, weitere 42 Quadratmeter weisen in Richtung Fruchtmarkt/Salzgasse. Dazu gibt es zwei Nebenräume mit sechs und acht Quadratmetern. Der Gewölbekeller unterhalb des Baus könne nur eingeschränkt genutzt werden, erklärte Kempf weiter.

Fehlende Barrierefreiheit

Derzeit befinden sich die Räume allesamt im Rohbau. Unabhängig davon, was also schlussendlich dort realisiert wird, werden hohe Investitionen fällig. Am meisten bei Varianten eins – der Vollgastronomie. Rund 560 000 Euro müssten unter anderem in eine spezielle Lüftungsanlage und eine professionelle Küche investiert werden, rechnete Kempf vor. Dem gegenüber stünden Nachteile wie ein fehlender Außenbereich sowie fehlende Barrierefreiheit. Bei knapp 60 Sitzplätzen sieht Kempf "die Wirtschaftlichkeit an der Grenze", räumte er ein. Wenngleich dem Ziel der Belebung des Marktplatzes – auch abends und am Wochenende – bei diesem Modell am ehesten Rechnung getragen würde.

Also lieber eine Kleingastronomie, eine Art Bistro oder Café? Das zumindest ist der Favorit der Stadtverwaltung und des Architekturbüros. Die Kosten wären mit knapp 500 000 Euro geringer, weil eine Küche für kalte Speisen und die Lüftung nicht so hohe Standards erfüllen müssten wie bei einer Vollgastronomie. Darüber hinaus könnte man einen "Co-Workings-Space" schaffen, also einen offenen Büroraum, wie ihn sich Oberbürgermeister Florian Kling schon lange wünscht. Die Nachteile, erklärte Kempf, seien ähnliche wie bei Variante eins: Vergleichsweise hohe Kosten und keine Barrierefreiheit.

Nicht attraktiv

Variante drei und vier, ein Ladengeschäft und Büros, wären preislich mit jeweils rund 340 000 Euro deutlich günstiger umzusetzen, stellte Kempf vor. Es wären wenige Installationen technischer Art notwendig. Doch genauso gering wäre wohl auch der Nutzen für den Marktplatz, weshalb der Architekt diese beiden Optionen nicht für attraktiv befindet. "Die Ausstrahlung in die Stadt ist nicht gegeben." Zumal, fügte Kling an, man nicht noch ein Ladengeschäft braucht, wenn schon etliche der Bestehenden leer stehen.

Was das anbelangt, herrschte im Gremium Einigkeit mit der Argumentation der Verwaltung. Nicht so, was die Vorzüge der Varianten eins und zwei angeht. So sprachen sich Jürgen Ott (Gemeinsam für Calw), Thomas Peter (CDU) und Piet Schaber (GFC) für eine Vollgastronomie aus. "Jede Art von Belebung ist nötig", verwies Letzterer auf seine täglichen Erfahrungen als direkter Anwohner. Zumal, so Ott, der Preisunterschied zwischen Klein- und Vollgastronomie nicht so beträchtlich sei, dass man dieses "Türle" schließen sollte. Schon gar nicht, argumentierte wiederum Peter, wenn dereinst die Hesse-Bahn kommt und regelrechte Massen an Touristen in die Stadt schwemmt­ – die ja irgendwo essen wollen.

Ideen kombinieren

Erhard Hofmann (Linke) würde am liebsten ein originelles Ladengeschäft mit einer Kleingastronomie verbinden, meinte er. Zum Beispiel einen "Unverpackt"-Laden mit einem kleinen Café, das nur Bio-Produkte verwertet. Dafür, warf Kling ein, sei der Platz aber vermutlich zu klein.

So oder so, befürchtet er: "Reich werden wahrscheinlich weder wir noch der Betreiber." Das sah auch Dieter Kömpf (Freie Wähler) so. Deshalb sprach er sich – für seine Ratskollegen überraschend, da sie ihm scherzhaft unterstellten, dort einen Baumarkt eröffnen zu wollen – für die Varianten eins und zwei aus. Sein Vorschlag: Die Stadt solle diese weiterverfolgen.

So entschied sich schließlich auch das Gremium. Mit zwei Gegenstimmen beschloss es, dass das Erdgeschoss gemäß der Voll- und Kleingastronomie ausgebaut werden soll.