Klaus Schenk schließt nach fast 40 Jahren sein Antiquitätengeschäft in Hirsau. Hier erzählt er seine Geschichte und die des Ladens.
„Ich bin heute noch erstaunt von der Zufälligkeit des Lebens. Ich bin zu diesem Beruf gekommen wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt Klaus Schenk rückblickend. Er sitzt gut gelaunt am Schreibtisch in seinem Antiquitätengeschäft. Der Tisch stehe von Beginn an in dem Laden, „und das ist witzig, weil er das einzige nicht antike Möbelstück hier ist“, erzählt er lachend.
In der Haupthalle mit weiß gekalkten Steinwänden und den kleinen Nebenräumen gehen Liebhaber antiker Möbel seit Jahrzehnten auf Schatzsuche. Ob Schränke, Gemälde, Tischchen, Stühle, Geschirr oder Schmuck – an jeder Wand, in jeder Ecke sowie in kleinen Regalen und Vitrinen finden sich Stücke, die selbst eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten erzählen. Auffällig sind die neuen, roten Sticker mit Ausverkaufspreisen an der Ware. Der Grund: Ende des Jahres wird Schenk seinen Laden schließen.
Leben hatte andere Pläne
Lebensverändernd Als der heute 65-Jährige über seinen Einstieg in den Beruf spricht, fällt immer wieder das Wort „Zufall“. Klaus Schenk wird 1958 geboren und wächst in Calw auf. Er macht nach der Schule eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Mit 18 Jahren, den Abschluss frisch in der Tasche, tritt er den Zivildienst in einer Klinik an. Dort hilft er zufällig in der Werkstatt der Einrichtung aus, lernt dabei die Grundlagen des Tischlerhandwerks. Für ihn als jungen Mann war diese Zeit ein sehr einprägsame, erzählt er heute. Danach war klar: „Ich wollte mein Leben nicht als Büroangestellter verbringen.“ Und er wollte mehr Freiheit bei der Arbeit haben. Für ihn beginnt eine Phase in der er, wie er sagt, verschiedene „irrwitzige Jobs ausprobiert“ habe. Details gibt er nicht preis. Wobei einen Job nennt er doch: Nebenher beginnt er Gebrauchtwaren zu sammeln und auf Flohmärkten zu verkaufen.
Lagerraum wird zum Laden
Ausprobieren Zu diesem Zweck mietet er eine Lagerhalle in Hirsau. Kurz darauf, im Jahr 1986, kommt ihn die Idee, dort einen Ladenverkauf zu starten. Das war der Beginn der Selbstständigkeit des freiheitsliebenden Calwers. „Damals hätte ich nie gedacht, dass ich damit meinen Lebensunterhalt bestreite.“
Das alles ist nun 37 Jahre her. Vieles hat sich verändert. Den Verkaufsraum hat er um die 2000er-Jahre um die Räume eines früheren Geschenkartikelladens erweitert. Sein Angebot entwickelt sich von Gebrauchtwaren hin zu Antiquitäten. Und er habe viele Modewellen im Wohnstil kommen und gehen sehen, „auch im Antiksektor“, sagt er. Zuletzt seien auch Einrichtungsstücke aus den 1950er- bis 1970er-Jahren gefragt gewesen. Aber auch dieser Trend sei wieder vorbei.
Sein Umsatz war mal besser und mal schlechter. „Ich verkaufe ja keine lebensnotwendigen Sachen. Das merkte ich bei jeder Wirtschaftskrise.“ Dennoch sei Schenk immer über die Runden gekommen. Denn, so sagt er, „bei dieser Art von Geschäft muss man in langen Zeiträumen denken.“ Und das habe er gut hinbekommen.
Woher kommen die Möbel?
Schatzsuche? Eine Frage, die ihn die Kundschaft immer wieder gestellt hat, ist die, woher er seine Ware bekommt. Wer abenteuerliche Geschichten erwartet, den muss Schenk enttäuschen. „Ich bin nie proaktiv auf Leute zugegangen, sie kamen von Anfang an auf mich zu.“ Wenn ein Haushalt aufgelöst wird, oder die Leute ihren Dachboden ausmisten, dann rufen sie Schenk an – zumindest war es bisher so.
Was bringt die Zukunft für Klaus Schenk? „Langweilig wird es mir nicht, ich habe immer was zu ’kruschteln’, wie man so schön sagt“. Auch wenn er sich offiziell in die wohlverdiente Rente begeben wird, möchte er im Kleingewerbe weitermachen. Über seine Internetseite wird er zukünftig mit „ausgesuchten Antiquitäten“ handeln. Das sei ohnehin die logische Konsequenz, wo sich der Verkauf auch in seiner Branche immer mehr im Netz abspiele.
Träume Bei der Frage ob er Träume habe, die er sich im Ruhestand noch erfüllen möchte, winkt er lässig ab und stellt klar: „Ich lasse das Leben auf mich zukommen, das habe ich schon immer.“
Auf eines freue er sich aber sehr: mehr Zeit mit und für seine Freunde zu haben.