Ein Hochenergie-Laser der Firmen MBDA und Rheinmetall während eines Tests unter Einsatzbedingungen auf der Fregatte Sachsen. Foto: MBDA/MBDA

Drohnen, unbemannte Fluggeräte, dominieren das Bild der aktuellen Kriege. Das treibt die Entwicklung einer Abwehr voran. Laser spielen dabei eine wichtige Rolle.

Fotos von rußschwarzen Löchern, die Drohnen in Hochhäuser gerissen haben. Videos, die Schwärme surrender Klein-Quadrokopter im Anflug zeigen. Das war schon aus den Kriegen in Libyen und Syrien bekannt. Jetzt dominieren solche Bilder die Eindrücke aus dem Angriffskrieg, den Russland in der Ukraine führt.

 

Dort setzen beide Seiten Drohnen unterschiedlicher Größe ein, einzeln und in Schwärmen, bewaffnete und unbewaffnete. Die taktischen Zwecke reichen von der Aufklärung feindlicher Kräfte, über die Zerstörung von Gebäuden und Fahrzeugen bis zur sogenannten Sättigung des Luftraums. Die bedeutet, dass Drohnen so viel Sensorik und Feuerkraft feindlicher Luftabwehr binden, dass unmittelbar dahinter Einflug-Korridore für angreifende Marschflugkörper oder Kampfflugzeuge entstehen.

Die Bodentruppe überwältigt?

Über den Krieg, den Armenien und Aserbaidschan im Herbst 2020 um die Region Bergkarabach führten, schreibt Uzi Rubin vom israelischen Begin-Sadat-Center für Strategische Studien : „Das war der erste postmoderne Konflikt, in dem unbemannte Flugzeuge eine konventionelle Bodentruppe überwältigt haben.“ Eado Hecht vom Israel Defense Forces Tactical Command College hält das zwar für übertrieben, schreibt aber seinerseits: „Die Drohnen der Azeri waren essenziell für ihren Sieg.“

Waffen für jedermann?

Doch wie immer in der Militärgeschichte: Kein Waffensystem, das nicht alsbald Abwehr- oder Gegensysteme hervorbringt. So auch die unbemannten Fluggeräte.

Lasertechnik zeichnet sich dabei immer deutlicher als die kommende Waffe der Wahl ab – außer gegen große, hoch fliegende Drohnen. Sollten Laserwaffen zur Einsatzreife gelangen, wären sie präzise, schnell, im überlappenden Einsatz auch gegen viele Ziele wirksam. Und: verhältnismäßig billig.

Kriegsökonomisch ist der letzte Punkt besonders wichtig. Schließlich liegt der strategische Wert von Drohnen nicht zuletzt darin, dass sie zum Teil für nicht einmal hundert Euro zu haben sind, was sie quasi zur Waffe für jedermann macht. Munition oder gar Flugkörper zur Abwehr kosten hingegen tausende oder zigtausende Euro pro Schuss.

Laserwaffensysteme werden sich aus drei Elementen zusammensetzen: Eine Sensorik, die Ziele erfasst. Ein Tracking-System, das einen kleinen Zielpunkt für den Laserstrahl ermittelt und diesen auch auf einem extrem unruhigen Ziel halten kann. Ein Effektor, der Licht zu einem das Ziel vernichtenden Laserstrahl bündelt.

Lob auf den Laser-Test

In Deutschland arbeiten der Lenkflugkörperspezialist MBDA, der Rüstungsriese Rheinmetall und für die Sensorik Hensoldt an der Entwicklung von Laserwaffen. Sie sind schon weit gekommen: „Die Marine hat einen Laserwaffendemonstrator auf der Fregatte Sachen unter einsatznahen Bedingungen erprobt und sieht Potenzial zur Weiterentwicklung zu einem einsatzfähigen Laserwaffensystem (...) gegen hochagile und signaturarme Bedrohungen im Nah- und Nächstbereich“, bescheinigt eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums den Erfolg eines ersten Tests in Nord- und Ostsee im vergangenen Oktober.

„Nach dem Startschuss könnte ein solches System in drei bis vier Jahren zur Verfügung stehen“, heißt es bei MBDA in Schrobenhausen. Das Ministerium gibt sich da schmallippiger: Entscheidungen über Entwicklungsprogramme mit der Industrie seien „noch nicht getroffen“, erst recht keine Kaufentscheidungen. „Für Heer und Luftwaffe werden im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung in aktuellen Rüstungsprojekten noch keine Laser-basierten Lösungen avisiert“, sagt die Sprecherin.

Wo die Drohe am verwundbarsten ist

Nach Informationen unserer Zeitung gibt es aber ein sehr großes Interesse des Heeres an Systemen, die tragbar oder in Landfahrzeuge integriert einsetzbar sind. Und zwar gegen Infrastruktur und auch speziell gegen kleine Drohnen.

Die Triebwerke und die Flugsteuerung von Fluggeräten wären die Hauptangriffspunkte für Laserwaffen. Dagegen wirken Drohnen quasi schutzlos. Teurere, größere Modelle mit Ausrüstung auszustatten für elektronische Maßnahmen gegen das punktgenaue Zielen von Laserwaffen wäre nutzlos. „Da müssten Sie die Drohne schon vergolden oder sie nur im Vakuum einsetzen, um einen solchen Schutz zu schaffen“, sagen Laser-Entwickler.