Nach der Ernte müssen die Linsen noch gereinigt und gesiebt werden. Foto: Schwarzwälder Bote

Landwirtschaft: Ziegelhof hat vergangenes Jahr erstmals gepflanzt / Hülsenfrucht bisher kaum angebaut

In der Kurve, wo die Dürrheimer Straße sich in einer Rechtskurve in Richtung Flugplatz wendet, dort befindet sich der Ziegelhof. Der baut seit neuestem auch Linsen an.

Donaueschingen. Jeden Freitag holen sich etliche Donaueschinger und Feinschmecker aus der Region ihr Brot beim Ziegelhof. Frisch gebacken von Familie Kuttruff. Bald schon soll alles ausgelagert werden, an der Straße entsteht derzeit ein neues Gebäude, in dem Backstube und Verkauf ihren Platz finden sollen.

Nun hat die Familie Kutt­ruff seit einiger Zeit neben ihrem Brotverkauf noch etwas anderes im Angebot, das auf der Baar zwar bekannt ist, hier aber nicht wirklich angebaut wird: Linsen.

Aber wie kommt es überhaupt dazu? Angefangen hat es mit einer Dokumentation rund um das Hülsengewächs, die Martin Kuttruff im Fernsehen verfolgt hat: "Es gab einen Beitrag dazu. Das Thema wurde unter dem Oberbegriff 'Das Protein des armen Mannes' behandelt", erklärt er. Es interessiert ihn: "Linsen sind besonders als Fleischersatz sehr interessant." Noch dazu kommt die Pflanze gut mit Trockenheit zurecht. Sie gehört zu jenen Pflanzen, die Stickstoff sammeln, daher nicht gedüngt werden müssen. Robust zu sein – eine gute Eigenschaft für eine Pflanze, die auf der Baar gedeihen soll. Auf der Alb, wo sie schon lange populär sind, gebe es viele magere Böden. Optimal für Linsen.

Damit die Linse hier gut wächst und besser zu ernten ist, bekommt sie eine sogenannte Stützpflanze: "Sie bietet den Linsen quasi einen Halt, um zu ranken", erklärt Kuttruff. In Kanada, wo Linsen in großem Umfang angebaut werden, geschehe das ohne Stützpflanze. "Wir benutzen hier Leindotter. Aber es ginge etwa auch Hafer." Man habe jetzt die erste Ernte eingefahren: "Etwa Ende April 2020 haben wir das erste Mal gepflanzt." Auf zwei Äckern habe man die Linsen gesät: "Und wir können ganz zufrieden sein." Auf einem der Äcker hat sich allerdings kaum etwas getan. Das verdanken Kuttruffs wohl tierischem Besuch, der sich mit den Baaremer Linsen gestärkt hat: "Ich habe gehört, dass sich dort Nilgänse aufgehalten haben. Das würde erklären, dass dort so gut wie keine Pflanzen gewachsen sind."

Am Küchentisch sortiert

Geerntet wird die Hülsenfrucht schließlich mit dem Mähdrescher. Im Vergleich zu anderen Pflanzen wachsen die Linsen jedoch nicht besonders hoch, wodurch das Erntegerät relativ nah am Boden eingestellt werden muss. Das geerntete Material enthält dann nicht nur die Linsen und deren Hülse, sondern auch Leindotter, und – ungewollt – kleine Steinchen. Am Ziegelhof geht diese Ernte also zuerst noch durch verschiedene maschinelle Siebe. Zweimal werde mittels Luft gereinigt, schließlich wird zweimal in verschiedener Körnung gesiebt. "Mit der Luft pusten wir bereits Teile der Spreu weg, das sind die größeren. Das Sieb trennt dann noch den Leindotter raus." Bei der Ernte sind etwa ein Drittel Teile der Linsen, rund zwei Drittel nimmt die Stützpflanze ein.

Aber selbst dann sind immer noch kleine Steinchen, exakt in Größe der Linsen, mit dabei. Wie bekommt man die nun heraus? "Die Steine sind ungünstig fürs Gebiss", scherzt Martin Kuttruff. Bisher saß die Familie schließlich am Küchentisch zusammen und sortierte die kleinen Steine von Hand heraus. Eine zeitaufwändige und langwierige Arbeit. Allerdings gibt es Hilfe. "Wir konnten die Linsen in Sumpfohren reinigen lassen", erklärt Kuttruff. Auf dem Hof Bogenschütz gebe es mittlerweile eine Maschine, die mittels einer Kamera nach Farbe sortieren kann: "Glücklicherweise für uns haben wir dort die Möglichkeit, die Steine aussortieren zu lassen." Und was passiert mit dem Leindotter? Der wandert nicht etwa in den Ausschuss, sondern geht an die Ölmanufaktur Borho und wird dort zu Speiseöl gepresst.

Sind die Linsen schließlich gereinigt, dann kommen sie in den Hofladen der Kuttruffs, wo sie neben dem selbst gebackenen Brot vorerst immer freitags zu kaufen sind. Und wie reagieren die Leute auf die Linsen von der Baar? "Sie werden gut angenommen", sagt Kuttruff. Linsen seien unglaublich vielseitig und spielen in anderen Ländern eine sehr große Rolle in der Ernährung: "In Indien werden viele Linsen angepflanzt und sie stehen dort regelmäßig auf dem Speiseplan. Das ist gutes Protein." Ob als warmer Salat oder eben mit Spätzle und Saitenwürstchen: "Da sind vielfältige Gerichte möglich", weiß Kuttruff. Bei den Linsen vom Ziegelhof handelt es sich um grüne Linsen. Die größeren Tellerlinsen, die es vor allem auf der Alb gibt, möchte Martin Kuttruff auch irgendwann mal ausprobieren: "Mal schauen, ob die hier auch gedeihen." Wenn man sich die im Laden kaufe, dann stehe übrigens auch dort noch der Vermerk: "Kann Steine enthalten." Das gute Protein erfordert eben etwas Mühe. Für ein Kilo Baar-Linsen zahlt man beim Ziegelhof elf Euro.

Die grünen Linsen gehören zu den sogenannten Hülsenfrüchten. Davon gibt es mehrere Tausend verschiedene Arten. In vielen Ländern sind sie ein wichtiges Grundnahrungsmittel. So etwa in Indien, wo Linsen regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Die Linse besitzt viele Ballaststoffe. Sie sind unverdaulich und binden im Darm Flüssigkeit. In der Folge quellen sie auf und sorgen für ein länger anhaltendes Sättigungsgefühl.

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