Die CDU-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Freudenstadt Katrin Schindele Foto: Michael Spotts

Wie unsere Region als Wirtschaftsstandort attraktiv bleiben kann und warum es in Empfingen eher keinen „Space-Flughafen“ geben wird, darüber hat die CDU-Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Freudenstadt mit unserer Redaktion gesprochen.

Seit 2021 ist Katrin Schindele Mitglied im Landtag von Baden-Württemberg, Tourismuspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Mitglied in Ausschüssen „Wirtschaft, Arbeit und Tourismus“, „Landesentwicklung und Wohnen“ und „Petitionen“. Im Gespräch mit unserer Redaktion erörtert sie Themen, die sie derzeit bewegen.

 

Wie sieht ein durchschnittlicher Tag für Sie aus?

Nach unserem Gespräch fahre ich heute zum Beispiel noch nach Nagold zur Tourismusausschuss-Sitzung der IHK. Wie jeden Dienstag geht es anschließend weiter nach Stuttgart zur Fraktionsvorstandssitzung und anschließend zur Fraktionssitzung. Mittwoch und Donnerstag sind Plenar- oder Ausschusstage. Montag und Freitag sind die Wahlkreistage. Da kann ich Termine vor Ort machen oder kümmere mich um Bürgeranfragen.

Sie sind im Ausschuss „Wirtschaft, Arbeit und Tourismus“ und dort auch tourismuspolitische Sprecherin. Ihnen ist das Thema also wichtig?

Ja, denn der Tourismus ist wichtig für den Landkreis Freudenstadt und unsere Region Nordschwarzwald. Das ist eine tolle Aufgabe und ich freue die unterschiedlichsten Ecken im Land kennenlernen zu dürfen. Der Tourismus ist für Baden-Württemberg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, aber er ist mehr als nur zum Essen gehen, er ist in gewisser Weise gelebte Kultur bei uns. Auch Firmen sagen mir immer wieder, dass wir gute Café, Bistros und Kulturangebote brauchen, um Mitarbeiter hierher zu locken und zu halten.

Derzeit treibt die Gastro-Branche einiges um, wie zum Beispiel die drohende Rückkehr zu 19 Prozent Mehrwertsteuer. Was denken Sie, müsste geschehen, um die Situation zu verbessern?

Die Branche ist innovativ. Es wird gerade viel digitalisiert, um die Mitarbeiter zu entlasten, wie zum Beispiel mit Künstlicher Intelligenz. Es werden auch Konzepte überdacht, also ob diese heute noch passen oder ob es möglicherweise in anderen Konstellationen besser funktionieren könnte. Solche Anpassungen sind nötig, denn nicht nur die Betriebe verändern sich, sondern auch das Gästeverhalten.

Seit Kurzem sind Sie außerdem Sprecherin für Luft- und Raumfahrt, was passiert in diesem Bereich derzeit?

Wir wollen dem Bereich mehr Sichtbarkeit und Bedeutung geben. Als Maschinenbauerin freue ich mich besonders, hier noch tiefer in die Technik eintauchen zu können. Es ist ein höchstspannender Bereich, der auch als Impulsgeber für viele andere Branchen dient. 40 Prozent der Arbeitskräfte im Bereich Luft- und Raumfahrt in Deutschland sind in Baden-Württemberg. Viele kleine und mittelständische Unternehmen sind außerdem Zulieferer. Aktuell sehen es viele noch als Nische, aber da entwickelt sich sehr viel, auch im Hinblick auf Erdbeobachtung und vor allem rund ums Klima. Und die militärische Nutzung sollte ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden.

In Empfingen haben wir das Johannes Kepler Observatorium des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Wie kann es ihrer Meinung nach bei uns mit der Luft- und Raumfahrt noch weitergehen?

In Empfingen gibt es noch Fläche, wo etwas entstehen kann. Die Lage an der A81 zwischen dem Wissenschaftsstandort Stuttgart-Vaihingen und dem Aerospace Industriestandort Friedrichshafen bietet tolle Möglichkeiten für Synergien – auch zu unseren Unternehmen in der Region. Nicht zu vergessen die Nähe zur DHBW und dem Campus Schwarzwald. Außerdem ist der Standort sehr naturnah – also eigentlich hat man alles, um dort ganz toll arbeiten zu können. Und durch den KOMPASS 21 gibt es mit Horb noch die Möglichkeit der Weiterentwicklung.

Haben wir dann bald einen „Space-Flughafen“ in Empfingen?

Es wird eher Richtung Helikopterlandeplätze oder Ähnlichem gehen, denn die neuen Flugzeuge brauchen eher so etwas und keine Landebahn. Dabei spielt das Thema Sicherheit eine große Rolle und das Land möchte dort ein Crash-Test-Zentrum fördern. Dort können dann Flugtaxis oder ähnliches getestet werden. Auch das Thema Wasserstoff wird im Bereich Fliegen immer wichtiger. Da wird sich noch vieles entwickeln. Ich glaube, Bürgermeister Ferdinand Truffner (CDU) hat das für die nächsten Jahre und Jahrzehnte fest im Blick.

Baden-Württemberg gilt als Land der Erfinder und „Hidden Champions“ – was denken Sie muss getan werden, dass das so bleibt?

Wir müssen schauen, dass die Firmen, die wir in Baden-Württemberg haben, gerne bleiben und auch hier investieren. In vielen Gesprächen mit Handwerken und Mittelständlern aus der Region höre ich, dass sie überlegen, wie und wo es für sie weitergeht? Das heißt für mich, wir müssen die Rahmenbedingungen attraktiver gestalten, damit ein gewisser Optimismus für den Standort wieder stärker wahrgenommen wird. Diese Signale zu senden, ist auch Aufgabe der Politik.

Was war bisher ihr bester Moment als Abgeordnete?

Der 11. Mai 2021, als ich das erste Mal als Abgeordnete im Plenum war. Das war ein besonderer Moment, in dem man wahrnimmt, dass man das für den Wahlkreis, also die Bürgerinnen und Bürger macht. Ansonsten ist es gar nicht so einfach einen Moment zu nennen. Schöne Momente sind die vielen Begegnungen, zum Beispiel auch mit früheren Abgeordneten, wie Norbert Schneider, Dr. Carmina Brenner, Norbert Beck und Hans-Joachim Fuchtel - dieser Austausch ist superwichtig. Und natürlich auch der Austausch mit meinem Kollegen Klaus Mack. Außerdem habe ich gelernt, dass man auch als Abgeordnete für viele Dinge einen langen Atem braucht.

Welche Themen stehen bei Ihnen in der Zeit bis zur nächsten Landtagswahl noch im Fokus?

Wichtig wird in nächster Zeit auf jeden Fall das Thema Bildung, nicht zuletzt wegen der anstehenden Kommunalwahl. Schließlich werden viele Themen in diesem Bereich auf kommunaler Ebene entschieden Daher: Wer Lust auf Politik, auf Mitgestalten und Mitentscheiden vor Ort hat, möge bitte nächstes Jahr kandidieren. Denn im Gemeinderat oder im Ortschaftsrat kann man ganz direkt mitentscheiden, wie es im Ort oder auch im Kreis weitergeht. Was mir ebenfalls am Herzen liegt, ist das Thema Bauen und Wohnen, denn da hakt es noch ziemlich stark. Auf Landesebene sind wir an der Novellierung der Landesbauverordnung sowie weiteren Vereinfachungen. Diese werden sicher auch in der Bevölkerung noch für Diskussionen sorgen und nicht bei allem wird es heißen „oh super“. Außerdem ist mir wichtig, dass es beim Thema Infrastruktur voran geht. Auch bei der Migration werden wir noch einige Anpassungen brauchen. Natürlich muss man sich um jeden Einzelnen kümmern, der hier ist, aber man muss auch sagen, wenn die Belastungsgrenze erreicht ist, sogar überschritten wurde.