Der Wolf geht um in den deutschen Wäldern. Bauern in der Region wappnen sich nun, um ihre Herden gegebenenfalls vor ihm zu schützen.
Im Umweltausschuss des Schwarzwald-Baar-Kreises wurde es Schwarz auf Weiß, auf 42 vielfältig gefüllten Seiten im Bericht des Landschaftserhaltungsverbandes LEV deutlich, was Landschaftserhaltung wirklich heißt: die Spanne reicht von A wie Arnika über S wie Streuobst bis hin zu W wie Wölfen.
Den Letztgenannten zu erhalten, darum ging es beim LEV vorrangig natürlich nicht. Doch weil sich der Wolf trotzdem immer weiter ausbreitet, hält er den Landkreis bereits in Atem – gesichtet wurde er in der Region bereits.
Schutz für Rindern, Schafen und Lamas
Die Wolfsprävention ist ein relativ junges Thema, das der LEV beackert. Obgleich man aktuell keine Kenntnis von hier ansässigen Tieren hat.
Was die Prävention konkret bedeutet, zeigte der Geschäftsführer Stefan Walther am Montag im Landratsamt auf. Nach „mehrfachen Übergriffen“ einzelner Wölfe auf Rinder seit dem Sommer 2022 sind Landwirte in Sorge. Das erweiterte Herdenschutzkonzept im Land trägt dem Rechnung und sichert ihnen Hilfe zu. Der LEV sitzt mit im Boot, berät, bespricht, greift ihnen unter die Arme.
So können Landwirte beispielsweise Zuschüsse für den Bau von Zäunen erhalten – 16 konkrete Anträge von Bauern im Landkreis liegen vor, elf sind bereits abgeschlossen – 161 000 Euro Fördergeld sind dafür geflossen. Weitere Anträge seien noch in der Bearbeitung. Drei rinderhaltende Betriebe bekamen Geld für die Schaffung von Abkalbeweiden, sechs schafhaltende Betriebe und zwei, die ihre Alpakas und Lamas vor Wölfen schützen möchten, klopften an.
Wolfsprävention – macht das wirklich Sinn?
Ende 2022 hatte sich der LEV zusammen mit der UNB und der ULB beraten, um die Zuständigkeiten in Sachen Wolfsprävention zu klären und die Aufgabenverteilung neu zu ordnen. Es war geplant ab 2023 nur noch beratend tätig zu sein und die Antragsabwicklung in Gänze an das Naturschutzamt abzugeben. Aufgrund von personeller Umstrukturierung beim Amt aber verzögerte sich dieser Schritt.
„Uns macht diese ganze Wolfsprävention sehr viele Sorgen“, gab Bertold Ummenhofer von den Freien Wählern zu, „vor allen Dingen die Kosten, die damit verbunden sind“ – denn bald soll die Aufgabe an das Landratsamt übergehen. Ob das alles „überhaupt einen Sinn hat, was man da macht“, wollte er wissen. Eindeutig beantworten konnte Stefan Walther das aber nicht: „Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz gegen Wölfe“, gab er zu bedenken. Und ob die Gelder gerechtfertigt seien, sei schließlich „eine politische Entscheidung“.
Manche schützt man, manche bekämpft man
Auch ohne Wolfsprävention hat das LEV-Team viel zu tun. 2023 ist der Verband zehn Jahre alt geworden. Es war ein arbeitsreiches Jahr zum ersten Runden – 198 Verträge, Anträge und Aufträge galt es zu bearbeiten, 2139 Hektar Förderfläche im Landkreis im Auge zu behalten, auf welchen Maßnahmen eines Fördervolumens von über 1,7 Millionen Euro verwirklicht werden sollen.
Aus der Fülle der Aufgaben ragte zuletzt auch ein Wiederansiedlungsversuch für die Arnika-Pflanze heraus. Ehrenamtliche Helfer brachten 1100 Jungpflanzen unter Anleitung von Lina Begemann von der Uni Regensburg in den Boden.
Genau das Gegenteil will man bei Problempflanzen bewirken – Herbstzeitlose und Jakobskreuzkraut wurden entfernt, auch der Maschinenring und verschiedene Unternehmen bekämpften Neophyten.
„Es ist sehr beachtlich, was der LEV alles macht“, so Landrat Sven Hinterseh – und für die Grünen-Kreisrätin, Landtagsabgeordnete und Bäuerin Martina Braun steht fest: „Wenn es den LEV nicht gäbe, müssten wir ihn erfinden.“