Am Aschermittwoch hat die christliche Fastenzeit begonnen, die bis zum Ostersonntag andauert. Foto: Pixabay

Alkohol, Fleisch, Auto: Fasten und Verzicht können vielfältig sein – und sind nicht nur in der Zeit nach Aschermittwoch im Trend. Unsere Redaktion hat die Geistlichen Rainer Becker, Johannes Mette und Raimund Fiehn gefragt, wie sie jetzt kürzertreten.

Der Aschermittwoch kennzeichnet nicht nur das Ende der Fasent und die Vorbereitungszeit auf Ostern, sondern läutet mit dem Zeichnen des Aschenkreuzes auf die Stirn im Gottesdienst auch die siebenwöchige Fastenzeit der Christen ein.

 

Seit Jahrhunderten praktizieren Menschen in aller Welt das Fasten – früher vor allem aus religiösen Motiven, heute auch, weil sie den freiwilligen und bewussten Verzicht als Bereicherung ihres Lebens empfinden.

In diesem Jahr dauert die Fastenzeit vom 14. Februar bis zum 30. März. Traditionell sind die sechs Sonntage vom Fasten ausgenommen, sodass 40 Fastentage bleiben – das entspricht der Zeit, die Jesus der Bibel zufolge nach seiner Taufe fastend in der Wüste verbrachte. Heute sieht die Kirche die Fastenzeit weniger streng, demnach kann auch der Verzicht auf Süßigkeiten, Fernsehen, Auto oder Handy ein Weg zur Besinnung sein.

Dekan Becker will auf Aktion aufmerksam machen

Für den Geschäftsführenden evangelischen Dekan Rainer Becker stellt das Fasten „keine bessere Diät dar“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Er wolle aufmerksam machen auf die „Sieben Wochen ohne-Aktion“ der evangelischen Kirche unter dem Motto „Komm rüber! Sieben Wochen ohne Alleingänge.“

Diese Zeit solle man nutzen, um über das Leben nachzudenken – miteinander anstatt allein. „Die Fastenzeit ist nicht nur der Verzicht um des Verzichts willen, sich nicht einfach nur irgendwo durchquälen, sondern Fasten ist auch die Zeit, um nachzudenken, sagt er. Zum Beispiel über die Frage „Was kann ich mehr tun“ – und es sei auch die Zeit, um auf Menschen zugehen, etwa um neue Nachbarn kennenzulernen.

Dekan Mette will Vorsätze umsetzen

Johannes Mette von der katholischen Kirchengemeinde „An der Schutter“ fastet nicht nur in der Fastenzeit, sagt er unserer Redaktion. Der Pfarrer isst üblicherweise „freitags nur eine Suppe“. Das Fasten bedeutet für ihn deshalb nicht nur den Verzicht auf Essen. Vielmehr nutze er diese Zeit, um sich intensiver mit etwas zu beschäftigen. „Ich werde ein theologisches Buch über das Kreuz Jesu lesen“, sagt er. Daneben böten ihm die Tage des Verzichts auch „mehr Zeit zum Gebet und die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen“.

„Der Verzicht muss Sinn haben“, sagt Mette. „Um keine Süßigkeiten zu essen, muss man kein Christ sein“. Man solle einen Beitrag für seine Mitmenschen oder die Umwelt leisten. Er selbst versuche, Vorsätze das ganze Jahr über umzusetzen und fahre daher zum Beispiel immer mit dem Fahrrad. „Die Fastenzeit stellt kein bloßes Sechs-Wochen-Sonderprogramm dar, sondern eine Chance, sich etwas Besonderes vorzunehmen, für sich selbst“, so Mette.

Für das Fasten gebe es dabei verschiedene Gründe: „Jesus hat 40 Tage in der Wüste gefastet“, erinnert Mette. Die Gläubigen sollten nach seinem Vorbild und im Auftrag Jesu „Almosen geben, beten und fasten.“ Persönlich spüre er von dem Verzicht auf Fleisch, dass er aktiver und nicht so müde sei, so Mette. „Natürlich tut das Fasten auch dem Körper gut“, sagt er.

Raimund Fiehn will es in diesem Jahr endlich schaffen

„Ich habe zu fasten probiert, es aber nie wirklich durchgehalten“, gesteht Raimund Fiehn von der evangelischen Auferstehungsgemeinde Lahr. Trotzdem versuche er es auch in diesem Jahr, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Kirchliche Aktionen wie das Klimafasten dienen dazu, sich bewusst zu werden, auf Dinge wie Fleisch oder das Auto zu verzichten“, sagt er. Die Auferstehungsgemeinde habe außerdem eine „Sieben Wochen ohne-Aktion“. Für seine eigene Fastenzeit hat sich der Pfarrer „nichts Spezielles“ vorgenommen: „Ein Verzicht auf Auto oder Fleisch wäre aber besser“, sagt er. „Auf diese Dinge zu verzichten, diene der Vorbereitung auf große Feste. Man solle die Leiden Jesu intensiver bedenken, deswegen fasten“, sagt er. „Manche Gläubige feiern am Ende der Fastenzeit die Osternacht, aber auch die Adventszeit ist eine Fastenzeit“, erklärt er.

Bevor Fiehn Pfarrer in Lahr wurde, sei er für eine Gemeinde tätig gewesen, bei der die Gläubigen – evangelisch wie katholisch – am Ende der Fastenzeit ein gemeinsames Frühstück eingenommen haben. Dabei gab es dann wieder alles zu essen: Für die, die verzichtet haben – weniger Zucker, weniger Süßes – etwas ganz Besonderes und ein großer Genuss. „Verzichtet man etwa auf Schokolade und nimmt nach Wochen endlich wieder ein Stück in den Mund, ist der Geschmack viel intensiver“, schwärmt Fiehn.

Umfrage

Am Aschermittwoch beginnt die christliche Fastenzeit, die bis Ostersonntag anhält. Viele nehmen sich bestimmte Lebensmittel und Gewohnheiten vor, von denen sie in dieser Zeit absehen wollen. Doch worauf wird während der Fastenzeit am meisten verzichtet?  Die Krankenkasse DAK hat dazu bei Forsa eine Umfrage in Auftrag gegeben. 77 Prozent der Teilnehmer gaben d an, auf Alkohol, 72 Prozent, auf Süßigkeiten zu verzichten, 54 Prozent folgten der mittelalterlichen Tradition, indem sie sich während der Fastenzeit vom Fleischessen lossagten. Besonders Frauen tendierten dazu, sich auf das Weglassen von Süßigkeiten und Fleisch zu fokussieren. Aber auch abseits der Ernährung gibt es einige Vorsätze. So gaben die Hälfte der Teilnehmer an, das Rauchen zu unterbinden. Viele nahmen sich vor, nicht mehr fernzusehen (42 Prozent) oder den Gebrauch von Handys, Computer oder Spielkonsolen zu reduzieren (26 Prozent).