Der Lärmaktionsplan nimmt den nächsten Schritt. Die Ortschaftsräte der vier Wildberger Teilorte haben ihre Empfehlungen ausgesprochen. Doch nicht alle Gremien stimmen dem Vorschlag der Verwaltung zu. In der kommenden Woche soll die Entscheidung im Gemeinderat fallen.
Ein Thema das beschäftigt. Aber nicht nur seit Jahren die Stadt, sondern auch die Bürger. Das zeigt sich unter anderem an der regen Teilnahme und vielen Stellungnahmen, aber auch an den Besucherzahlen der beiden jüngsten Ratssitzungen.
Mehr als 20 Bürger kamen zur Gemeinderatssitzung in der vergangenen Woche, in der die Stellungnahmen und Abwägungen erstmals vorgestellt wurden. Mehr als zehn Bürger kamen dann auch in der jüngsten Gesamt-Ortschaftsratssitzung, in der die vier Gremien der Teilorte ihre Empfehlung aussprachen. Die allerdings teils ganz anders ausfällt, als eigentlich vorgeschlagen.
Während die einen direkt den fachrechtlich möglichen Maßnahmen zustimmen, haben andere Räte andere Meinungen. Tempo 30 passt vielen eben doch nicht, stellt sich in der Sitzung heraus. Vor allem eine Maßnahme ausschließlich nachts ist für so manchen „reiner Schwachsinn“.
Vorgeschlagene Maßnahmen Peter Koehler vom Ingenieurbüro für Verkehrswesen stellte den Räten noch einmal die Grundzüge des Lärmaktionsplans vor. Auf den Durchfahrtsstraßen empfohlen wird: Tempo 30 in Gültlingen und Sulz (Oberjettinger Straße nur nachts), Tempo 30 auf der Gartenstraße und Tempo 40 nachts auf der Talstraße, Tempo 30 nachts in Effringen. In Schönbronn könnten keine Maßnahmen empfohlen werden, da keine Überschreitungen der Grenzwerte berechnet wurden.
Effringer Ortschaftsrat
Ortsvorsteher Uwe Traub findet es gut, dass der Plan nun vorliege. Persönlich spricht er sich allerdings gegen Tempo 30 nachts aus. Nachts gebe es nur wenige Kontrollen, viele Fahrer würden sich sowieso nicht dran halten, pflichtete ihm Ratskollege Wolfgang Dürr bei. Besser wäre es daher ganztags Tempo 40 einzurichten, schlug Traub vor. Auch wenn die Behörden das später anders sehen würden. Bürgermeister Ulrich Bünger gab zu Bedenken, dass später die Straßenverkehrsbehörde aufgrund der Rechtslage entscheiden werde.
Der Antrag Tempo 40 wurde in der ersten Abstimmung im Ortschaftsrat abgelehnt. Zwei stimmten dafür, zwei dagegen. Der Gegenvorschlag: keine Begrenzung beziehungsweise wollte der Ortschaftsrat gerne erst in der kommenden Woche entscheiden. Das wäre allerdings aufgrund der anstehenden Entscheidung im Gemeinderat am Donnerstag, 29. Februar, nicht möglich, erläuterte Bünger. Daraufhin berieten die Ortschaftsräte nochmals im Gang vor dem Bürgersaal mit den jeweiligen Interessierten. Und sie kamen zur Entscheidung: Tempo 40 ganztags bei zwei Stimmen dafür und zwei Enthaltungen.
Gültlinger Ortschaftsrat
„Wir setzen uns schon seit Jahren mit dem Verkehr in Gültlingen auseinander“, betonte Ortsvorsteher Walter Baur. Doch er hätte nie gedacht, dass die Werte nun so hoch sein würden. „Meiner Meinung nach macht die Gesundheit der Anwohner Tempo 30 notwendig“, auch wenn er wisse, dass sehr viele durch Gültlingen durchfahren.
Dieser Meinung schloss sich auch Regina Schröder an. Eine Minute würde sich die Fahrtzeit verlängern, und das könne man den Fahrern zumuten. Man müsse aber auch über andere Maßnahmen sprechen, betonte Schröder bereits im Gemeinderat. Über Schallschutzfenster, -wände, den Fahrbahnbelag und eventuell auch die Umleitung der Lastwagen müsse man sprechen.
Ortschaftsräte Dieter Volz und Rudolf Widmaier sprechen sich dagegen für Tempo 40 aus. Um den Verkehr nicht zum Stocken und Stoppen zu bringen. Bereits in der Gemeinderatssitzung hatte Koehler allerdings erläutert, dass durch Tempo 40 weiterhin gesundheitsgefährdende Immissionen aufkommen würden – Tempo 30 sei notwendig, betonte auch Schröder nochmals.
Nach eigentlichem Ergebnis von 2:2 Stimmen, wurde der Vorschlag der Verwaltung – Tempo 30 ganztags auf den Durchfahrtsstraßen – bei zwei Stimmen dafür, einer Gegenstimme und einer Enthaltung dem Gemeinderat als Empfehlung ausgesprochen.
Schönbronner Ortschaftsrat
Ein gewisser Unmut über fehlende Maßnahmen wurde nicht nur in den Stellungnahmen klar. Auch in der Ortschaftsratssitzung war dieser zu spüren. In den Spitzenzeiten (morgens und abends) seien die Schönbronner auch stark belastet, betonte Ortsvorsteher David Mogler. Diese würde durch die Berechnungsvorgabe, mit dem Mittelwert der Lärmimmissionen zu rechnen, nicht richtig dargestellt. „Wir wollen ein Zeichen setzen“: Deswegen schlug er vor, entgegen des Vorschlags der Verwaltung, einen Antrag auf Tempo 40 ganztags zu stellen. Mit drei Stimmen dafür, einer dagegen und einer Enthaltung, geht diese Empfehlung nun an den Gemeinderat.
Sulzer Ortschaftsrat
Der Sulzer Ortschaftsrat war sich schnell einig. Für den Vorschlag der Verwaltung – Tempo 30 – stimmte jeder. Das und auch die längere Fahrtzeit von einer Minute sei jedem Fahrer zumutbar, betonte Ortsvorsteher Rolf Dittus. Was der Sulzer Ortschaftsrat aber mit ihn die Empfehlung für den Gemeinderat aufnahm: Maßnahmen in der Kirchstraße.
Seit Jahren bereitet diese den Sulzern Sorgen. Denn sie wird von vielen als Abkürzungsstrecke genutzt, betonten nicht nur Rolf Dittus, Sulzer Ortsvorsteher und Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, sondern auch Bürgermeister Ulrich Bünger bereits in der Gemeinderatssitzung und nun erneut. Die Angst, dass sich mit Tempo 30 der Verkehr noch mehr dorthin verlagert, sei aus Erfahrungen nicht umsonst.
Auch aus diesem Grund nimmt der Ortschaftsrat den Lärmaktionsplan nun als weitere Chance, um diesen Abkürzungsverkehr in Zukunft zu verhindern. Auch in der kommenden Ortschaftsratssitzung im Sulzer Rathaus am Montag, 26. Februar, ab 18.30 Uhr geht es nochmals um die Kirchstraße.