Der Lärmaktionsplan sieht in den meisten Teilorten Wildbergs die Notwendigkeit für Tempo 30. Der Gemeinderat hat sich nun anders entschieden. Foto: mr.nico - stock.adobe.com

Seit langer Zeit und besonders im Februar hat der Lärmaktionsplan die Stadt auf Trab gehalten. Tempolimits wurden durch Berechnungen möglich, diskutiert und teils aber auch abgelehnt. Die finale Entscheidung des Gemeinderats fiel in der jüngsten Sitzung: eine kurze, aber sicherlich keine schmerzlose Entscheidung.

Am letzten Tag des Februars – am 29. des Monats – ist im Wildberger Gemeinderat die Entscheidung zum Lärmaktionsplan gefallen. Nach einer hitzigen Diskussion entscheidet sich das Gremium allerdings anders, als es Verwaltung und sicherlich auch viele Bürger erwartet hätten. Das zeigt auch, dass ein paar der zahlreichen Besucher die Gemeinderatssitzung vor Frustration verlassen.

 

Maßnahmen laut LAP

Nochmals zur Auffrischung die vorgeschlagenen Maßnahmen aus dem Lärmaktionsplan, die Peter Koehler vom Ingenieurbüro für Verkehrswesen aus Karlsruhe in den vergangenen Sitzungen erläutert hatte: Gültlingen sei „am stärksten belastet“ – auf den Durchfahrtsstraßen wird Tempo 30 und nach dem Ortsschild in Richtung Gechingen Tempo 70 empfohlen. Sulz am Eck sei „ebenfalls stark belastet“ – von Wildberg nach Kuppingen und von der Forststraße Richtung Oberjettingen bis zur Einmündung der Kirchstraße ist Tempo 30, im Rest der Oberjettinger Straße jedoch nur nachts Tempo 30 angedacht.

In der Kernstadt gebe es auch „gewisse Überschreitungen“ – die Talstraße soll nach Abwägung der Verkehrsbehörden nachts auf Tempo 40, die Gartenstraße ganztags auf Tempo 30 reduziert werden. Außerdem soll ein kleines Stück der Effringer Straße von Tempo 70 auf 50 reduziert werden. In der Calwer Straße soll ab Ortsschild bis zur Brücke ins Industriegebiet in beide Richtungen künftig nachts in beide Richtungen Tempo 70 herrschen. In Effringen sei die Belastung nur im Nachtzeitraum über den Grenzwerten – nachts soll auf der Durchfahrtsstraße also Tempo 30 kommen. In Schönbronn gebe es keine Überschreitungen der Grenzwerte – 65 dB(A) tagsüber, 55 dB(A) nachts – dort „können nach Fachrecht keine Maßnahmen empfohlen werden“.

Ortsschafträte wollen es teils anders

Maßnahmen laut Ortschaftsräten

Die Ortsschafträte der vier Teilorte weichten zum Teil von diesen Vorschlägen ab: Während Gültlingens und das Sulzer Gremium den vorgeschlagenen Maßnahmen so zustimmte – mit dem Zusatz für Sulz, dass in der Kirchstraße verkehrsmindernde Maßnahmen umgesetzt werden –, sahen es das Effringer und Schönbronner Gremium ganz anders. Die beiden Ortschaftsräte empfohlen jeweils Tempo 40 ganztägig von Ortsschild zu Ortsschild.

Maßnahmen laut Gemeinderat

Hin und her ging die Diskussion: Laut Fachrecht und wegen gesundheitsgefährdender Werte sei Tempo 30 in manchen Teilorten notwendig. Es gebe keine andere Möglichkeit, betonten einige Stadträte. Wiederum andere Ratsmitglieder wünschten sich ein einheitliches Bild im gesamten Stadtgebiet. Vergleiche zu anderen Städten fielen und bei den meisten Stadträten fand Tempo 40 auf allen Durchfahrtsstraßen – ganztägig und jeweils von Ortsschild zu Ortsschild – großen Anklang. Die später umgesetzten Maßnahmen könne man auch in der Zukunft nochmals auswerten und gegebenenfalls abändern, betonte so mancher Stadtrat.

Klare Mehrheit für Tempo 40

Manche Räte priorisierten die Gesundheit und die Wünsche der Bürger, andere wiederum einen fließenden Verkehr, der sich nicht in den Ortschaften staut. Selbst in den einzelnen Fraktionen gab es meist unterschiedliche Meinungen.

Die klare Mehrheit zeigte sich erst bei den einzelnen Abstimmungen über die möglichen Maßnahmen. Kurz, aber für so manchen sicherlich nicht schmerzlos, gesagt: Der Gemeinderat stellt Anträge für Tempo 40 ganztägig auf allen Durchfahrtsstraßen in allen Teilorten – von Ortsschild bis Ortsschild. In Gültlingen kommt Tempo 70 ganztägig außerorts in Richtung Calw, in Wildberg Tempo 60 ganztägig in der Calwer Straße und Tempo 50 auf einem Teil der Effringer Straße hinzu.

Weitere Vorschläge für Landratsamt

Außerdem soll es in der Sulzer Kirchstraße Maßnahmen geben, um möglichen Abkürzungsverkehr zu unterbinden, die Sanierung der Landesstraße in Sulz (Wildberg nach Kuppingen) geprüft werden. Zudem will der Gemeinderat prüfen lassen, ob man das Wildberger Ortsschild in der Calwer Straße verlegen könnte – bis zur Brücke, die zur Lützenschlucht führt.

Maßnahmen laut Landratsamt

Der nächste Schritt steht damit fest: Die Beschlüsse des Gemeinderat gehen gemeinsam mit dem Gutachten als rechtliche Grundlage an die zuständige Straßenverkehrsbehörde, das Landratsamt in Calw. Diese müsse die Anträge der Stadt Wildberg nun genauestens prüfen und abwägen. Und schließlich eine Entscheidung treffen, die wiederum dem Gemeinderat vorgelegt wird.