Ein Dauerthema sowohl im Ortschaftsrat als auch bei der Bevölkerung ist der Zustand von Talheims Straßen. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht über diese Missstände berichtet wird.
Unlängst erreichte uns ein Leserbrief, in dem der Verfasser für sich feststellte, dass dieses Thema seiner Meinung nach nicht genug beachtet werde. Auch verstehe er nicht, warum man einen teuren Kreisel beim ehemaligen Flair-Areal baut, anstatt mit dem Geld die Wege und Straßen in Talheim zu sanieren.
Wir nahmen diese Lesermeinung zum Anlass, um nochmals mit Ortsvorsteher Anton Ade eine Art Bestandsaufnahme zu machen und uns die offensichtlichsten Mängel vor Ort anzuschauen. Bei dieser Ist-Aufnahme muss man jedoch auch die unterschiedlichen Zuständigkeitsbereiche berücksichtigen. Jede Straße mit einem „L“ am Anfang ist eine Landesstraße und wird daher auch vom Land Baden-Württemberg verwaltet. Für die Sicherheit ist hier wiederum der Landkreis zuständig.
Kreisstraßen, also Straßen, die mit einem „K“ anfangen, sind unter der Verwaltung des Kreises und nur bei Ortsverbindungsstraßen, Feldwegen und Innerorts-Straßen kann die Stadtverwaltung Horb direkten Einfluss ausüben. Die Ortsverwaltungen, in diesem Fall Talheim und der Ortschaftsrat, können nur Beschlussempfehlungen an den Gemeinderat aussprechen.
Kaputteste Straße des Landkreises
Traurige Berühmtheit als kaputteste Straße des Landkreises hat inzwischen die L365 zwischen Talheim und Hochdorf erlangt. Doch, wie es der Name schon sagt, ist dies eine Straße, die im Hoheitsbereich des Landes liegt und bei der weder der Kreis noch die Stadtverwaltung Horb in puncto Sanierung Aktien im Spiel hat. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat Ortsvorsteher Ade bei der Einweihung der neuen Landesstraße Richtung Horb im vergangenen Herbst in die Hand versprochen, dass sobald der Streckenabschnitt ab Kreuzung Richtung Witthau fertiggestellt ist, mit der Planung zur Sanierung des total kaputten Teils dieser Straße, über die rund ein Viertel des gesamten Schwerlastverkehrs aus dem Industriegebiet Heiligenfeld samt seinem Umlade-Terminal fließt, begonnen wird. Mit der Planung wohlbemerkt, nicht mit der tatsächlichen Sanierung.
Sanierung ist angekündigt
Landtagsabgeordnete Katrin Schindele (CDU) erfuhr dazu in ihrer kleinen Anfrage, dass das Baureferat des zuständigen Regierungspräsidiums Karlsruhe plant, den westlichen Streckenabschnitt auf Horber Gemarkung im kommenden Jahr zu sanieren – also 2025. Der östliche Abschnitt in Hochdorfer Richtung soll bereits in diesem Jahr dran sein. Hier konnte die Planung mit den Kanalarbeiten in Hochdorf so koordiniert werden, dass die Ausführungsplanung schon weit fortgeschritten ist. Ziel sei es, den Abschnitt noch vor der nächsten Frostperiode auszubauen. Dies auch im Hinblick auf den neuen Steinbruch der Firma Kaltenbach, für den diese Straße als Transportweg wichtig ist.
Keine Reaktion mehr vom RP
Hoffnungen, dass mit den Arbeiten auch die verschlungene Trasse begradigt wird, begrub Elke Zimmer, Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr, in dieser Fragestunde. Die Eigentumsverhältnisse entlang der Straße ließen eine neue Trassenführung nicht zu. Hier merkte Anton Ade an, dass er vor zwei Jahren, als man über eine Flurneuordnung auf Talheimer Gemarkung sprach, angeboten habe, mit allen Grundstückseigentümern, die Flächen entlang der L365 haben, zu sprechen. Ziel sei es gewesen, die Straße breiter machen zu können und zum anderen, die Kurvenradien etwas zu entschärfen, um so auch einen Begegnungsverkehr von größeren LKWs gefahrlos zu ermöglichen. „Von Seiten des Regierungspräsidiums kam aber bis heute keine Reaktion dazu“ bedauerte Ade.
Was die Erfahrung sagt
Wenn man Erfahrungswerte aus vorangegangenen Projekten herannimmt, dann kann man mit einer echten Sanierung der schlechtesten Landstraße von Baden-Württemberg irgendwann ab 2030 rechnen. Was vorher passiert und vom Verkehrsministerium als Sanierung angekündigt wird, ist bestenfalls wieder nur Flickschusterei, die, wenn‘s gut geht, etwas länger hält als das, was das Landratsamt mit dem „Löcher flicken“ hinbekommt.
Der Bautrupp vom Kreis füllte die Bruchstellen und Schlaglöcher der L365 immer wieder provisorisch mit sogenanntem „Kalkmischgut“ auf. Dass es mit der Sanierung der Landstraße etwas länger dauern wird, als von der Staatssekretärin versprochen, dürfte auch dem Umstand geschuldet sein, dass an der Talheimer Kreuzung, der Einmündung der K4718 in die L365, ein Kreisverkehr gebaut werden soll. So zumindest die Ansage aus dem Regierungspräsidium.
Gefahr am Ziegelhofkreisel
Wenn man den Planungszeitraum des Unfallschwerpunktes „Witthau-Kreuzung“, die ja seit Jahren zum Kreisverkehr umgebaut werden soll, als Zeitschiene hernimmt, wird schnell deutlich, dass man 2025 noch nicht einmal einen Stein umdrehen wird. Und wenn man schon beim Thema Kreisverkehr ist, sollte auch der Ziegelhofkreisel eine Auffrischung erfahren. Dort sind inzwischen tiefe Spurrillen zu sehen, die besonders für Zweiradfahrer sehr gefährlich werden können.