Nur rund 40.000 Einwohner hat Schwäbisch Hall – und dafür eine Menge zu bieten. Kunst, Kultur, Kulinarik und eine wunderschöne, vollkommen intakte Fachwerkaltstadt. Unsere Tipps für einen Kurztrip an den Kocher.
Wer sich auskennt, sagt Hall. Von Schwäbisch Hall sprechen die, die sie nur vom Vorbeifahren kennen, die kleine Fachwerk-Perle am Kocher, die alte Salzsiederstadt mit ihrer komplett intakten Altstadt, dem barocken Rathaus, der Michaelskirche mit der berühmten Treppe. Für ein 40.000-Einwohner-Städtchen hat Hall eine Menge zu bieten: Das älteste Marionettentheater Baden-Württembergs. Die Kunsthalle Würth. Und natürlich im Sommer die traditionsreichen Freilichtspiele.
Anreise: Schnell dort mit dem Zug
Der Weg ist nicht weit: Mit einmal Umsteigen in Hessental ist man in gut eineinviertel Stunden vom Stuttgarter Hauptbahnhof in Schwäbisch Hall. Mit dem 49-Euro-Ticket reißt die Bahnfahrt auch kein Loch ins Portemonnaie. Vor Ort ist dann alles bequem zu Fuß erreichbar, denn Hall ist nicht groß.
Übernachten: Mittendrin oder am Kocher
Wenn man im Hotel Adelshof absteigt, hat man den schönen Haller Marktplatz mit der Michaelskirche, der Großen Treppe und dem Barockrathaus direkt vor der Nase. Die Zimmer sind geräumig, eine Sauna gibt es auch. Direkt am Kocher liegt das Ringhotel Hohenlohe, das mit Pool und großem Wellnessbereich aufwartet. Besonders üppig: Das Frühstücksbüffet.
Diese 53 Stufen sind ein Muss: Die Große Treppe und die Michaelskirche
Über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus haben 53 Stufen Hall bekannt gemacht. Auf der Großen Treppe finden im Sommer die Freilichtspiele statt. Seit 1925 wird hier Theater gespielt, erst nur Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“, schon lange auch Familienstücke und Musicals wie „Sister Act“. Wer die Treppe hinauf- oder hinuntergeht, fragt sich, wie die Schauspielerinnen und Schauspieler es schaffen, auf den Stufen Kampf- oder Liebesszenen aufzuführen, ohne sich zumindest den Knöchel zu verstauchen.
In der Michaelskirche vereint sich Romanik mit Gotik – der markante Glockenturm mit dem Erzengel Michael stammt noch aus romanischer Zeit, das Kirchenschiff ist gotisch. Hier predigte im 16. Jahrhundert der berühmte Reformator Johannes Brenz. Im Chorgang hängt der Stoßzahn eines Mammuts, den die Menschen früher für das Horn eines Einhorns hielten. Eine offene Gruft mit Gebeinen, die in den 1960er Jahren bei Bauarbeiten gefunden wurden, ist inzwischen mit einer Panzerglasplatte abgedeckt. Zu viele Schulkinder hatten sich den Spaß gemacht, einen der uralten Knochen zu stibitzen.
Kultur satt: Neues Globe, Kunsthalle Würth und Hällisch-Fränkisches Museum
Durch hübsche Kopfsteinpflastergässchen mit bunten Fachwerkhäusern geht es hinunter an den Kocher. Auf der Kocherinsel Unterwöhrd steht seit 2019 das Neue Globe Theater. Hier wird weit mehr als nur Shakespeare gespielt. Jenseits des Kochers liegt die Kunsthalle Würth, in der der Schraubenkönig Reinhold Würth Teile seiner beeindruckend vielseitigen Kunstsammlung präsentiert. Die Hauptausstellungsfläche wird momentan renoviert, im Reinhold-Würth-Saal zeigt das Kunstmuseum noch bis Ende Januar Weihnachtskrippen aus aller Welt. Der Eintritt ist frei. Vom Innenhof hat man einen tollen Blick auf die Haller Innenstadt und den Kocher. Wer tiefer in die Stadtgeschichte Halls eintauchen möchte, sollte im Hällisch-Fränkischen Museum im Keckenhof vorbeischauen. Auch hier ist der Eintritt umsonst.
Was Süßes zwischendurch: Café Ableitner, Café am Markt und Café Hammel
Ein Städtetrip macht hungrig. Köstliche Kuchen gibt es im traditionsreichen Café Ableitner am Kocherufer, das auf eine über 80-jährige Kaffeehausgeschichte zurückblickt. Das Café am Markt direkt am Rathaus und der Michaelskirche backt nicht nur spektakuläre Torten, man kann hier auch hervorragend frühstücken. Wer noch ein Mitbringsel sucht: Im Café Hammel in der Schulgasse gibt es die Comburg Möndchen zu kaufen, ein Makronengebäck mit Schokofüllung – und Suchtpotenzial.
Gut essen: La Casa Toscana, Sudhaus und Reber’s Pflug
Antipasti, Pizza, Risotto: Sehr gute italienische Küche bietet das La Casa Toscana in der Unteren Herrengasse – den schönen Blick auf die Altstadt und den Kocher gibt es inklusive. Wem es mehr nach typisch Hohenloher Gerichten ist, der wird sicher auf der Speisekarte des Sudhauses an der Kunsthalle Würth fündig. Und wer sich mal so richtig verwöhnen möchte, kann das in Weckrieden im Michelin-besternten Restaurant Reber’s Pflug von Hans-Harald Reber tun.
Ein Highlight für Kinder: Gerhards Marionettentheater
Platz da, Augsburger Puppenkiste! Gerhards Marionettentheater ist älter als die Puppenkiste, die in Deutschland buchstäblich jedes Kind kennt. Es wurde 1925 in Wuppertal gegründet, im Zweiten Weltkrieg verschlug es den Gründer nach Schwäbisch Hall. Seit den 1980er Jahren hat das Theater seine Spielstätte im Schafstall, die Gründerfamilie Gerhards hat immer noch die Fäden in der Hand. Momentan stehen zwei Otfried-Preußler-Stücke auf dem Programm: „Der kleine Wassermann“ und „Der Räuber Hotzenplotz“.