Über viele Berufsgruppen hinweg machten Menschen bei einer Kundgebung in Sulz am Freitagnachmittag ihrem Unmut über die aktuelle Situation der Bauern, aber auch dem Handwerk Luft. Gefordert wurden unter anderem weniger Asphalt und Bürokratie.
Nach einer Sternfahrt des Kreisbauernverbandes nach Sulz fand die Kundgebung unter dem Motto „Bessere Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft“ auf dem Sulzer Marktplatz statt. Zahlreiche Traktoren verwandelten das Areal in eine autofreie Zone. Mit Plakaten wie „Lössboden gehört unter den Pflug, nicht unter Beton“ oder „Wir ersticken in Bürokratie“ übten die Landwirte Kritik.
50 Traktoren und 150 Teilnehmer
Rund 50 Traktoren und 150 Teilnehmer hatten sich laut Angaben der Polizei auf dem Marktplatz eingefunden. Welche Auswirkungen die Probleme hätten, mit denen die Landwirte konfrontiert seien, führte Jenny Geiser von der gleichnamigen Vöhringer Metzgerei vor Augen.
„Wenn die Bauern keine Schlachttiere in die Metzgerei liefern, haben die Kunden keine regionale Wurst“, erklärte sie. Es sei wichtig, die Strukturen vor Ort zu bewahren, denn mittlerweile seien Produkte aus der Region ein Luxusgut.
Betriebe in die Zukunft führen
In diese Kerbe schlug auch Diana Stierle, Vorsitzende der Landjugend Rottweil-Tuttlingen. „Wir Junglandwirte wollen unsere Betriebe in die Zukunft führen“, sagte sie. Doch für eine zukunftsfähige Landwirtschaft brauche es einen politischen Dialog auf Augenhöhe. „Muss Wachstum mit Beton erzwungen werden?“, fragte sie. Denn Boden sei eine rare Ressource, die gleichzeitig Acker, aber auch Erholung sein könne. Flächenversiegelung für die Industrie sei, so Stierle, der falsche Weg.
Auch Jörg Dinkelacker von der Bürgerinitiative Pro Mühlbachebene argumentierte in diese Richtung. „Durch Dürren und Starkregen sind wir mit dem Klimawandel konfrontiert“, hob er hervor. Da könne man es sich schlichtweg nicht leisten, den auf der Mühlbachebene vorkommenden Lössboden zugunsten eines Gewerbegebiets zu verlieren. „Will der Bürgermeister Handlanger einer gestrigen Politik sein?“, sinnierte er.
Flächenfraß vermeiden
Marc Berger von „Landwirtschaft verbindet Deutschland“ (LSV) betonte, dass man bei der Suche nach Industrie- und Wohneinheiten nicht in die Breite gehen dürfe. „Ins Erdgeschoss ein Supermarkt, im ersten Stock eine Anwaltskanzlei, im zweiten Stock Wohnungen und oben drauf Solarpaneele“, lautete seine Forderung, um den Flächenfraß zu vermeiden.
Darüber hinaus müssten auch für importierte Erzeugnisse die gleichen Produktionsstandards gelten wie für in deutschen Betrieben hergestellte Waren.
Dokumentationspflicht macht viel Arbeit aus
Eugen Haberer, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Rottweil, skizzierte die Rahmenbedingungen, unter denen die Bauern zu wirtschaften hätten. „Wenn die Lebensmittel so billig sein sollen, wie sie sind, muss die Landwirtschaft subventioniert werden“, erklärte er. Unter diesen Bedingungen seien Bauern, unabhängig davon, ob kleiner Familienhof oder Großbetrieb, auf Zuwendungen angewiesen. „Manche Betriebe bekommen 4,5 Millionen Euro vom Land oder der EU“, erläuterte er.
Doch sei die Situation der Landwirte besonders. „Wir streiken nicht für eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich“, sagte Haberer mit Blick auf den Verkehrssektor. Die Bauern arbeiteten nämlich mitunter auch doppelt so viel. Einen großen Teil dieser „Arbeit“ mache die Dokumentationspflicht aus, die Haberer kritisch hinterfragt: „Wenn ich aufschreiben muss, welche Kuh mit ihrer entsprechenden Markierung auf welcher Weide grast – was macht das für einen Sinn?“