Die Lehrergewerkschaft GEW hat auch ihre Mitglieder in Südbaden zum Warnstreik – unser Foto zeigt eine Aktion in Berlin – rund um den Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst der Länder aufgerufen Foto: Skolimowska

Die Gewerkschaft GEW hat nicht-verbeamtete Lehrer für den heutigen Dienstag zum Warnstreik aufgerufen. Aus der Ortenau fährt eine Delegation zu einer Kundgebung nach Karlsruhe.

„Es geht uns um eine leistungsgerechte Vergütung“, betonte Matthias Biegert, Vorsitzender der GEW Ortenau, am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. So solle der Bildungsberuf auch attraktiver werden, mangele es doch auch im Ortenaukreis an Lehrkräften. Er fährt deswegen mit einem Großteil des GEW-Vorstands im Kreis und einigen weiteren nach Karlsruhe, um dort an einer Kundgebung teilzunehmen.

 

Hintergrund des Warnstreiks der angestellten Lehrer ist der aktuelle Tarifstreit im öffentlichen Dienst der Länder. Die Gewerkschaften fordern für die bundesweit rund 1,1 Millionen Angestellten und mittelbar auch für die rund 1,4 Millionen Beamten ein Gehaltsplus von 10,5 Prozent, mindestens aber 500 Euro.

Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder hatte bei der zweiten Verhandlungsrunde deutlich gemacht, das man die Forderungen für viel zu hoch und nicht leistbar halte – mit dem Warnstreik soll nun Druck aufgebaut werden.

Angestellte gehen für mehr Geld auf die Straße

Biegert rechnete am Vortag mit 30 bis 40 Mitstreitern. Nur zehn Prozent der 3500 Lehrer im Zuständigkeitsbereich der Ortenauer GEW sind dabei überhaupt streikberechtigt. Denn bei Lehrkräften ist der Beamtenstatus im Südwesten die Regel, die Beschäftigung als Angestellte eher die Ausnahme. Das Zahlenverhältnis legt also nahe, dass die Auswirkungen des Streiks überschaubar sein werden.

Auch GEW-Kreisvorsitzender Biegert rechnete am Vortag nicht damit, dass in Folge des Warnstreiks in den Ortenauer Schulen massenweise Stoff nachzuholen sein wird. „Natürlich kann es zu Unterrichtsausfällen kommen“, betonte er jedoch. „Ich gehe aber davon aus, dass die Klassen anderweitig versorgt werden.“ Die Beamten seien dabei gebeten worden, nicht als Streikbrecher zu agieren.

Verbeamtete Lehrer sollen nicht als „Streikbrecher“ fungieren

Konkret heiße das, dass sie nur unter Widerspruch gegenüber der Schulleitung eine Vertretung eines streikenden Kollegen übernehmen sollen, erläutert Matthias Biegert. „Sie sind gehalten, keinen Unterricht zu machen, sondern eine aktuelle Stunde zu gestalten – über das Streiken oder Arbeitnehmerrechte etwa.“ Eine Betreuung fände also wohl so oder so statt, normaler Unterricht allerdings nicht.

Bei den Schulleitungen in Lahr verursacht der Streikaufruf – kaum überraschend – auch nur wenige Sorgen. Die Angst, dass es größere Unterrichtsstörungen geben könnte, hält Dagmar Hoefert, Leiterin der Grundschule Luisenschule, für „nicht schlüssig“.

Lahrer Schulen sehen sich gut für Streik aufgestellt

Man habe sich gut auf den Streik vorbereiten können, erklärt Hoefert im Gespräch mit unserer Redaktion. Fast alle Lehrkräfte seien ohnehin verbeamtet und daher an Streiks grundsätzlich nicht beteiligt. Zwei Lehrkräfte der Luisenschule sind angestellt, erklärt Hoefert. Größere Auswirkungen an den anderen Lahrer Grundschulen vermutet die Leiterin der Luisenschule nicht.

Ähnlich blickt auch das Scheffel-Gymnasium in Lahr auf den Streiktag. Schulleiterin Antje Bohnsack sieht das Gymnasium gut vorbereitet. Es gäbe sowieso nur eine „kleine Fraktion“ an Lehrkräften im Angestelltenverhältnis im Scheffel-Gymnasium. Ein Lehrer hatte angekündigt sich am Streik zu beteiligen, berichtet Bohnsack im Gespräch. Auf diesen einen Ausfall habe man sich einstellen können. Im Lahrer Max-Planck-Gymnasium ist am Vortag des angekündigten Streiks über Ausfälle noch nichts bekannt. Auch dort seien meisten der 73 Lehrkräfte verbeamtet, teilt das Gymnasium auf Anfrage unserer Redaktion mit.

„Trotz Streikberechtigung fühlen sich viele angestellte Lehrer dem Unterricht und den Schülern verpflichtet“, erläuterte GEW-Kreisvorsitzender Biegert, angesprochen auf von ihm prognostizierte Beteiligung von nur zehn Prozent. Nichtsdestotrotz sei es ihm und seinen Gewerkschaftskollegen ein umso größeres Anliegen, auch Pensionäre für die Kundgebung zu gewinnen. Denn diese seien in der zurückliegenden Tarif- und Besoldungsrunde durch die Einmalzahlung der Arbeitgeber ausgenommen und somit schlechter gestellt worden, erläutert Biegert.

Zug nach Karlsruhe

Die GEW Kreis Ortenau lädt zur Fahrt im RB 26 (11.31 Uhr Ringsheim, 11.39 Uhr Lahr, 11.43 Uhr Friesenheim) mit Umstieg in Offenburg (RE 2 12.02 Uhr) ein. Treffpunkt ist der erste Wagen nach der Lok, heißt es in der Ankündigung. Die Ankunft in Karlsruhe ist rechtzeitig vor der großen Kundgebung um 13 Uhr. Für Mitglieder werden die Fahrtkosten übernommen.