Der Flachbau der alten Strohhutfabrik (rechts) und das Wohnhaus Sauter stehen unter Denkmalschutz. Foto: Börsig-Kienzler Foto: Schwarzwälder Bote

Werkzeuge und Maschinen finden Platz im Gebäude Sperl / Förderverein legt Konzept vor

Die künftige Verwendung und Darstellung des heimischen Kulturguts "Strohhutflechterei" war erneut Thema in der jüngsten Schonacher Gemeinderatssitzung.

Schonach. In der ehemaligen Strohhutfabrik Sauter ist einiges an kulturell wichtigen Gütern eingelagert. Das in der Ortsmitte gelegene Fabrikgebäude, das die Gemeinde vor einigen Jahren aufgekauft hatte, ist aber stark baufällig.

Auch aufgrund des Drängens des heimischen Fördervereins Strohhutmanufaktur beschäftigte sich der Gemeinderat in den vergangenen Monaten mehr als einmal damit, eine Lösung zur Unterbringung der Werkzeuge und Maschinen, aber auch zur Darstellung der für Schonach ehemals wichtigen Strohflechterei zu finden.

Viele Gespräche geführt

In vielen Gesprächen zwischen Gemeindeverwaltung und dem Förderverein kam man überein, dass das Kulturgut im Erdgeschoss des ebenfalls gemeindeeigenen Gebäudes Sperl untergebracht werden soll.

In weiteren Gesprächen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde wurde aber mittlerweile deutlich gemacht, dass das Denkmalamt einem Abriss des Fabrikgebäudes nur zustimmen kann, wenn auch für das Wohnhaus Sauter, das ebenfalls unter Denkmalschutz steht, ein entsprechende baurechtliches Gutachten vorliegt. Dies müsste nun vom zuständigen Gutachter Blum ergänzt werden.

In der jüngsten Ratssitzung stellte auch der Förderverein sein Konzept vor. Bürgermeister Jörg Frey erklärte einleitend, man habe nun eine interessante Variante gefunden, um das Thema auf einen guten Weg zu bringen. Er begrüßte Vere von Stemm, Ingrid Schyle sowie Silvia Hettich vom Förderverein und übergab ihnen das Wort.

Schyle erläuterte, dass man sich schon seit fünf Jahren engagiere, um das Erbe der Strohhutflechterei zu retten. Bereits 2019 habe man ein Konzept erarbeitet, jetzt aber herrsche eine ganz andere Ausgangssituation. Um dem gerecht zu werden, habe man ein neues Konzept entwickelt. Dieses stellte dann Silvia Hettich vor. Wie bereits angesprochen, sollen die Kulturgüter von der Strohhutfabrik Sauter beim Rathaus in das Anwesen Sperl neben dem Schwarzwaldgasthof Schwanen umziehen. Dort sollen im Erdgeschoss die Räume der ehemaligen Fabrik dargestellt werden: Lager, Kontor Packerei und als Herzstück die Nähstube im vorderen Bereich des Hauses. Man will den Charakter der Fabrik erhalten und hier einen Ort der Begegnung, einen lebendigen Dorfbestandteil schaffen.

Einzug wird vorbereitet

Zuerst soll das Gebäude Sperl für den Einzug hergerichtet, dann im Anwesen Sauter die Maschinen, Gerätschaften und Materialien aufbereitet werden, um anschließend in das Anwesen Sperl umzuziehen. Unter anderem sollen auch Holzböden und Holzvertäfelungen ausgebaut, aufbereitet und in der neuen Umgebung wieder eingebaut werden. Hettich listete dem Gemeinderat exakt auf, wer welche Arbeiten ausführen sollte und hatte auch ungefähre Kosten parat.

Bürgermeister Frey war sehr angetan von der Präsentation. Er zeigte sich dankbar, dass sich der Förderverein so sehr engagiere und war der Meinung, man sollte aus dem Umzug ein Gemeinschaftsprojekt machen. Für die Kosten, die die Gemeinde trägt, forderte er ein Budget und schlug hier 10 000 Euro vor.

Der Beschlussvorschlag der Verwaltung sah wie folgt aus: Die Räume im Gebäude Sperl sollen dem Förderverein zunächst für fünf Jahre mietfrei zur Verfügung gestellt werden. Die Nebenkosten für Heizung, Strom und Wasser sind vom Förderverein zu tragen. Die Versicherung des Kulturgutes übernimmt die Gemeinde, die Umbaumaßnahmen trägt der Förderverein, wird hier allerdings von der Gemeinde unterstützt. Beim Umzug der Gerätschaften soll der Bauhof behilflich sein.

Über den Zustand des Wohnhauses Sauter soll das Ingenieurbüro Blum ein baurechtliches Gutachten erstellen. Beide Gebäude, Wohnhaus und Fabrik, sollen dann abgerissen werden, hier soll eine Sozialraumimmobilie entstehen. Für den Abriss will die Gemeinde ELR-Fördermittel beantragen.

Der Umzug der Kulturgüter aus der ehemaligen Fabrik soll allerdings erst vonstatten gehen, wenn das Denkmalamt eine klare Aussage zum Abriss beider Gebäude gemacht hat. Damit die Gerätschaften dann im Wohnhaus Sperl untergebracht werden können, soll die Gemeindeverwaltung einen Bauantrag zur Nutzungsänderung des Hauses stellen.

Es soll sofort losgehen

Die OLG-Fraktion forderte allerdings, die Arbeiten sofort in Angriff zu nehmen und nicht erst, wenn eine klare Aussage zum Abriss der Gebäude Sauter vorliege. Auch Herbert Fehrenbach (CDU) setzte sich dafür ein.

Julika Reiner (FWV) wollte festgestellt haben, dass dies dann eine dauerhafte Lösung sei, "nicht, dass wir in fünf Jahren dann wieder diskutieren". Frey erklärte, dass der Förderverein mit der Lösung sehr zufrieden sei, man könne also davon ausgehen, dass die Lösung tatsächlich dauerhaft sei. Bernd Kaltenbach (CDU) wollte wissen, ob man das Budget in Höhe von 10 000 Euro über einen Nachtragshaushalt finanzieren werde. Das bejahte Frey.

Schließlich bewilligte der Gemeinderat den Beschlussvorschlag der Verwaltung, mit der Ausnahme, dass man die Maßnahme sofort in Angriff nehmen wolle.

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