Am Erker (links) kann man bereits erkennen, wie ansehnlich das Binsdorfer Kloster mit der barocken Farbgestaltung zum Tal hin bald aussehen wird. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

Die aufwändige Sanierung des ehemalige Dominikanerinnenklosters läuft seit Juni 2021. Allein der bis Jahresende dauernde erste Bauabschnitt wird voraussichtlich rund 4,3 Millionen Euro kosten.

Viele Binsdorfer wollen wissen: Wie geht es mit dem Kloster weiter? Diese und weitere Fragen hatte auch unsere Redaktion der Diözese Rottenburg-Stuttgart gestellt. Antworten gab es jetzt bei einem Vor-Ort-Termin.

 

Was wurde bereits alles instandgesetzt?

Der leitende Architekt Timo Raible zeigte bei einer Führung unter anderem, dass in allen Stockwerken das hölzerne Tragwerk erneuert worden ist. Dafür mussten aber zuerst die Natursteinböden in den Fluren und ehemaligen Wirtschaftsräumen abgeräumt werden. Auch sie sind inzwischen zu großen Teilen erneuert.

Architekt Timo Raible zeigt den mit Lehmwickeln abgedichteten Fußboden im Obergeschoss. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

An der Fassade arbeitete der Steinmetz. Derzeit wird an der Süd- und Ostseite der noch vorhandene, historische Putz restauriert und ergänzt. Optisch soll, wie bereits am Eck-Erker, die barocke Farbgestaltung des Putzes um Fenster und auf Höhe der Stockwerke wiederhergestellt werden. „Das Kloster ist der wichtigste Baustein der Stadt Binsdorf“, betonte Raible. Das soll man auch an der erneuerten Fassade erkennen.

Was kommt als Nächstes?

Der Klostergarten soll in seiner ursprünglichen Form neu gestaltet werden. Laut der Landschaftsarchitektin Isabel David läuft die Ausschreibung der erforderlichen Gewerke ab kommender Woche, ab Juni soll gearbeitet werden.

Außerdem geht es an Erneuerung und Austausch der Fenster: Das Kloster soll anstelle der Einbauten aus den 1960er-Jahren wieder die aus Sicht des Denkmalschutzes erforderlichen Fenster mit Kreuzstock und 20 Scheiben bekommen.

Wann kann die Kirchengemeinde das Kloster nutzen?

Das ist derzeit die zentrale Frage im Ort. Binsdorfs Pfarrer Pater Augusty bedauerte, dass es bislang kein Konzept für die Klosternutzung gibt: „Wir wollen das Gebäude mit Leben füllen.“ Man wolle nicht, dass es leer stehe.

Das ehemalige Provinzialat soll bis Ende 2025 für die Kirchengemeinde und Veranstaltungen nutzbar sein. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

Laut Architekt Raible soll der vierte Bauabschnitt den Innenausbau angehen, damit wieder ein Gemeindeleben stattfinden kann. Begonnen würde im „Provinzialat“; den kleinen Saal mit Nebenräumen hatte die Gemeinde jahrzehntelang als Jugendraum genutzt und er soll möglichst bald für Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Förderanträge dafür sollen bis Ende April gestellt werden, fertig sein soll alles bis Ende 2025.

Was wird aus dem „Markusheim“?

Im fünften Bauabschnitt soll die Fassade auch an der Nord- und Westseite restauriert werden. Daneben steht das große Anliegen der Gemeinde auf dem Plan: Der einstige Konventsaal, in Binsdorf „Markusheim“ genannt, soll restauriert und nutzbar gemacht werden. David unterstrich: „Der Saal ist Herzstück des Gebäudes. Ziel ist, einen Ort der Gemeinschaft zu entwickeln. Um das zu beginnen, muss dieser Saal fertig sein.

Laut Raible ist es zwar ungewiss, ob dieses Vorhaben auch wirklich angegangen werden kann. Andererseits habe die Diözese viele Projekte gestoppt, „aber in Binsdorf geht es weiter“.

Wer soll künftig außer der Kirchengemeinde das Kloster nutzen?

„Es geht bei der Erhaltung des Gebäudes nicht nur um Gemeinderäume, sondern auch um den Erhalt des kulturellen Erbes“, erklärte Timo Raible. In Binsdorf stehe eines der letzten erhaltenen Tertianerinnen-Klöster der Region, also eines Gebäudes, das von Mitgliedern eines kirchlichen Laienordens bewohnt wurde.

Für den Erhalt des Kulturdenkmals nationaler Bedeutung hat es unter anderem Geld aus dem Ausgleichsstock der Diözese und vom Bund gegeben. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

Für dessen Restaurierung hat es auch Fördergeld vom Bund gegeben, daher ist laut Isabel David eine öffentliche Nutzung definitiv vorgesehen. Wie genau diese aussehen wird, steht allerdings noch nicht fest. Und aus welchen Fördertöpfen es für die weiteren Bauabschnitten Geld gibt, muss sich laut Architekt Raible erst noch erweisen.