Die heutige Moschee Hagia Sophia in der Abenddämmerung. Foto: IMAGO/Peter Schickert

Vor drei Jahren wurde das Istanbuler Kulturdenkmal wieder in eine Moschee umgewandelt. Nun will die türkische Regierung den Status der Sehenswürdigkeit erneut ändern. Ab Januar kostet sie wieder Eintritt – jedoch nicht für alle.

Tausend Jahre lang war sie Kirche, 500 Jahre lang Moschee und fast 100 Jahre lang Museum: die Hagia Sophia in Istanbul. Drei Jahre war sie auf Geheiß des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nun wieder Moschee, doch im neuen Jahr soll sich ihr Status schon wieder ändern – allerdings nur für ausländische Besucher.

 

Als Erdogan 2020 die Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee bekannt gab, betonte er, dass das 1500 Jahre alte Gotteshaus für alle Besucher frei zugänglich sein werde. Bis dahin mussten alle – Türken wie Ausländer, Muslime wie Andersgläubige – umgerechnet 6,50 Euro zahlen, um das Kulturdenkmal im Zentrum der Altstadt mit seinen byzantinischen Fresken und der berühmten Kuppel von innen sehen zu können. Dann verkündete Erdogan: „Mit der Aufhebung des Museumsstatus schaffen wir den kostenpflichtigen Eintritt in die Hagia Sophia Moschee ab. Wie alle unsere Moscheen werden die Türen der Hagia Sophia künftig immer allen offen stehen.“

Besucheransturm auf Istanbuler Wahrzeichen

„Immer“ währte nicht sehr lange. Zu Jahresbeginn will die türkische Regierung die Besuchsregeln für die Hagia Sophia wieder ändern, wie Kulturminister Mehmet Nuri Ersoy jetzt ankündigte. Ab dem 15. Januar sollen Ausländer wieder zur Kasse gebeten werden. Für Türken, die in der Hagia Sophia beten wollen, bleibt der Besuch kostenlos.

Damit reagiert die türkische Regierung nach eigenen Angaben auf Warnungen der UN-Kulturschutzbehörde Unesco. Diese hatte sich mehrfach besorgt über Schutz und Erhalt der Hagia Sophia geäußert, seit sie zur Moschee umgewidmet wurde – denn da wurden etwa Träger an ihren historischen Mauern befestigt, um die byzantinischen Mosaike zu verschleiern. Einen Skandal gab es im vergangenen Jahr, als Unbekannte mit scharfem Werkzeug Holzstücke aus dem historischen Kaisertor der Kirche herausbrachen – möglicherweise um die Splitter zu verkaufen.

Die Besucherströme müssten besser kontrolliert werden, räumte Ersoy nun ein. „Um das neue Besuchermanagement hat uns die Unesco gebeten, weil die Besucherzahlen so hoch sind.“ Allein im vergangenen Jahr kamen mehrere Millionen Menschen in das Gotteshaus. Dieser Ansturm sei inakzeptabel, warnte der Historiker Ilber Ortayli schon vor Monaten. „Es ist einfach eine Tatsache, dass die Hagia Sophia kein Ort ist, wo jeder frei herumlaufen kann“, schrieb Ortayli in der Zeitung „Hürriyet“. Sorgen machten ihm vor allem die unterirdischen Wasserkanäle unter der Hagia Sophia; diese müssten ohnehin dringend restauriert werden. Wenn nun auch noch das Abwasser von rituellen Waschungen und Toilettengängen der Besuchermassen hineinfließe, könnten die historischen Kanäle das nicht verkraften. Auch die Belüftung des eineinhalb Jahrtausende alten Bauwerks werde mit dem Ansturm nicht fertig.

Als das byzantinische Bauwerk im Juli 2020 wieder zur Moschee umfunktioniert wurde, meldete die Uneso Bedenken an. Die türkische Regierung habe ihre Entscheidung zur Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee ohne Konsultationen mit der Kulturbehörde getroffen, kritisierte die Unesco. Die Istanbuler Altstadt könnte von der Liste des Unesco-Weltkulturerbes gestrichen werden, warnte die UN-Behörde – dann stünde die Türkei als ein Land da, das eines der wertvollsten Bauwerke der Menschheitsgeschichte verkommen ließ. Zunächst wies Ankara die Kritik als Einmischung in innere Angelegenheiten der Türkei zurück. Doch jetzt lenkte die Türkei ein und will die Besucherzahlen begrenzen, indem sie Eintritt verlangt.

Wer künftig Eintritt zahlen muss

Der neue Besucherplan unterscheidet zwischen türkischen Muslimen und ausländischen Besuchern in der Hagia Sophia. Während gläubige Türken das Gotteshaus weiterhin gratis durch den Haupteingang betreten und im Kirchenschiff unter der Kuppel beten dürfen, sollen ausländische Besucher künftig durch einen Hintereingang auf die Galerie geführt werden, wo die byzantinischen Mosaiken zu besichtigen sind und von wo aus sie ins Kirchenschiff hinunterblicken können; danach werden sie zum Ausgang hinuntergeführt und vorne ebenerdig aus dem Gelände entlassen.

Durch das neue Besuchersystem werde die Gebetsruhe für die Gläubigen gewährt, verspricht Ersoy. „Die Touristen stören unweigerlich die Andacht der Gläubigen“, sagte er in einem Interview mit dem Journalisten Cüneyt Özdemir. „Die Reiseführer sprechen mit lauter Stimme, das geht den Betenden auf die Nerven. Manche Touristen laufen auch herum, wo sie nicht sein sollen, und stören den Gottesdienst. Indem wir beide Gruppen voneinander trennen, stellen wir sicher, dass beide in Ruhe gelassen werden.“

Was Ausländer ab Mitte Januar für einen Besuch in der Hagia Sophia zahlen müssen, steht noch nicht fest. Der Eintrittspreis werde erst im neuen Jahr festgelegt, verlautete auf Anfrage unserer Zeitung aus dem Kulturministerium. Minister Ersoy deutet die Größenordnung aber bereits an: Im Vatikan müssten Besucher 14 Euro zahlen, sagte er. Billiger dürfte es auch bei der Hagia Sophia nicht werden. Der Eintritt in ein neues Hagia-Sophia-Museum ein paar Hundert Meter von dem Gotteshaus entfernt kostet für Ausländer 25 Euro; Türken zahlen fünf Euro.

Dass die Hagia Sophia nun wieder Eintritt koste, bedeute aber nicht, dass sie wieder Museum sei, unterstrich Ersoy: „Mit dem Dekret unseres Präsidenten ist die Hagia Sophia wieder zur Moschee geworden, und das wird sie auch bleiben. Da soll sich niemand etwas anderes einbilden.“

Die Hagia Sophia – ein Wahrzeichen Istanbuls

Historie
Die Hagia Sophia wurde unter dem byzantinischen Kaiser Justinian im Jahr 532 als Kirche erbaut; der osmanische Sultan Mehmet II. wandelte sie im Jahr 1453 in eine Moschee um. Nach Gründung der Türkischen Republik erklärte Staatsgründer Atatürk sie im Jahr 1934 zum Museum.

Umwandlung
Als das byzantinische Bauwerk im Juli 2020 wieder zur Moschee umfunktioniert wurde, ging es aus der Obhut des Kulturministeriums in die Verantwortung des staatlichen Religionsamtes der Türkei; der Wissenschaftliche Beirat, in dem Kunst- und Architekturhistoriker über den Erhalt der Kirche wachten, wurde aufgelöst.