Stadtrat Karl-Eugen Schroth kümmert sich seit Jahren um das Wohlergehen der Pflänzchen in Bad Teinach-Zavelstein. Seiner Einschätzung nach war die Blüte nicht so ergiebig wie 2023. Woran das liegen könnte, ist schwer zu erklären. Der Trend ist dennoch positiv – und das hat einen bestimmten Grund.
Die Krokusse gehören zu Bad Teinach-Zavelstein wie der Eiffelturm zu Paris. Und deshalb werden die violetten Pflänzchen auch mit großer Sorgfalt gepflegt. Federführend übernimmt das Stadtrat und Forstwissenschaftler Karl-Eugen Schroth. Mit seinen Mitstreitern investiert er jedes Jahr aufs Neue viel Zeit und Leidenschaft, um sich um das Zavelsteiner Alleinstellungsmerkmal zu kümmern. Seit 2010 verfolgt der Krokus-Experte auch die jährliche Dichte, indem er die Exemplare mit einer bestimmten Methode zählt und auf die gesamte Fläche hochrechnet.
2023 gab’s einen Rekord
Auch wenn die Auswertung für dieses Jahr noch nicht abgeschlossen ist, hat Schroth eine Einschätzung parat, ob in diesem Jahr mehr oder weniger Pflänzchen aus dem Boden sprießten. Außergewöhnlich sei der frühe Beginn der Blüte gewesen, denn schon in der zweiten Februarwoche seien die ersten Krokusse aufgetaucht. Im März gab’s dann bekanntermaßen kurzzeitig noch einmal frostige Temperaturen – was dafür sorgte, dass „die ersten schon umgekippt sind, bis die letzten gekommen sind“. Anfang bis Mitte März war laut Schroth der Höhepunkt der Blüte – und um den 20. März hätte es die letzten Exemplare gegeben. Wie viele Pflänzchen sind insgesamt zusammengekommen? Im vergangenen Jahr überraschte Schroth nach der Zählung mit einem Rekord von 1,9 Millionen Exemplaren. Dieses Mal waren es „wahrscheinlich nicht so viele“, schätzt Schroth, aber es war „trotzdem eine schöne Blüte“. Die Eine-Million-Marke sei aber so oder so weit übersprungen worden, da ist der Krokus-Experte sicher.
Hat der Klimawandel einen Einfluss?
Doch woran liegt es, dass die Anzahl der Krokusse vermutlich nicht an die von 2023 rankommt? Das kann auch Schroth nicht eindeutig erklären. Schuld seien die normalen „Zyklen in der Natur“ – und so gebe es in einem Jahr eben weniger, im anderen umso mehr Krokusse. Hat möglicherweise der Klimawandel einen Einfluss auf die Verbreitung? Diesen Gedanken verwirft Schroth schnell und erklärt, dass wärmere Temperaturen dem Krokus nichts ausmachen, da er aus der Toscana stammt. Zwiebelpflanzen – wozu der Krokus gehört – seien generell robuster.
Schnee beeinflusst das Wachstum
Doch eine Beobachtung, die mit steigenden Temperaturen zusammenhängt, hat Schroth trotzdem gemacht. Wenn es wie in vergangenen Jahren teils bis Anfang März noch Schnee gab, seien die Blüten für längere Zeit noch im Schnee festgesteckt. Und das hätte dann dazu geführt, dass alle mehr oder weniger auf einmal ans Tageslicht gekommen wären – die Blüte sei also „kurz und heftig“ gewesen. Gibt es keinen oder nur wenig Schnee bis in den März, wie in diesem Jahr, sind die Pflanzen stetig unterschiedlich am Wachsen.
Verdopplung der Blüten seit 2010
Das lila Blütenmeer entwickle sich mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre aber prächtig – auch wenn es bei manch einer Blüte Ausreißer nach unten gebe. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 gab es etwa 850 000 Blüten. Für Schroth bedeutet das, dass sein Projekt zur Erhaltung und Förderung des Krokus im Naturschutzgebiet erfolgreich ist. Doch damit die Pflanzen auch ausreichend geschützt werden können, sind noch mehr Mitstreiter im Boot.
Vertrag zwischen Landwirten und der Stadt
Im Projekt verankert ist nämlich eine besonderes Bewirtschaftungskonzept von Flächen, auf denen sich die Krokusse besonders wohlfühlen. Auf den Wiesen passiert bis Mitte Juni gar nichts – erst dann wird Heu gemacht. So können sich die Krokusse entwickeln, bis sie vom Gras beschattet werden. Die Pflanzen ziehen sich dann ein und erst wenn die Samen ausgefallen sind, wird gemäht. Die Samen bleiben dann auf der Fläche. Für dieses Konzept, das den Krokussen bewiesenermaßen gut tut, gibt es Verträge zwischen den Landwirten und der Stadt. Denn natürlich entstehen für die Landwirte Ertragseinbußen, die die Stadt jährlich mit 9000 Euro begleicht.