Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Kreis Freudenstadt Was taugen Corona-Schnelltests?

Von
Nur der klassische PCR-Coronatest über das Labor liefert nahezu 100-prozentige Sicherheit beim Ergebnis. (Symbolfoto) Foto: dpa

Kreis Freudenstadt - Die Betriebe im Kreis Freudenstadt decken sich mit Tausenden von Corona- Schnelltests ein. Nutzen sie als weitere Brandmauer? "Grundsätzlich ja", sagt der Arzt und Abstrichexperte Wolfgang von Meißner. "Aber nur, wenn sie richtig gemacht werden." Mehr in unserem (SB+) Artikel.

Das Prinzip des Schnelltests klingt wie eine Verheißung: direkt vor Ort anwenden, und nach 15 Minuten liegt das Ergebnis vor. Allerdings kann die vermeintliche Sicherheit trügerisch sein. "Diese Erfahrung hat ja das Weiße Haus in den USA gemacht", sagt von Meißner von der Praxisgemeinschaft "Ärzte am Spritzenhaus" in Baiersbronn. Dort werden seit Beginn der Pandemie im Kreis im März Abstriche genommen. Das Ergebnis in Amerika ist bekannt: Selbst Präsident Donald Trump landete mit Covid-19 im Krankenhaus. Was ist da schief gegangen?

Der "Trump-Effekt"

Grundsätzlich begrüßt der Arzt den Schnelltest. Je mehr getestet werde, desto besser. Allerdings könne man schon bei der Anwendung Fehler machen. Dem wolle die Kreisärzteschaft begegnen und zuständiges Personal in Unternehmen, etwa Ersthelfer, im Umgang mit den Tests schulen.

Sprunghafter Anstieg der Corona-Infektionen im Kreis Freudenstadt

Das zweite Problem: Der Antigentest, wie der Schnelltest offiziell heißt, sei weniger empfindlich als der klassische Abstrich beim Arzt, der PCR-Test. Der Schnelltest reagiere auf bestimmte Moleküle. Beim PCR- oder RNA-Test werde hingegen im Labor aufwendig nach Spuren des Virus-Erbguts gesucht. Von Meißner vergleicht den Schnelltest von seiner Zuverlässigkeit her deshalb mit einem Schwangerschaftstest aus der Drogerie. Der Corona-Schnelltest bringe eine Gewissheit von "bis zu 90 Prozent". Der PCR-Test liefere "zu 99 Prozent" korrekte Ergebnisse und bleibe deshalb "der Gold-Standard" im Kampf gegen Corona.

Als zusätzliches Mittel und Ergänzung seien Schnelltests dennoch hilfreich. Wer sich Covid-19 eingefangen hat, sei bereits nach drei bis fünf Tagen ansteckend für andere, entwickle aber erst zwischen dem fünften bis siebten Tag nach der Ansteckung Anzeichen für die Krankheit. Manche Infizierte seien auch "asymptomatisch", merkten also gar nicht, dass sie sich angesteckt hätten. Hier könnten Schnelltests dazu beitragen. mehr Infekte aufzudecken.

Fehler bei Anwendung

Wichtig sei neben der korrekten Anwendung auch der richtige Zeitpunkt für den Test, etwa in Abteilungen in Firmen oder Schulklassen, in denen ein nachgewiesener Fall aufgetreten sei. Erst nach einigen Tagen sei die "Viruslast" so groß, dass der Antigentest anschlage. So könne es sinnvoll sein, im Infektfall eine Abteilung erst mal in Quarantäne zu schicken und den Flächentest später zu machen. Als Kontakt ersten Grades gelte beispielsweise jemand, der 15 Minuten lang mit einem Infizierten im selben Raum gewesen sei.

Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter fühlt sich krank und geht am Montag zum Corona-Abstrich beim Arzt. Am Dienstag hat er das Ergebnis "positiv" und teilt das im Betrieb mit. Theoretisch war er somit schon am Mittwoch der Vorwoche ansteckend. "Der ideale Testtag für alle, die mit dem Infizierten in direktem Kontakt waren, wäre damit wieder der Mittwoch", so von Meißner. Den Test früher zu machen, könne einen Betrieb in falscher Sicherheit wiegen. Insofern wäre das Schnelltestverfahren, bei Ankunft des Gastes vor Ort angewendet, keine Lösung für Gastronomie oder Hotellerie gewesen. Auch seien Schnelltests derzeit "nicht valide", also rechtlich nicht belastbar, kein ärztliches Attest.

Preise ab acht Euro

Erhältlich seien Schnelltests von vielen Anbietern und in unterschiedlichen Preisklassen. Zwischen acht und 20 Euro kosten sie pro Stück. Von Meißner empfiehlt, nicht nur nach dem Preis zu entscheiden. Darüber hinaus rät der Arzt dazu, die erweiterte AHA-Regel zu beherzigen, die AHA-L: Atemmaske, Hygiene, Abstand und Lüften.

Derweil gibt es in der Region Fortschritte auch beim klassischen Abstrich. In vielen Praxen im Kreis könnten sie mittlerweile genommen werden. Bei dringenden Fällen sei das Laborergebnis am nächsten Tag da, sonst spätestens nach zwei Tagen. Mittlerweile sei ein Labor in Baden-Baden so aufgerüstet worden, dass die Erbgut-Auswertung demnächst dort vorgenommen werden können und die Proben nicht mehr in Labore in verschiedene Bundesländer verschickt werden müssten. Von den erweiterten Kapazitäten und den kürzeren Wegen profitieren auch Patienten im Kreis Freudenstadt, sagt von Meißner. Möglich sei, dass ab Mitte bis Ende November Testergebnisse bereits am Tag des Abstrichs vorlägen.

Abstrichzahlen steigen

Derweil machen die steigenden Corona-Infektzahlen den Ärzten in Behörden im Kreis Sorge. "Wir machen täglich mehr Abstriche, aktuell alleine bei uns mehr als 500 pro Woche", so von Meißner. Die Corona-Schwerpunktpraxen streichen ebenfalls ab, dazu viele weitere Hausarztpraxen. "Wir sehen aktuell Fälle in Schulen Kindergärten, Sportvereinen, Kirchen, Firmen und Arztpraxen." Kontakte müssten seiner Ansichts nacht wieder auf "das absolut notwendige Minimum" beschränkt werden. Aus Sicht der Ärzteschaft im Kreis müssten beispielsweise auch Lehrer und Schüler Masken im Unterricht tragen. "Auch an Grundschulen", so von Meißner.

Derweil warnt der Arzt vor der Einschätzung, das Corona-Virus wie einen normalen Grippe-Erreger zu betrachten. "Corona ist anders, wir lernen ständig dazu", so von Meißner. Es gebe teils langfristige Folgen. Er kenne Patienten, auch jüngere, die zwar wieder virusfrei seien, aber selbst ein halbes Jahr nach Ansteckung noch "außer Atem kommen, wenn sie nur zwei Stockwerke hoch die Treppen gehen müssen".

Artikel bewerten
1
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Kommentarregeln

Um Premium-Artikel lesen und Artikel kommentieren zu können, ist eine Registrierung erforderlich. Sie müssen dabei Ihren richtigen Namen (Vor- und Nachname), Ihre Adresse und eine gültige E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht) angeben.

Mehr Informationen erhalten Sie unter diesem Link.

Ihr Passwort können Sie frei wählen. Der Benutzername ist Ihre E-Mail-Adresse.

Bei Abgabe Ihrer Kommentare wird Ihr Name angezeigt.

  1. Passwort vergessen?
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!
  1. Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

loading