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Kreis Freudenstadt Fieberambulanz geschlossen: Landrat giftet gegen Kassenärztliche Vereinigung

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Nur kontrollierter Zugang möglich. Einfahrt zur zentralen Fieberambulanz in Dornstetten. Innerhalb von vier Monaten wurden hier laut Ärzteschaft mehr als 2000 Patienten untersucht. Wer trägt die Kosten dafür? (Archivfoto) Foto: Reimer

Kreis Freudenstadt - Die zentrale Fieberambulanz im Kreis, die zur Bewältigung der Corona-Krise eingerichtet wurde, hat den Betrieb eingestellt. Was bleibt, ist eine offene Rechnung und ein dicker Hals auf den Betreiber der Fieberambulanz - die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Mehr dazu lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Die Infektambulanz in der Riedsteighalle Dornstetten war wichtiger Eckstein, um die Pandemie im Kreis einzudämmen. "Dafür gehören viele Leute gelobt. Aber die Kassenärztliche Vereinigung gehört ausdrücklich nicht dazu", giftete Landrat Klaus Michael Rückert in der Sitzung des Verwaltungs- und Sozialausschusses am Montag. Er bezog sich auf eine Pressemitteilung, in der die KVBW die vorläufige Einstellung des Betriebs der zentralen Anlaufstelle für Infektpatienten vermeldete. Darin erweckte die KVBW den Eindruck, die Ambulanz zum Schutz der Notaufnahmen in Kliniken und Praxen der niedergelassenen Ärzte sei auf ihr Betreiben hin eingerichtet worden. "Das hat mich sehr geärgert", so der Landrat.

Landkreis kündigt dicke Rechnung für KVBW an

Ohne das Engagement der niedergelassenen Ärzteschaft und deren Personal, der Finanzierung durch den Landkreis, die Stadt Dornstetten, ehrenamtlichen Helfern wie dem Technischen Hilfswerk und anderen wäre es laut Rückert nicht möglich gewesen, die zentrale Anlaufstelle aufzubauen und zu betreiben. "Am Sonntag um 12 Uhr wurde der Dienst dort beendet, um 14 Uhr war die Halle geräumt, geputzt und von einer Reinigungsfirma desinfiziert", so Rückert. Alleine der Landkreis sei mit 150.000 Euro für Sachkosten in Vorleistung gegangen. Die KVBW habe bislang "nur einen Bruchteil" der Kosten getragen, etwa ein Kartenlesegerät bereit gestellt, zum Start der Ambulanz sei von ihr aber "gar nix da gewesen".

Rückert kündigte an, dass das Landratsamt der Vereinigung, die nach eigenen Angaben verantwortlich für die Organisation der ambulanten medizinischen Versorgung im Land ist, noch eine Rechnung schreibt. "Wir sind und waren sehr, sehr dankbar, dass wir die Ambulanz hatten", so der Landrat. Aus Gesprächen mit Amtskollegen wisse er, dass die Krisenreaktion der Ärzteschaft in anderen Landkreisen nicht so schnell und unkompliziert abgelaufen sei. Vielfach sei es andernorts überhaupt nicht gelungen, Ärzte vor Ort zu mobilisieren und etwas Vergleichbares auf die Beine zu stellen. "Im ländlicheren Raum kennt man sich vielleicht noch persönlich und packt im Notfall einfach zusammen an", so der Landrat.

Hausarztpraxen wieder erster Ansprechpartner für Patienten

Am Dienstag veröffentlichte die Ärzteschaft im Kreis eine Presseerklärung zur Schließung Ambulanz und zog darin ein positives Fazit. "Erfreulicherweise liegt seit Wochen die Zahl der Neuerkrankungen an Coronavirus-Infektionen bei Null, im gesamten Landkreis gibt es momentan keinen positiv getesteten Patienten." Vor diesem Hintergrund hätten die niedergelassenen Ärzte gemeinsam mit dem Landrat beschlossen, die Ambulanz nach vier Monaten zu schließen, in denen mehr als 2000 Patienten mit Grippe- und Infektbeschwerden unter besonderen Schutzvorkehrungen untersucht und behandelt worden seien. "Dieser erfreuliche Verlauf war möglich durch eine hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten." Genannt werden von den Ärzten der Landrat und das Gesundheitsamt des Kreises, der Dornstetter Bürgermeister Bernhard Haas mit seinen Mitarbeitern, das THW, die Reinigungsfirma Armbruster, das Rote Kreuz und die "vielen weiteren Helfer und Spender" im Hintergrund. Die KVBW wird in der Mitteilung nicht erwähnt.

37 niedergelassene Ärzte seien bereit gewesen, im Schichtbetrieb sieben Tage die Woche den Betrieb am Laufen zu halten. Das Material sei eingelagert, sodass die Halle bei erneut ansteigender Fallzahl Corona-Erkrankter schnell wiederaufgebaut werden kann. Erster Ansprechpartner für Patienten mit Infekten seien nun zunächst wieder die Hausarztpraxen.

"Wir weisen an dieser Stelle noch einmal darauf hin, dass bei Fieber und Infektzeichen wie Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen, Durchfälle, Geschmacksveränderungen oder -verlust, die Patienten nicht direkt in die Praxis gehen, sondern zunächst telefonisch Kontakt mit dem Hausarzt aufnehmen sollen", schreiben die niedergelassenen Ärzte. Die Abstrichstelle in Baiersbronn bleibe bestehen, dort könnten weiterhin diagnostische Abstriche bei Patienten mit leichten Infekten oder bei Personen mit "asymptomatischen" Verlauf mit konkretem Verdacht auf eine Corona-Infektion nach Anmeldung durch den Hausarzt erfolgen. Bei Vorliegen einer schwereren Erkrankung würden die Patienten zur Diagnostik und Behandlung stationär eingewiesen.

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