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Kreis Calw Junge Generation denkt über Europa nach

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Schüler der Kaufmännischen Schule Nagold präsentierten ihre Vorstellungen von und Erwartungen an Europa in Sprechblasen-Form. Foto: Fritsch

Kreis Calw - Eine Umfrage des SWR hat gezeigt: Das Interesse an Europa und an der Europawahl ist in Baden-Württemberg gestiegen. Dass dies auch für die jüngere Generation gilt, die sich tiefgründige Gedanken über Europa macht und Vorstellungen über die Zukunft des Kontinents hat, zeigte eine vom Landkreis organisierte Veranstaltung in Nagold.

Im hippen, europablauen Kapuzenpulli steht Landrat Helmut Riegger lässig am Rednerpult auf der Bühne im Nagolder Teufelwerk. "Keine Angst. Ich bin jetzt nicht zum Berufsjugendlichen geworden", beruhigt er sein Publikum, das an diesem Abend etwa zur Hälfte aus Politprominenz oder Landkreisvertretern und Berufsschülern besteht. "Ich bin ein überzeugter Europäer und ich bin davon überzeugt, dass uns nichts Besseres als die Europäische Union hätte passieren können. Und genau diese Haltung wollen wir heute Abend dokumentieren und nach draußen tragen."

Riegger spricht von der EU als Grundlage für Jahrzehnte des Friedens auf dem Kontinent, von der Abschaffung der Grenzkontrollen, dass Europa vieles – aber nicht alles – leichter gemacht habe und dass auch eine Kommunalverwaltung wie seine fit für Europa sein müsse. Nicht zuletzt, um Zuschüsse aus Europa in den Kreis zu lotsen, die wiederum Millionen an Investitionen in der Region freisetzen. Und er richtet folgerichtig einen leidenschaftlichen Appell an alle Gäste, am Sonntag wählen zu gehen.

#deinestimmezählt

Doch Riegger weiß natürlich, dass Werbung für Europa und die Europawahl nicht allein aus einer Rede des Kreischefs bestehen kann. Deswegen haben er und das Organisationsteam um Janina Müssle, Europabeauftragte des Landkreises, an diesem Abend ganz unterschiedliche Personen unter dem Motto "#deinestimmezählt" ins Nagolder Teufelwerk eingeladen, die ganz unterschiedliche Blicke auf den Kontinent und seinen Zusammenschluss haben: Guido Wolf, den Europaminister des Landes Baden-Württemberg, auf der einen Seite und Schüler von drei Berufsschulen im Kreis – der Annemarie-Lindner-Schule und der Kaufmännischen Schule in Nagold und der Hermann-Gundert-Schule in Calw – auf der anderen Seite.

Und die Schüler beweisen, dass bei ihnen die Politik- und Europaverdrossenheit absolute Fremdwörter sind. Das zeigt etwa ein mit praktisch nicht existierendem Budget entstandenes Filmprojekt aus der Annemarie-Lindner-Schule mit dem "EU-Hero" als zentraler Figur.

Oder die mit erst jüngst vom Landkreis für die Schule angeschafften Tablets entstandene Präsentation von Schülern der Hermann-Gundert-Schule Calw. Die beschäftigt sich freilich nicht nur mit den guten Seiten Europas – Freiheit, Frieden, Demokratie – sondern zeigt auch die Besorgnis der Schüler über negative Entwicklungen in Europa. Angefangen vom Brexit über die wenig strukturierten Ziele beim Klimaschutz bis hin zu einem an diesem Abend unter den Schülern immer wieder auftauchenden Thema: der Reform des Urheberrechts.

Zusammenhalt und Flüchtlingspolitik sind ebenfalls Thema

Und nach Abwägung von Lob und Kritik formulieren die Schüler klare Wünsche an Europa: eine bessere Zusammenarbeit der Staaten, eine einheitliche Flüchtlingspolitik, mehr Investitionen in Bildung und Forschung, eine größere Nähe zur Bevölkerung und die (Europa-) Politik auch für die Jugend interessanter zu machen.

In eine ähnliche Richtung zielt der Beitrag von Schülern der Kaufmännischen Schule Nagold ab. Sie hatten ihre Wünsche und Erwartungen an Europa in Sprechblasenform gebracht und diese auf der Bühne klar formuliert. So macht eine Schülerin deutlich: "Europa bedeutet für mich Frieden", während eine andere klarmacht, dass die jüngere Generation von heute in Zukunft die wichtigen in Europa treffen werde. Aber auch Themen wie der Klimaschutz und die Flüchtlingskontingente in den einzelnen Staaten der EU schneiden die Schüler an. Und sie richten ganz konkrete Fragen an den Europaminister Guido Wolf – ob nun zum Thema EU-Beitritt der Türkei, den "Vereinten Staaten von Europa" oder zum Wahlrecht für junge Menschen unter 18 Jahren.

Guido Wolf zeigt sich von der an diesem Abend formulierten Vielfalt der Visionen und Ideen der jüngeren Generation beeindruckt. Aber auch von der Idee, Jugendliche in so eine Veranstaltung einzubeziehen, mit denen zu reden, "um deren Zukunft in Europa" es bei der Wahl am Sonntag gehe.

Wolf betont, dass Deutschland nicht nur für Europa zahle, sondern auch sehr von Europa zurückbekomme, etwa über Förderprogramme wie "Erasmus plus" oder "Horizon 2020". In der jüngsten Förderperiode seien so 5,1 Milliarden Euro ins Land geflossen.

Wolf gibt aber auch freimütig zu, dass in Europa noch nicht alles perfekt sei: "Wir müssen besser begreifbar werden und mit einer Stimme sprechen", mahnt er. In der Vergangenheit habe man im Zusammenhang mit Europa zu viel über Wirtschaft und zu wenig über Werte wie die Pressefreiheit diskutiert, die für Europa stünden. Zudem müsse sich Europa auf einer Augenhöhe mit den USA, Russland und China präsentieren, so Wolf weiter, der den Stimmberechtigten im Teufelwerk eines mit auf den Weg mitgibt: die Bitte, dass alle am Sonntag "vom Stimmrecht auch Gebrauch machen".

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