Bienen sind von Natur aus anfällig für Krankheiten. Foto: /Silas Stein

Im Schwarzwald ist die Bienenseuche Amerikanische Faulbrut ausgebrochen. Doch auch die Varroamilbe und andere Krankheiten machen den Tierchen zu schaffen. Was können Imker für die Gesundheit ihrer Bienenvölker tun?

Wie alle Tiere sind auch Bienen von Krankheiten bedroht. Die Insekten haben aber Strategien entwickelt, sich dagegen zu wehren. Die moderne Imkerei hilft ihnen dabei, zu überleben. Sie schafft aber auch neue Probleme.

 

Welche Krankheiten bedrohen Bienen?

Viren, Bakterien, Pilze, Milben und andere Schädlinge: die Liste der möglichen Erreger von Bienenkrankheiten ist lang. Nach Angaben der baden-württembergischen Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim sind zwei Bienenkrankheiten von besonderer Bedeutung: die Varroose, die von der Varroamilbe verursacht wird, und die Amerikanische Faulbrut, eine bakterielle Erkrankung der Bienenbrut.

Weitere Krankheiten sind etwa die von Viren verursachte Sackbrut oder die Nosematose, für die der Einzeller Nosema apis verantwortlich ist. Manche Krankheiten werden vor allem durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren wie ungünstige Standort- und Klimabedingungen oder problematische Maßnahmen des Imkers begünstigt. Dazu zählt beispielsweise die Kalkbrut, die von einem Pilz hervorgerufen wird. Sie erlischt häufig von selbst wieder.

Sind Bienen besonders gefährdet?

Von Natur aus sind Bienen eher als andere Insekten anfällig gegenüber Krankheitserregern. Schließlich sind in den Völkern unzählige Bienen auf engem Raum zusammengepfercht, zudem herrscht im Stock ein für viele Erreger günstiges warmes Mikroklima mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Auch die unterschiedlichen Vorräte – Wachs, Honig, Pollen – machen Bienenstöcke für Parasiten wie etwa Wachsmotten attraktiv. Allerdings haben die Völker Abwehrstrategien gegen die Erreger entwickelt. So haben die Tiere Schutzvorrichtungen, die das Eindringen etwa von Pilzsporen in den Darm hemmen oder ganz verhindern. Zudem gibt es immunaktive Substanzen in der Körperflüssigkeit der Bienen. Auch als Volk sind die Tierchen aktiv, etwa indem sie sich gegenseitig putzen oder gegenüber erkrankter Brut besondere Hygienemaßnahmen ergreifen.

Welchen Einfluss hat die Imkerei?

Über Jahrmillionen hinweg hat die Honigbiene die Bedrohung durch Krankheitserreger gemeistert. Die Imkerei führt nun aber zu neuen Problemen, etwa durch den weltweiten Handel mit Bienen. Damit werden ursprünglich regional begrenzte Krankheiten verbreitet.

Hinzu kommt, dass an attraktiven Standorten wie etwa Feldern mit blühenden Pflanzen oder Baumplantagen viele Bienenvölker stationiert werden. Auch werden Völker an Plätzen aufgestellt, die wenig oder nicht geeignet sind. Das verursacht bei den Insekten Stress, was wiederum die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten erhöht. Und schließlich führt die Bekämpfung von Krankheiten dazu, dass die Selektion von Bienen verhindert wird, die eine natürliche Abwehr dagegen entwickeln.

Wie bedrohlich ist die Varroamilbe?

Sie ist nach wie vor die größte Bedrohung unserer Honigbienen. Inzwischen gelten alle Völker in Deutschland als von der Milbe befallen. Diese saugt die Körperflüssigkeit von Larven, Puppen und erwachsenen Bienen. In der Regel gehen unbehandelte Völker an der sogenannten Varroose ein.

Ein großes Problem: zusätzlich zu der direkten Schädigung durch die Milbe werden befallene Völker anfälliger gegenüber anderen Krankheitserregern. Wenn sie dann zusammenbrechen, werden sie von anderen Bienenvölkern ausgeraubt, wodurch die Milben in der Umgebung verteilt werden.

Interessant ist, dass die Milbe die mit unserer Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) verwandte Östliche Honigbiene (Apis cerana) deutlich weniger schädigt, weil sich diese über einen viel längeren Zeitraum an die Milbe anpassen konnte. So können zum Beispiel stark befallene Drohnenlarven nicht mehr aus ihrer Zelle herausschlüpfen, was die Vermehrung und Verteilung der Milbe im Stock hemmt.

Was ist die Faulbrut?

Die auch Bienenpest genannte Krankheit erfasst nur die Brut – erwachsene Bienen oder gar Menschen sind nicht gefährdet. Die Larve wird nach ihrem Tod zu einer schleimig-bräunlichen Masse zersetzt, woraus später ein dunkler fester Schorf entsteht.

Weil die Amerikanische Faulbrut äußerst ansteckend ist, muss die Bekämpfung amtstierärztlich angeordnet und koordiniert werden. Da die betroffenen Völker getötet werden, ist die Situation aber unter Kontrolle. Es gibt auch die ebenfalls von Bakterien verursachte Europäische Faulbrut. Diese ist aber weitaus weniger gefährlich und daher nicht anzeigepflichtig. Außerdem ist hier eine Selbstheilung möglich.

Was können Imker tun?

Neben krankheitsspezifischen Behandlungen etwa zur Bekämpfung der Varroose oder dem Abtöten ganzer Völker bei der Amerikanischen Faulbrut sind vorbeugende Maßnahmen in der Imkerei von besonderer Bedeutung. So ist es vor allem wichtig, einen bienengerechten Standort mit passendem Mikroklima auszuwählen. Und den Standort zu wechseln, wenn sich das Volk schlecht entwickelt.

Natürlich sollte auch die sogenannte Tracht, also das Futterangebot an Nektar, Pollen und Honigtau, ausreichend sein. Wichtig ist zudem, dass die Bienen gut mit Wasser versorgt sind, vor allem im Frühjahr, wenn die Larven vor Austrocknung geschützt werden müssen, außerdem während heißer Perioden, in denen der gesamte Stock zu kühlen ist.

Zudem sollte man Völker nicht zu eng nebeneinander aufstellen. Und die Bienen beobachten, ob sie ein auffälliges Verhalten zeigen, Kotspritzer zu sehen sind oder sich das Volk nur schwach entwickelt.

Bienenseuche im Schwarzwald

Befall
Im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde in einem Bienenstand bei Bräunlingen in der Nähe von Donaueschingen die Amerikanische Faulbrut entdeckt. Bienenvölker, die von der Seuche befallen sind, müssen nun abgetötet werden.

Abwehrmaßnahmen
Um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern, wurde ein größerer Sperrbezirk errichtet, von dem 23 Imker betroffen sind. In diesem Gebiet müssen nun alle Bienenstände amtstierärztlich auf die Faulbrut hin untersucht werden. Auch gibt es Einschränkungen: So dürfen beispielsweise keine Bienenvölker mehr umgesetzt oder in den Sperrbezirk gebracht werden.

Dauer
Laut der Verfügung des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis müssen die Völker nach frühestens zwei und spätestens neun Monaten erneut auf die Seuche hin untersucht werden. Erst wenn bei diesen Nachuntersuchungen keine Anzeichen von Faulbrut mehr festzustellen sind, werden die Sperrmaßnahmen aufgehoben. Zz