Bernd Lafrenz übernimmt in „Romeo und Julia“ von William Shakespeare alle Rollen und spielt sie mit knitzem Humor. Foto: Karina Eyrich

„Romeo und Julia“, eines der bekanntesten Stücke der Theatergeschichte, als Ein-Mann-Stück aufzuführen, verlangt großes schauspielerisches Können. Bernd Lafrenz hat es im Kräuterkasten bewiesen und dabei vor Spielfreude nur so gesprüht.

„‘Romeo und Julia‘“ im Kräuterkasten. Mit Bernd Lafrenz“ steht da. „Romeo und Julia”?, das ist doch von Shakespeare. Ach ja, da steht „mit” Bernd Lafrenz, nicht „von” Bernd Lafrenz. Welche Rolle spielt er denn, den Romeo? Nun er spielt alle, die in dem Drama eine wichtige Rolle spielen, neben Romeo dessen Freunde Mercutio und Benvolio, seinen Diener Balthasar, die verfeindeten Grafen, Tybalt, Pater Lorenzo.

 

Die Kopfbedeckung reicht um Rollen zu wechseln

Und wer spielt die Frauen? Natürlich auch Bernd Lafrenz, die Julia, ihre Mutter Gräfin Capulet, ihr resolute Amme. Das ist ja kompliziert, da muss er dauernd die Kleidung wechseln. Oh nein, eine Mütze reicht, eine Krone macht ihn zum Prinzen, ein Tuch reicht für Julia. Nur Pater Lorenzo braucht etwas länger für seine Soutane. Aber er singt dazu ja auch ganz langsam und salbungsvoll, und das Publikum im Kräuterkasten wird zur andächtigen Gemeinde, wenn er Romeo und Julia traut.

Mit Mendelssohns Hochzeitsmarsch greift Lafrenz allerdings der Zeit etwas voraus. Aber das macht er auch mit der Sprache. Heute ist es für viele schwierig, die Ausdrucksweise Shakespeares zu verstehen. Also verwendet Lafrenz meistens zeitgenössischen Wortschatz.

In Ebingen sprechen Shakespeares Figuren neuerdings hochmodern

Wenn sich zu Beginn die verfeindeten Anhänger der beiden Familien Montague und Capulet beschimpfen, schreit einer „du Dreckssack“, das kapiert heute jeder. Der Prinz schlichtet den Streit mit klaren Worten. Die Freunde geben Romeo gute Ratschläge, wie sie es heute tun würden, und wenn Julia und ihre Mutter streiten, klingt das völlig bekannt. Julia hört sich wie ein normales junges Mädchen an.

Nur Romeo macht Ausnahmen, dann wenn es für ihn wichtig ist. Als er Julia auf dem Maskenball trifft, wird seine Sprache richtig poetisch. Und wie wird die Handlung umgesetzt? Lafrenz wechselt blitzschnell, greift auch zu einem Notbehelf, etwa beim Duell, als Mercutio stirbt. Da durchbohrt die Klinge einfach ein Eisengitter. Auch Blut tropft nur imaginär, aber höchst anschaulich von seiner Hand.

Der Mime beschränkt sich auf das Wesentliche

Die Handlung ist durchaus kompliziert und das Drama dauert eigentlich ziemlich lange. Aber auch hier weiß Lafrenz Abhilfe. Er hat die allerwichtigsten Szenen ausgesucht, den Streit am Anfang, um das Problem zu klären, den Maskenball, Julia am Fenster, Romeo im Garten, die Trauung, die Toten, die Romeos Verbannung zur Folge haben, ihr letztes Zusammensein, bei dem natürlich Julias Tausch von Nachtigall und Lerche nicht fehlen darf, Lorenzos Plan vom Scheintod Julias und dessen Umsetzung.

Warum Romeo dann die falsche Nachricht erhält, wird nur erzählt, nicht gespielt, aber wichtiger ist ja seine Reaktion, der Giftkauf, seine Rückkehr nach Verona, seine Trauer um Julia, die leider erst zu spät erwacht.

Romeo und Julia ruhen – das Ebinger Publikum nicht

Eine weitere wichtige Rolle spielt Lafrenz noch. Er wird immer wieder zum Erzähler, erklärt, was passiert, kommentiert, „Stellen Sie sich vor, welches Risiko Romeo da eingeht.“

Romeo und Julia ruhen nebeneinander, kein Wort mehr, keine Reaktion. Das Publikum im Kräuterkasten reagiert völlig anders, verfolgt begeistert und lachend das Geschehen, spendet viel Applaus. Es hat nach diesem Abend garantiert noch ganz viel mehr Lust auf Shakespeare – und auf und den vielseitigen Schauspieler Bernd Lafrenz.