Bei der Konferenz in Dubai wird um mehr Klimaschutz weltweit gerungen. Apokalyptische Szenarien helfen nicht weiter, meint Redakteur Thomas Faltin.
Es ist so leicht, apokalyptische Bilder wachzurufen, wenn es um den Klimawandel geht – brennende Wälder, vertrocknete Äcker, tosende Fluten. Schon jetzt hat sich die Erde um fast 1,5 Grad Celsius erwärmt, nach den Daten des Climate Active Trackers (CAT) existiert kein Land, das Stand heute die Pariser Klimaziele erreichen wird.
Wenn von diesem Donnerstag an die Welt in Dubai zusammentritt, um dort um mehr Klimaschutz zu ringen, sind die dystopischen Visionen wieder überall präsent. Politiker, die anscheinend die Augen vor der Realität verschließen. Klimaschützer, die vergeblich demonstrieren. Wissenschaftler, deren Mahnungen ungehört verhallen.
Selbst China hat ein Ziel für Klimaneutralität
Aber Angst und Untergangsszenarien bringen uns nicht weiter. Sie lähmen vielmehr und lassen viele Menschen resignieren oder zumindest am Sinn aller Bemühungen zweifeln. Trotz aller realen Bedrohung lohnt es sich deshalb, einmal die andere Seite zu betrachten. Tatsächlich ist in den vergangenen 20 Jahren enorm viel geschehen. Wäre es seit damals ungebremst weitergegangen mit den Emissionen, wäre die Temperatur bis zum Jahr 2100 um fünf Grad gestiegen, was extreme Folgen für die Menschheit hätte – derzeit gehen die Vereinten Nationen von knapp drei Grad aus. Das ist ein enormer Erfolg, auch wenn er nicht ausreicht. Und zumindest das Zwei-Grad-Ziel ist noch nicht verloren. Es gibt eine echte Chance.
Fast alle Staaten dieser Erde haben sich mittlerweile auf den Weg gemacht, ihre Emissionen zu senken. Es ist beileibe nicht nur Deutschland, dessen aktuelle Maßnahmen laut CAT übrigens „fast ausreichend“ sind, um die Erwärmung unter zwei Grad zu halten. Sogar China will bis 2060 klimaneutral werden, und Experten sehen das Land sogar in einigen Bereichen auf dem richtigen Weg. Nur machen der Energiehunger und die Kohleförderung dieses Wirtschaftsriesen viele Bemühungen wieder zunichte.
Die Vereinbarung, die China und die USA vor Kurzem geschlossen haben, ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich doch etwas bewegt. Die beiden Länder, die zusammen für 40 Prozent aller Emissionen verantwortlich sind, wollen etwa den Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2030 verdreifachen.
Die Haltung vieler Menschen gerade in Deutschland, dass doch erst mal die anderen etwas tun sollen und nicht wir wieder vorpreschen müssen, ist jedenfalls längst nicht mehr zeitgemäß. Sie ist sogar gefährlich, weil der Klimaschutz, so langsam er vorankommt, längst nicht mehr aufzuhalten ist. Wenn wir nicht massiv investieren in Windkraft, Elektromobilität und nachhaltige Produkte, werden andere uns die Geschäfte – und unseren Wohlstand – wegnehmen.
Andere Umweltkrisen erfolgreich gemeistert
Statt Unkerei brauchen wir deshalb Zuversicht, dass der Wandel gelingen kann. Nur dann sind Bürger, Unternehmer und Politiker motiviert, sich einzulassen auf diese riesigen Veränderungen mit ihren Tausenden von Unwägbarkeiten. Dass es möglich ist, zeigen das Waldsterben und das Ozonloch in den 1980er Jahren – auch wenn die Herausforderung heute beim Klimawandel um ein Vielfaches größer ist, haben wir damals bewiesen, dass wir in der Lage sind, am Ende doch adäquat auf Krisen zu reagieren.
Das alles heißt beileibe nicht, dass wir die Hände in den Schoss legen dürfen und schon irgendwie alles gut werden wird. Der Weltklimarat hat vor Kurzem betont, dass sich das Zeitfenster, in dem eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft für alle gesichert werden könne, rapide schließe.
Es steht also nicht gut um die Erde. Aber was immer die Klimakonferenz in Dubai bringen wird: Wir können sie noch retten. Daran sollten wir glauben – und arbeiten.