Eine Solaranlage auf dem Dach der Hochschule Ludwigsburg. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Bis 2030 soll die Landesverwaltung klimaneutral sein. Dafür will die Regierung alle möglichen Dachflächen nutzen. Das eigentliche Problem sind aber die Heizungen.

Die Landesregierung hat nach langem Ringen ihren Plan gefasst, wie ihre Landesverwaltung klimaneutral werden soll. In dieser Woche ging endlich das Konzept durchs Kabinett, das das Finanzministerium bereits im vergangenen Sommer ausgearbeitet hatte. Eine entscheidende Rolle spielen die Landesgebäude, auf die dabei 80 Prozent der CO2-Emissionen zurückgehen. Ganz ohne Kompensation wird das Land aber wohl nicht auskommen – denn zum Landesbestand gehören auch historische Gebäude. Wie groß der Sockel sei, könne man nicht seriös abschätzen, sagte Sprecher.

 

Klar ist aber schon jetzt, dass es beim Fotovoltaikausbau auf den landeseigenen Dächern noch einen gehörigen Schritt vorangehen muss. Alle geeigneten landeseignen Dachflächen der etwa 8000 Landesgebäude sollen bis 2030 mit Fotovoltaik ausgestattet werden, heißt es vom Finanzministerium. Das entspricht einer Fläche von rund 600 000 Quadratmetern. Zuletzt hatte die CDU deutlich ehrgeizigere Ziele gefordert. CDU-Fraktionschef Manuel Hagel im Interview gesagt: „Auf den Dächern der Landesgebäude ist so gut wie keine Solaranlage installiert, da müssen wir jetzt liefern.“

Das stimmt nicht ganz: Erreicht hat das Land aber bisher erst rund 135 000 Quadratmeter an Solaranlagen – 2026 soll sich die Fläche fast verdoppelt haben auf 250 000 Quadratmeter. 19 Millionen Euro stehen dafür im aktuellen Doppelhaushalt bereit.

SPD und FDP gehen Ziele nicht weit genug

Der SPD gehen die Ziele nicht weit genug. Nach Berechnungen des SPD-Klimaexperten Gernot Gruber entspricht dies lediglich 1025 bis 1200 Solardächern. „Das ist meilenweit vom Versprechen des Regierungschefs entfernt“, sagt er. FDP-Klimaexperte Daniel Karrais sagt: „Das ist nicht das Vorbild, das man sich von der sogenannten ‚Klima-Koalition‘ vorstellt.“ Er schlägt vor, Dachflächen an PV-Anlagenbetreiber zu vermitteln.

Das eigentliche Problem der Landesregierung sind aber die Heizungen. Und da ist das Land noch nicht viel weiter als vor einem Jahr: Die Versorgung mit Wärme hing in der Vergangenheit stark vom Gas ab. Mehr als der Hälfte der etwa 60 großen, landeseigenen Heizwerke im nicht universitären Bereich nutzen Erdgas als Brennstoff. Für die Heizwerke sollen bis Ende 2023 erst einmal Machbarkeitsstudien mit dem Ziel einer klimaneutralen Wärmeerzeugung erstellt werden. Die würden nach und nach von Vermögen und Bau beauftragt, so ein Sprecher. Auch für die großen Heizkraftwerke der Universitäten werden Konzepte erstellt.

2 Milliarden Euro für Sanierungen

Um im landeseigenen Bestand die Wärmewende hinzubekommen, soll der Einsatz von Wärmepumpen „deutlich verstärkt werden“. In acht Pilotprojekten wird die Umstellung auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung mit dem Schwerpunkt der Wärmepumpennutzung erprobt – für sieben solcher Projekte sind Gesamtbaukosten von 46 Millionen Euro eingeplant. Externe Fernwärme wird bis 2030 nur noch dann weiter genutzt, wenn sie einen Anteil erneuerbarer Energien von mindestens 50 Prozent hat.

Und schließlich will das Land auch an die sogenannte Graue Energie, also die Konstruktion und der Betrieb von Gebäuden. 2,2 Milliarden Euro stehen in den Jahren 2023 und 2024 für Gebäudesanierung und Bauunterhalt zu Verfügung. Sanierung hat Vorrang vor Neubau. Ein nicht unwichtiger Punkt birgt allerdings Konfliktpotenzial: Die Büroflächen in der Landesverwaltung sollen um 20 Prozent verringert werden.