Sie freut sich über echte Schnäppchen bei der Kleiderbörse: Die Vorsitzende der Glückskinder, Michelle Hager. Foto: Thiercy

Der Verein Glückskinder wird zehn Jahre alt. Bekannt ist die Initiative für ihre Kinderartikelbörsen. Die gibt es auch im Jubiläumsjahr – und eine ganz neue Idee wird umgesetzt: Eine Klamottenbörse nur für Erwachsene.

„Armut macht auch vor Erwachsenen nicht Halt“, sagt die erste Vorsitzende der Glückskinder, Michelle Hager. Solch eine Börse schone den Geldbeutel und Ressourcen, denn wenn der Pulli noch gut ist, müsse er ja nicht in den Altkleidercontainer.

 

Rund um die Börsen für Kinderklamotten und Spielzeug wurden die Macher immer wieder angesprochen, ob es solch eine Verkaufsaktion nicht auch mal nur für Erwachsene geben könnte. Bei den Glückskindern stieß diese Idee auf offene Ohren und so steigt am Samstag, 8. Juni, in der Engstlatter Turnhalle die erste Börse für die Großen.

Ins Angebot kommt „alles, was man Anziehen kann“, erklärt Hager. Und zwar sowohl für Frauen, als auch für Herren. „Beim Spielen mit den Kids muss man ja keine Jeans für hundert Euro anziehen“ meint die Dreifach-Mama.

Verkäufer können sich im Netz registrieren

Sie selbst findet es schade, wenn diejenigen Kleidungsstücke, die ihr nicht mehr gefallen oder die schlicht ein Fehlkauf waren, in den Container kommen. „Für jemand anderen ist meine Bluse vielleicht das neue Lieblingsteil.“

Wie viel die Stücke kosten, legen die Verkäufer fest. Über die Homepage von Basarlino können die Teile registriert werden. Die Verkäufer erhalten eine anonymisierte Nummer und können dann Etiketten mit den Wunschpreisen ausdrucken. Einen Tag vor dem Verkauf werden die Sachen bei den Helfern abgegeben, die dafür sorgen, „dass die Kleidung schön präsentiert wird.“

Genau das ist ein kleiner Haken: „Kleidung für Erwachsene ist viel größer als die für Kinder.“ Deshalb könne es sein, dass die Verkäufer weniger Teile anliefern dürften, damit der Platz für alle reicht.

Der Verein unterstützt die verlässliche Grundschule

Fünfzehn Prozent vom Erlös gehen an den Verein. Und damit an die Kinder. Die Mitglieder finanzieren damit die Aufstockung der verlässlichen Grundschule, die mit dem Budget der Stadt nur bis 13.20 Uhr statt bis 14 Uhr betrieben werden könnte. „Fast alle Grundschulkinder sind mittags dort“, weiß Hager.

Entstanden ist die Idee zum Verein aus der Not heraus. Ging im Kindergarten ein Rutschauto kaputt, konnte kein neues gekauft werden, weil die Gemeinde kein Geld hatte. Waren Spielgeräte defekt, waren keine Mittel für die Reparatur da.

Die Glückskinder unterstützen auch das Projekt „Streuobstwiesen.“ Die Kleinen gehen vier Mal im Jahr mit einer Pädagogin auf die Wiese, schauen, was blüht, wo es Tierspuren gibt und machen im Herbst ihren eigenen Apfelsaft, erklärt Hager.

Die Hilfesuchenden bleiben anonym

Die Hilfe kann auch ganz konkret sein, dass eine Familie finanziell unterstützt wird, damit das Kind in der Schule essen kann. Manchmal wird ein Schulranzen benötigt, manchmal ein Mäppchen. „Wem wir helfen, wissen wir nicht und das wollen wir auch nicht“, betont die Vorsitzende. Die Anfragen werden über die Rektorin der Grundschule, Karin Wicker, anonym an den Verein herangetragen.

Der Verein mit seinen 75 Mitgliedern finanziert sich beziehungsweise seine Projekte aus Mitgliedsbeiträgen und den Börsen. „Bei der letzten Kinderartikelbörse kamen 1200 Euro zusammen“, freut sich Hager und hofft auf ein ähnliches Ergebnis bei der Version für die Mamas und Papas.