So sieht die geplante Kindertagesstätte in der Onstmettinger Schwabstraße im Modell aus ... Foto: Architekturbüro Strichwerk

Die einstige Textilfabrik in der Onstmettinger Schwabstraße 20 wird abgerissen; an ihrer Stelle entsteht eine große Kita – das hat der Gemeinderat am Donnerstag nach kontroverser Debatte beschlossen.

Diesem Beschluss ging eine anderthalbstündige hitzige Debatte ums Prinzip voraus – und dieser ein Antrag der Grünen, das Thema zu vertagen und nach der Wahl dem neuen Gemeinderat zu überlassen.

 

Der Hintergrund: Ein Großteil des Treibhausgasausstoßes, der die Erderwärmung verursacht, geht auf das Konto des Baus; deshalb geben die Grünen grundsätzlich Sanierungsmaßnahmen den Vorzug vor dem Neubau.

... und so auf der Rückseite. Foto: Architekturbüro Strichwerk

Die Rechnung, die sie nun in aller Kürze im Gemeinderat aufmachen mussten, weil Markus Ringles Antrag auf Vertagung mehrheitlich abgelehnt worden war, sieht so aus: Eine Sanierung und Umnutzung des Wohnhas-Fabrikgebäudes würde weniger Zeit und Geld in Anspruch nehmen als der geplante Neubau, und er würde auch dem von Oberbürgermeister Roland Tralmer verfochtenen Grundsatz der Clusterbildung eher entsprechen.

Wieso billiger? Laut Friedrich Rau, Grünen-Stadtrat und Architekt, reduzieren sich allein dadurch, dass man den Rohbau des Bestandsgebäudes – Fundament, Außenwände, Decken – übernimmt, die Baukosten um gut und gern 30 Prozent; außerdem spart man die Abbruchkosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Schneller? Kein Abbruch, kein Rohbau, das verschafft natürlich einen beträchtlichen Zeitvorsprung. Umweltfreundlicher? In der alten Fabrik steckt sogenannte „Graue Energie“ in Hülle und Fülle, Beton gewordene Treibhausgasemissionen in Höhe von 530 Tonnen CO2-Äquivalenten – der Neubau mag mit 66 Tonnen noch so sparsam ausfallen, das Ergebnis der Addition beläuft sich dennoch auf fast 600 Tonnen.

Und die Clusterbildung? Ist sozusagen unvermeidlich: Die für die Kindertagesstätte benötigte Fläche beträgt 2380 Quadratmeter; die Wohnhas-Fabrik hat 6800 zu bieten. Mehr als zwei ihrer vier Geschosse stünden für Zusatznutzungen zur Verfügung – für Wohnungen, Büros, Tanzsäle, Konferenzräume, Fitnessstudios und was der Dinge mehr sind.

Stillstand – wie bei der Festhalle

Den Befürwortern des Abbruchs leuchtete keines dieser Argumente ein. Schneller? Ulrike Münster und Manuela Heider, beide Freie Wählerinnen, verwiesen auf den letzten Abrissverzicht, nämlich den der Ebinger Festhalle – was sei das Resultat gewesen? Stillstand.

Billiger? Habe die Kostenexplosion am Tailfinger Schulzentrum Lammerberg nicht gezeigt, wie viel sich mit Sanierungen einsparen lasse? Umweltfreundlich? Beim Neubau würden die modernsten Standards zur Anwendung kommen und viel Holz verbaut werden – die Räume der einstigen Nähsäle mit ihren hohen Decken, so SPD-Stadtrat Martin Frohme, seien dagegen Energiefresser in Reinkultur. Nicht zu vergessen: die textilen Altlasten – wobei die natürlich im einen wie im anderen Fall entsorgt werden müssten.

Blieb die Clusterbildung – hier verwiesen die Abbruchgegner darauf, dass sich in nächster Nachbarschaft des neuen Kindergartens eine Schule, zwei Hallen, ein Schwimmbad und noch ein weiteres öffentliches Gebäude, nämlich der Johannes-Raster-Kindergarten, befänden – wenn das kein Cluster sei, dann gebe es keine. Die Cluster-Visionen der Grünen, etwa von privaten Investoren, die Geld in die zwei oberen der insgesamt vier Fabrikgeschosse stecken könnten, seien dagegen Illusionen – wenn irgendjemand in die Wohnhas-Fabrik hätte investieren wollen, dann hätte er viele Jahre lang Gelegenheit dazu gehabt. Passiert sei nichts.

Bis Ende Oktober muss alles weg sein

Schneller, billiger, umweltfreundlicher – das trifft nach Ansicht der Abbruchbefürworter zu, aber nicht auf die Sanierung, sondern vielmehr auf den Abriss. Der soll nach dem nungefassten Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats alsbald kommen, noch vor dem 30. Juni, denn wenn der Bagger bis dahin nicht in Aktion tritt, verfällt der ELR-Zuschuss zu den Abbruchkosten in Höhe von 400 000 Euro. Bis Ende Oktober muss das Werk vollendet sein.

Und danach? Bisher taucht die Kindertagesstätte Schwabstraße nirgendwo in der städtischen Finanzplanung auf, in der mittleren nicht und im laufenden Haushalt schon gleich gar nicht. Dieses Geld wird man zügig organisieren müssen. Denn das haben sich die Onstmettinger im Gemeinderat nun von beiden Seiten bestätigen lassen: Die Kita Schwabstraße müsse kommen – und zwar sehr bald!