Pfarrer Karl-Hermann Gruhler bei seinem Ermutigungsvortrag in Oberndorf, Kirche neu zu gestalten Foto: Vögele

Der evangelische Kirchenbezirk Sulz steht vor massiven Veränderungsprozessen, einer Fusion. Starker Mitgliederrückgang, Vertrauens- und Relevanzverlust und mangelnder Nachwuchs an Hauptamtlichen sind weitere Probleme.

Die Lebendige Gemeinde im Kirchenbezirk Sulz hatte in die Klosterkirche in Oberndorf eingeladen. Musikalisch begleitet wurde sie vom Bläserteam des Kirchenbezirks unter der Leitung von Ben Roundtree.

 

Rolf Hölle, der Vorsitzende der Sulzer Bezirkssynode, erläuterte die Situation. Teile von Sulz fusionieren mit Tuttlingen. Rottweil ist Dekanatsstandort. Der Kleine Heuberg kommt zu Balingen, Betzweiler-Wälde wird Freudenstadt zugeschlagen. Kreisscharfe Abgrenzungen sind angestrebt worden.

Fusion soll 2025 umgesetzt sein

Am 1. Januar 2025 soll die Fusion umgesetzt sein. Nach dem Pfarrplan werden 20 Prozent der Stellen gestrichen und 30 bis 50 Prozent der Gebäude eingespart, das heißt sie werden nicht mehr bezuschusst. Eine Zeitenwende steht an.

Der Referent zu diesem Thema, Gemeinde- und Projektpfarrer Karl-Hermann Gruhler aus Laichingen, wurde von Marianne Dölker- Gruhler vom Bezirksleitungskreis vorgestellt. Gruhler stellte zunächst die Fakten vor: starker Mitgliederrückgang, Vertrauens- und Relevanzverlust und mangelnder Nachwuchs an Hauptamtlichen. Beleuchtet wurde auch die Religiosität in der Generationsfolge und die Phasen der Entkirchlichung. Durch die mangelnde Glaubenspraxis in der Familie sah er das nahende Ende der christlich-kulturellen Prägung.

System ist 1500 Jahre alt

Der zweite Teil befasste sich mit den Zukunftsperspektiven, die immer noch Neuland sind. Die Richtung soll bleiben, aber es muss anders angegangen werden mit leichterem Gepäck, meinte er. Das jetzige System sei 1500 Jahre alt, da gelte es, sich auch von Dingen zu verabschieden.

Der dritte Teil des Mutmachvortrags vermittelte impulsgebende Denkanstöße. Was wir seien und was wir lebten, sei bedeutend für die Zukunft der Kirche. Automatismen hörten auf. Die Zukunft verlange Klarheit und Abschiede, Visionen, Fokussierung und missionales Handeln, führte Gruhler anschaulich aus.

Vielfalt ist die Lösung

Der Pfarrplan erfordere regionales Denken, nachbarschaftliche Gemeindeentwicklung. Die Vielfalt sei nicht das Problem, sondern die Lösung, die Kooperation, Profilierung, Ergänzung und Solidarität erfordert. Neue Haltungen wie Loslassen, Großzügigkeit, Respekt und Demut müssen entwickelt werden. Auch Zwischenlösungen seien gut mit Erproben und Scheitern. „Man muss mit vielem umziehen, aber die Gemeinde lebt“, resümierte Karl- Hermann Gruhler.