Wenn der Kindergarten dicht bleiben muss – der Fachkräftemangel trifft auch Kitas in Horb. (Symbolfoto) Foto: Frank Lambert - stock.adobe.com

Der Mangel an Fachkräften ist auch in den Horber Kindergärten zu spüren. Wir haben uns umgehört, wie man dort mit der angespannten Personalsituation, aber auch der anstehenden Grippewelle, umgeht. Mancherorts springen Ehemalige wieder ein.

Für einige Horber Eltern wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zur Herausforderung.

 

Wegen des aktuellen Fachkräftemangels hatte Oberbürgermeister Peter Rosenberger erklärt, dass ab dem 1. Dezember die Öffnungszeiten von städtischen Kindergärten reduziert würden – von 7.30 bis 13.30 Uhr.

Grund sei die dramatische Personallage, bis zu 16 Vollzeitstellen seien nicht besetzt. Doch wie sieht die Lage bei anderen Trägern aus?

Fast alle Stellen besetzt

Der Zweckverband katholischer Kindertagesstätten ist in den Dekanaten Freudenstadt und Calw für 15 Kiga-Einrichtungen mit insgesamt 50 Gruppen zuständig. Im Horber Stadtgebiet sind es acht katholische Kindergärten.

„Wir konnten bis jetzt fast alle unsere 220 Stellen besetzen“, erklärt Geschäftsführer Hubert Würth. Einzig im Dekanat Calw seien noch zwei 50-prozentige Stellen ausgeschrieben. Doch mittels Vertretungskräften sei auch dort der Betrieb nicht gefährdet gewesen und es habe keine Reduzierung der Öffnungszeiten gegeben.

Mehrarbeit wegen Personalausfall

Im St. Leonhard-, dem Edith Stein-Kindergarten und der Einrichtung in Altheim könne das Ganztagesangebot somit ungekürzt fortgesetzt werden.

Je nach saisonal bedingten Krankheitsausfällen könnte sich dies aber auch innerhalb von wenigen Wochen ändern, gibt er zu bedenken. „Momentan schaffen wir es, die Ausfälle noch durch Vertretungskräfte und die Mehrarbeitsbereitschaft unserer Mitarbeiter ausgleichen“, erläutert Würth.

Bewerbungen nehmen ab

Dem allseits spürbaren Fachkräftemangel könne man als Trägerschaft – egal, ob frei oder kommunal – nur gemeinsam und gut vernetzt begegnen.

Denn dass der vor dem Zweckverband nicht Halt macht, ist dem Geschäftsführer klar. Auf die Jahre betrachtet seien die Bewerbungen für offene Stellenausschreibungen auch hier rückläufig.

Als ein gewisses Plus für seine Organisation sieht Würth das katholisches Netzwerk, das vom Träger über die Kirchengemeinde bis hin zur Diözese Rottenburg-Stuttgart reiche. So gäbe es in den jeweiligen Einrichtungen beispielsweise pastoral-pädagogische Angebote, die von der Diözese getragen würden.

Ehemalige helfen mit

Schwieriger sieht es beim Katholischen Kinderhaus St. Mauritius in Nordstetten aus. „Diese Woche schreiben wir Stellen von insgesamt 170 Prozent aus“, erklärt Kirchenpfleger Stefan Blank. Der aktuelle Mangel sei nur durch den engagierten Einsatz der vorhandenen Mitarbeiter zu kompensieren.

„Dankbar sind wir auch den ehemaligen Mitarbeitern, die sich bereit erklärt haben, hier zeitweise auszuhelfen“, sagt er. Nur dadurch habe es bisher in der Ganztagesgruppe sowie bei den verlängerten Öffnungszeiten keine Kürzungen geben müssen.

Kürzung ist letzte Option

Problematisch sei es allerdings bei der Krippe. „Wegen fehlendem Personal müssen wir sie ab 8. Dezember freitags schließen“, erklärt Blank. Man arbeite jedoch an einer Notlösung, damit wenigstens ein Teil der Kinder freitags betreut werden könne. „Das funktioniert aber nur, wenn keine Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen“, zeigt sich der Kirchenpfleger besorgt.

Verkürzte Öffnungszeiten, wie sie bei den städtischen Einrichtungen der Fall seien, stellten erst die letzte Option dar, wenn die rechtlichen Vorgaben hinsichtlich der personellen Betreuung nicht mehr eingehalten werden können, sagt Blank.

Kita-Plätze gesucht

Neue Studie
Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung herrscht ein extrem angespannter Arbeitsmarkt für Sozial- und Erziehungsberufe. Das schlägt sich auch bei den Kita-Plätzen nieder. Bundesweit fehlen rund 430 000 Betreuungsplätze.

Große Lücke
Um die Betreuungslücke zu schließen, müssten in Baden-Württemberg 59 400 zusätzliche Kita-Plätze geschaffen werden, schreibt die Stiftung im „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ Seit 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz.