Die Pianistin Khatia Buniatishvili Foto: Sony

Jubel, Jubel, Jubel: Das Royal Philharmonic Orchestra hat mit seinem neuen Chefdirigenten Vasily Petrenko und der Pianistin Khatia Buniatishvili in der Meisterkonzert-Reihe im Beethovensaal begeistert.

Kusshändchen fürs Publikum, als Zugabe einen Bach-Adagio-Hit und Debussys „Clair de lune“ – letzteres in Zeitlupe zerdehnt, um sinnlich verträumt zu wirken – und das kommt an. „Wie gefühlvoll“, flüstert ein Herr im Publikum.

 

Die Pianistin Khatia Buniatishvili, die jetzt gemeinsam mit dem Royal Philharmonic Orchestra (RPO) und seinem neuen Chefdirigenten Vasily Petrenko zu Gast war in der Meisterkonzert-Reihe, beherrscht ihren Job als großes Showtalent und Gefühlstier aus dem Effeff. Knallrot geschminkte Lippen, sexy Glitzerkleid, dunkel-lockige Wuschelfrisur, eine auch sehr körperliche Interpretation der musikalischen Vorgänge: Man könnte sagen, Khatia Buniatishvili stellt eine perfekt inszenierte Kunstfigur dar.

Hat sie am Flügel Pause, dann bäumt sie sich mit geschlossenen Augen und bebender Brust der romantischen Orchesterbrandung entgegen wie Emily Brontës Catherine Earnshaw dem pfeifenden Wind auf Yorkshires „Sturmhöhe“. An diesem umjubelten Abend im sehr gut besuchten Beethovensaal tat sie es in Tschaikowskys erstem Klavierkonzert.

Voller Elan und Energie

Neben all ihren Attitüden verfügt Khatia Buniatishvili aber über eine bewundernswert lässig hingeworfene Virtuosität und eine gestalterisch fein differenzierte Farbpalette. Ja, sie ist technisch souverän – künstlerisch allerdings allzu sehr auf spektakuläre, pedalmarinierte Klangwolken und Gefühlskitsch fixiert.

Im krassen Gegensatz dazu befindet sich der Dirigent Vasily Petrenko auch äußerlich im ernsten Arbeitsmodus und fernab jeder anschmiegsamen Wohlfühlromantik. Sein Dirigierstil ist exakt und feinzeichnend, voller Elan und Energie. So sorgte er auch in Rachmaninows Sinfonischen Tänzen für eine straffe Spannungskurve, strukturelle Präzision, differenzierte Farben und plastische Phrasierungen.

Und das klanglich ungeheuer flexible RPO setzte sich mit einem Sound in Szene, der trotz Riesenbesetzung oft bis ins Kammermusikalische transparent und ausbalanciert bleibt. So aufregend, so düster prophetisch und beklemmend hört man die Sinfonischen Tänze selten.