Kevin Dicklhuber beim Kopfball gegen einen ehemaligen Verein 1. Göppinger SV. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Kevin Dicklhuber war vergangenen Sommer der Königstransfer der Stuttgarter Kickers. Der Offensivmann zieht ein Hinrundenfazit, spricht über den Trainerwechsel, seinen Ex-Club und über den Zweikampf um den Direktaufstieg.

Stuttgart - Neben Malte Moos und David Kammerbauer hat nur Kevin Dicklhuber alle bisherigen 18 Hinrundenspiele für den Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers absolviert. Vor der ersten Rückrundenpartie an diesem Samstag (14 Uhr) beim FC Astoria Walldorf II spricht der 32-jährige Offensivmann über das große Ziel Aufstieg, mögliche Winter-Neuzugänge und darüber, wie er Beruf und Fußball unter einen Hut bringt.

 

Herr Dicklhuber, wie fällt Ihr persönliches Hinrundenfazit aus?

Für mich war der Wechsel zu den Kickers auf jeden Fall der richtige Schritt. Es ging mir dabei weniger ums Finanzielle, als vielmehr darum, noch einmal zwei, drei Jahre auf professionellem Niveau zu spielen. In den Heimspielen vor 2500 Zuschauern aufzulaufen, das macht einfach riesigen Spaß.

Sie sind der einzige Offensivspieler im Kader, der alle 18 Oberligaspiele absolviert hat. Sieben Tore haben Sie dabei erzielt. Sind Sie mit dieser Bilanz zufrieden?

Es hätten zwei, drei Treffer mehr sein dürfen. Aber es ist keine Selbstverständlichkeit, in allen Spielen von Anfang an dabei zu sein und so gut wie alle auch durchzuspielen. Bei den Kickers herrscht harte Konkurrenz – und man muss sich in jedem Training neu beweisen.

Wie groß war für Sie die Umstellung auf die höheren Trainingsumfänge gegenüber Ihrer Zeit beim 1. Göppinger SV?

Ich habe während meiner Zeit beim GSV in Vollzeit gearbeitet (Anm. d. Red.: bei der Firma EWS an einer CNC-Fräsmaschine) und dies nach meinem Wechsel zu den Kickers auf vier Stunden pro Tag von 6 Uhr bis 10 Uhr reduziert. Ich wollte einfach auch weiterhin im Beruf drinbleiben, schließlich spiele ich nicht ewig Fußball. Mir ist es dann nach einer gewissen Anlaufzeit gut gelungen, die Arbeit und das professionelle Training unter einen Hut zu bringen.

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Der Start war etwas holprig.

Das stimmt. Ich musste mich auf ein ganz anderes Spiel einstellen, als das in Göppingen der Fall war. Denn wenn es gegen die Stuttgarter Kickers geht, stehen die Gegner extrem tief. Hinzu kam die große Erwartungshaltung. Da kommt einer, der in der letzten vollständigen Oberliga-Runde 28 Saisontore erzielt hat. Wenn’s da nicht sofort rund läuft, beginnen die Zuschauer zu murren.

Haben Sie vom Trainerwechsel profitiert?

Eines vorneweg: Ramon Gehrmann ist ein sehr guter Trainer. Aber klar, ich bin unter ihm meistens als Rechtsaußen aufgelaufen, musste viel Defensivarbeit verrichten, dadurch fehlten mir für die Offensive dann die Körner. Wir spielen jetzt einen anderen Fußball, lassen mehr den Ball laufen, die Ansprache ist direkter, die Videoanalysen sind kürzer.

Zuletzt spielten Sie unter Mustafa Ünal ganz vorne im Zentrum – was eigentlich auch nicht Ihre Lieblingsposition ist.

Sagen wir es so: In Göppingen habe ich meine stärksten Spiele gemacht, wenn ich mich etwas fallen lassen konnte, aus der Tiefe zwischen der Sechser- und Achter-Position mit viel Dynamik nach vorne Impulse setzen konnte. Aber im Sturmzentrum hat es zuletzt auch sehr gut geklappt. Ich kann die Bälle festmachen und auf meine Mitspieler ablegen.

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Sind Sie eigentlich sehr überrascht, dass Ihr Ex-Club Ihren Abgang so gut kompensieren konnte und auf dem dritten Platz steht?

Nein, ich weiß, was die Spieler können, und es freut mich sehr, dass der GSV so gut dasteht, es macht mich sogar stolz. Die Mannschaft ist enger zusammengerückt und Trainer Gianni Coveli macht einfach einen sehr guten Job. Vor allem hat er ein Händchen, immer wieder junge, neue Spieler sinnvoll ins Team einzubauen. An ihm hängt sehr viel beim GSV.

Können Sie sich vorstellen, noch einmal für Göppingens zu spielen?

Vorstellen, ja. Aber jetzt habe ich erst einmal zumindest auch noch in der Saison 2022/23 einen Vertrag bei den Kickers, der sich im Fall des Aufstiegs sogar bis 2024 verlängert. Aber mir war schon sehr wichtig, dass ich nicht im Streit beim Sportverein gegangen bin.

Ihren Lebensmittelpunkt haben Sie nach wie vor im Kreis Göppingen?

Ja, in Ottenbach, da bekomme ich meine Frau auch nicht mehr weg (lacht), zumal wir ja im Januar Nachwuchs bekommen.

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Wie schätzen Sie die Chancen im Meisterschaftsrennen ein?

Ich glaube, es gibt keine zwei Meinungen, dass wir oder der SGV Freiberg direkt aufsteigen. Ich finde, dass wir auf Dauer die bessere Mannschaft haben, daran ändern auch die drei Granaten im SGV-Sturm nichts.

Die Freiberger Marco Grüttner, Marcel Sökler und Dominik Salz haben zusammen 44 Tore erzielt. Die Kickers insgesamt nur 40. Was spricht da für die Blauen?

Wir sind spielerisch stärker als der SGV Freiberg und auch in der Breite besser aufgestellt. Wir haben das direkte Duell in Freiberg mit 1:0 gewonnen, wobei ich nicht glaube, dass sich die Meisterschaft schon im Rückspiel am 11. Dezember im Gazi-Stadion entscheidet. Beide Teams werden noch Punkte lassen, und wer sich weniger Ausrutscher leistet, der packt es am Ende auch mit dem Direktaufstieg.

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Halten Sie punktuelle Verstärkungen in der Winterpause für sinnvoll?

Wir sind aktuell 26 Mann im Kader, es müssten dann ja auch Spieler vom Hof gehen. Für mich ist klar, dass wir keine Nummer 22 oder 23 brauchen, sondern wenn wir jemanden holen, dann einen Spieler, der uns für das Ziel Aufstieg konkret weiterbringt und auf den man auch in der Regionalliga setzen könnte. In dieser Saison ist keine Zeit für Experimente.

Was wünschen Sie sich?

Den Aufstieg und den Einzug ins WFV-Pokal-Finale.