Das Bildungszentrum in St. Georgen bleibt am bevorstehenden Schmotzigen Donnerstag eine narrenfreie Zone. Etwas Fastnachtsflair herrscht aber trotzdem. (Archivfoto) Foto: Helen Moser

Geht in St. Georgen eine Fastnachtstradition zugrunde? Diese Befürchtung wurde nun im Gemeinderat laut. Der Grund: Das Bildungszentrum bleibt in diesem Jahr eine narrenfreie Zone. Die Schülerbefreiung am Schmotzigen Donnerstag fällt aus.

Eigentlich hat es Tradition: Die Narren stürmen am Morgen des Schmotzigen Donnerstags die Schulen der Bergstadt, befreien die Schüler und läuten damit das närrische Treiben in der Stadt ein. Doch in diesem Jahr ist das anders – zumindest im St. Georgener Bildungszentrum. Denn hier wird am Schmotzigen kein Narrenbesuch erwartet. Wieso eigentlich? Und wie sieht die Perspektive für die kommenden Jahre aus?

 

Die Ansage im Gemeinderat

Oliver Freischlader (SPD) sagte es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gerade heraus: „Wir haben ja ohnehin nicht gerade viele Fastnachtstraditionen in St. Georgen“ – da sollte man die wenigen, die es gibt, ehren, fand er, und nicht einfach ausfallen lassen oder möglicherweise ganz streichen.

Stein des Anstoßes war die Schülerbefreiung am Bildungszentrum – oder besser: der Umstand, dass eben diese in diesem Jahr nicht stattfinden wird. Freischlader fand deutliche Worte: „Ich find’s schade. Ich weiß, dass man es nicht ändern kann. Aber ich hoffe, dass wir es für 2025 wieder hinkriegen.“

Er kritisierte die Realschule, die sich entschlossen hatte, ihre Projekttage in der kommenden Woche zu veranstalten: „Wenn es viele Jahrzehnte lang planbar war, die Projekttage da nicht hinzulegen, sehe ich nicht, wieso es jetzt nicht mehr gehen sollte“, fand Freischlader. Auch Vertreter der Narrenzunft hatten im Gespräch mit unserer Redaktion die Projekttage und eine damit verbundene Ausstellung als Grund für die Absage genannt.

Bürgermeister Michael Rieger stimmte Freischladers Ausführungen im Gemeinderat zu: „In allem, was Sie sagen, haben Sie recht.“ Um zu vermeiden, dass die Tradition verloren gehe, habe man für nach den närrischen Tagen zu einem Runden Tisch mit Narren und Vertretern der Schulen eingeladen, um sich für künftige Jahre gemeinsam gut aufzustellen.

Die Lage an der Realschule

Den Grund für das Ausfallen der Schülerbefreiung stellt Hubert Ilka, Leiter der St. Georgener Realschule, auf Anfrage unserer Redaktion etwas anders dar: Bereits im vergangenen Herbst hätten Gespräche zwischen den Narren und der geschäftsführenden Schulleitung der St. Georgener Schulen stattgefunden. Dabei sei eine detaillierte Absprache mit genauen Zeiten nicht möglich gewesen, berichtet Ilka, weshalb man sich entschieden habe, die Schülerbefreiung am Bildungszentrum auszusetzen. Die Terminierung der Projekttage habe die Gesamtlehrerkonferenz erst später vorgenommen.

Ilka stellt auch dar, wieso die frühzeitige und genaue Absprache aus Sicht der Realschule nötig ist: Man brauche eine verlässliche Angabe, wann die Narren kämen – unter anderem, da es an der Schule Kinder gebe, die Angst vor den Fastnachtsfiguren hätten oder aus religiösen Gründen nicht dabei sein könnten. Diese würden vor Eintreffen der Narren in einen anderen Raum gebracht. „Wir haben eine Verantwortung für diese Kinder“, stellt Ilka klar. Zudem habe man am Schmotzigen „jedes Jahr das Problem, dass Schulexterne kommen“ und sich daneben benähmen.

An der Realschule wird der Schmotzige Donnerstag daher vor allem durch das Ende der Projekttage geprägt sein. Die Schüler dürften gerne verkleidet kommen, sagt Ilka – Masken seien aber aus Rücksicht auf eventuelle Ängste oder Vorbehalte bei Mitschülern nicht erlaubt. Der Unterricht endet um 12 Uhr.

Die Lage am Gymnasium

Christiane King ist seit September 2023 Schulleiterin des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums (TSG). Die Schrambergerin sagt von sich selbst, „sehr narrenfreundlich“ zu sein, „weil ich ja selbst Hästrägerin bin“. Entsprechend hätte sie sich eine Schülerbefreiung für das TSG gewünscht. Dennoch sagt King klar: „Man muss natürlich Rücksicht nehmen, wenn man zusammen in einem Gebäude ist“ – dafür und für die Entscheidung der Realschule habe sie vollstes Verständnis.

Nachdem die Option, den Besuch der Narren im Gebäude abzuhalten, also vom Tisch war, hätte King sich auch eine TSG-Befreiung im Schulhof vorstellen können. Dieser Vorschlag sei bei den Narren aber auf wenig Gegenliebe gestoßen.

„Aber wir wollen die Tradition im Haus halten“, betont King. Deswegen findet für die Schüler des TSG am Schmotzigen eine Art interne Befreiung statt. Im Vorfeld werden die Klassenzimmer geschmückt, berichtet King. Am Donnerstagvormittag geht eine Musikgruppe aus Schülern des TSG von Tür zu Tür. Dann ist in der Sporthalle bis etwa 12 Uhr „Musik, Tanz und Remmidemmi“ geboten.

Die Perspektive

Der Wunsch der Narren ist eindeutig: 2025 soll wieder eine Schülerbefreiung im Bildungszentrum stattfinden, betonen Zunftmeisterin Alexandra Pies und Kassiererin Carolin Sprich im Gespräch.

Ilka und King formulieren ihre Prognose vorsichtiger. King erklärt im Gespräch: Der Entschluss für 2024 stehe fest, müsse aber nicht zur Tradition werden. „Für die Folgejahre ist noch keine Entscheidung getroffen.“ Grundsätzlich müsse die Schülerbefreiung so gestaltet sein, dass es für alle – beide Schulen und auch die Narren – Sinn mache, betont sie.

Auch Ilka verweist darauf, dass es für 2025 wieder eine Absprache geben werde. Danach wisse man mehr. „Ich sehe keine Gründe zu sagen: Es gibt immer Fastnacht oder es gibt nie Fastnacht.“ Da er aus Oberndorf komme, sei ihm die Fastnacht alles andere als fremd. Ilka könnte sich als Alternative oder zusätzlich zu einer klassischen Befreiung eine Art Brauchtumsunterricht vorstellen – „dass die Narren in die Schule kommen und eine Stunde gestalten“, um die Hintergründe der Fastnacht zu beleuchten.