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Keine Aufgaben mehr Krankenverein Nußbach steht vor Auflösung

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Vorbehaltlich der Zustimmung der Mitglieder per Umlaufbeschluss sollen der Satzung des Krankenpflegevereins Nußbach entsprechend als Liquidatoren agieren: Vorsitzender Pfarrer Andreas Treuer (rechts) und sein Stellvertreter Karl Rißler. Foto: Börsig-Kienzler

In den einzelnen Pfarreien der Raumschaft Triberg gab es eine lange Zeit Krankenvereine. Nun steht die Auflösung des Nußbacher Vereins bevor, denn er hat keine Aufgaben mehr. Aufgrund der aktuellen Corona-Krise soll zum bestmöglichen Schutz der Mitglieder die Vereinsauflösung nicht in einer Versammlung erfolgen, sondern im Umlaufverfahren beschossen werden. Das dafür notwendige Abstimmungsformular wird am 27. November an die Mitglieder verschickt. Mehr dazu lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Triberg - In den einzelnen Pfarreien der Raumschaft gab es eine lange Zeit Krankenvereine. Die in Triberg, Schonach und Schönwald wurden längst aufgelöst. Nun steht auch die Liquidation des einst für Nußbacher und Gremmelsbacher gegründeten Vereins bevor. Der Grund: Er hat keine Aufgaben mehr.

"Früher waren in den einzelnen Pfarreien zu Klöstern gehörende Ordensschwestern unter anderem mit der Pflege der Kranken und Alten im Ort vertraut. Zu deren Unterstützung wurden Krankenvereine gegründet", erläutert Pfarrer Andreas Treuer im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Erzählungen zufolge sei Brautpaaren bei ihrer Trauung bereits nahegelegt worden, in den Krankenpflegeverein einzutreten.

Zweckerfüllung gewandelt

Im Laufe der vergangenen Jahre habe sich infolge umwälzender Änderungen die Zweckerfüllung des Kranken-vereins Nußbach grundlegend gewandelt. Die sozial-caritativen Aufgaben würden über den Haushalt der Seelsorgeeinheit "Maria in der Tanne" realisiert. Sei Jahren schon würden auch die Zahlungen an die Sozialstation entfallen, berichtet Treuer.

Die raumschaftlich tätige Sozialstation St. Marien in Triberg sei somit an die Stelle der nicht mehr vor Ort lebenden Ordensschwestern getreten. "Deren Mitarbeiter üben die Betreuung und Pflege für kranke und ältere Personen, die noch zuhause leben, sehr professionell aus", lobt der Pfarrer. "Daher haben die Krankenvereine heutzutage keine Aufgaben mehr."

"Verein hat sich überlebt"

Auch der Nußbacher Krankenverein hat nun "keine Geschäftsmäßigkeit mehr. Er hat sich überlebt", stellen der Kraft seines Amtes Vorsitzende, Treuer und sein Stellvertreter Karl Rißler unisono fest. Wie Letzterer informiert, hat der Vereinsvorstand vor diesem Hintergrund bereits am 15. Februar 2017 die Auflösung einstimmig beschlossen. Von den einst rund 150 Mitgliedern leben heute noch 65. Neue sind laut Rißler keine mehr dazugekommen.

Rund 5000 Euro Vermögen

Getagt hat der Verein einmal jährlich. Die Vorstandswahlen erfolgten im zweijährigen Rhythmus.

Mit dem Vorstandsbeschluss vor drei Jahren wurde auch der Beitragseinzug in Höhe von zehn Euro jährlich eingestellt. "Derzeit verfügt die Kasse noch über etwa 5000 Euro", weiß Rißler. "Das Vereinsvermögen fällt nach der Auflösung gemäß der Vereinssatzung an die römisch-katholische Kirchengemeinde St. Sebastian Nußbach, die es im Sinne des Vereinszwecks, somit für die Sorge um bedürftige Menschen, zu verwenden hat."

Rißler weiter: "Aufgrund verschiedener Umstände erfolgte der satzungsgemäße Vollzug des Beschlusses bisher noch nicht. Dies soll nun geschehen. Und zwar Mithilfe eines Umlaufbeschlusses.

Zwei Liquidatoren

Laut Satzung obliegt die Auflösung der Mitgliederversammlung. Zudem ist für diese eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. Der erste und zweite Vorsitzende haben als Liquidatoren die Liquidation zu vollziehen, sofern nichts anderes beschlossen wird.

Der Grund für den Umlaufbeschluss ist laut Rißler eine Gesetzesänderung im Laufe der Corona-Pandemie. In Folge der aktuellen Krise, der Mitgliederzahl und den damit verbundenen Hygiene- und räumlichen Anforderungen sowie dem Infektionsrisiko bei einer Mitgliederversammlung – auch unter Vorkehrung aller hygienischen Vorsichtsmaßnahmen – soll zum bestmöglichen Schutz der Mitglieder die Vereinsauflösung nicht in einer Zusammenkunft erfolgen.

Befristete Ausnahme

"Der Gesetzgeber lässt daher die Möglichkeit des Umlaufbeschlusses ausnahmsweise zu. Allerdings ist die Ausnahme befristet bis zum Ende des Jahres 2021", klären Treuer und Rißler auf. Sie bitten die Mitglieder "unter den besonderen Umständen und im Interesse aller, dieser Art von Beschlussfassung zuzustimmen", ebenso der laut Satzung vorgesehenen Regelung, dass sie in der Funktion der Vorsitzenden als Liquidatoren fungieren.

Zustimmungsquote wichtig

Der Umlaufbeschluss wird den Mitgliedern am 27. November zugeschickt. Treuer und Rißler hoffen, dass viele das beigelegte Abstimmungsformular bis spätestens 11. Dezember dieses Jahres zurücksenden an das Pfarrbüro in Schonach oder es in dessen Briefkasten oder in den Briefkasten des Pfarrbüros in Triberg oder in den Briefkasten der Ortsverwaltung in Nußbach oder Gremmelsbach einwerfen. Denn nur, wenn die erwähnte Zustimmungsquote erfolgt, kann er Verein letztendlich aufgelöst werden.

Info: Der Krankeverein

Der Krankenverein zählt zu den ältesten Vereinen Nußbachs. Er geht auf die Stiftung eines Krankenvereins durch Pfarrv. Lang im Jahre 1895 zurück. Er gründete als finanzielle Grundlage für die Krankenpflege durch Schwestern vom heiligen Kreuz zu Ingenbohl einen "Krankenverein behufs Ausübung der Privatkrankenpflege."

Im Juli 1932 wurde dieser Verein offiziell als Krankenverein e. V. eingetragen. Er finanzierte die Kreuzschwestern von Hegne, die die Kranken, Gebrechlichen und Alten in Nußbach pflegten und betreuten. Im Schwesternhaus, das 1935 ein spendenfreudiger Mitbürger für den Verein erbauen ließ, wohnten bis Juli 1974 noch drei Ordensschwestern vom Verein der Franziskusschwestern für Haus- und Krankenpflege in Karlsruhe. Nach deren Abberufung 1974 übernahmen weltliche Schwestern den Krankenpflegedienst. Die Organisation dieser Krankenpflege übernahm im Juli 1980 die Sozialstation St. Marien e.V., die durch die Pfarrgemeinden der Raumschaft Triberg für die Kranken- und Altenpflege gegründet wurde.

Anfangs mussten die Pfarrgemeinden einen erheblichen Zuschuss pro Jahr zur Abdeckung der Kosten leisten. Diese wurden in Nußbach großteils durch den Krankenverein abgedeckt. Seit Einführung der Pflegeversicherung werden aber für die Dienste der Krankenpflege kostendeckende Gebühren verlangt und von der Kasse bezahlt, so dass die Pfarrgemeinden keinen Zuschuss mehr entrichten brauchen. Daher wurde die Zweckbestimmung des Krankenvereins per Satzungsänderung im Jahr 2000 erweitert und der Verein als Geldquelle für soziale, caritative Aufgaben der Pfarrgemeinde verwendet. Dazu zählt auch weiterhin die Sorge für die Kranken- und Altenpflege.

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