In der Ära der Online-Broker und Trading-Apps wirkt Buffett aus der Zeit gefallen. Seine Warnungen sollte man aber ernst nehmen, meint Finanzreporter Hannes Breustedt.
Dass Warren Buffett mit vielen Trends und vermeintlichen Innovationen an den Finanzmärkten nichts anfangen kann, ist bekannt. Der 93-Jährige hat eine tiefe Aversion gegen Kryptoanlagen, die größte Digitalwährung Bitcoin bezeichnete er als „Rattengift zum Quadrat“. In Tech-Aktien investierte Buffett lange Zeit aus Prinzip nicht. Teilweise lag die Anlegerlegende damit ziemlich daneben. Buffetts jüngste Warnung vor ausufernder Kasinomentalität an den Finanzmärkten sollte man aber ernst nehmen.
Der Hype um Künstliche Intelligenz (KI), der die Aktienbörsen derzeit von einem Rekordhoch zum nächsten treibt, mag durchaus noch Substanz in Form explodierender Gewinnerwartungen von Unternehmen wie Nvidia haben. Doch in anderen Bereichen des Finanzmarkts stehen die Zeichen auf Exzess. So sehen Experten bei der Kryptorallye Charakterzüge eines Schneeballsystems.
Buffett lag schon einmal richtig
Warren Buffett vergleicht heißgelaufene Aktien in seinem Aktionärsbrief mit „Lotterielosen“ – und tatsächlich verschwimmen die Grenzen zwischen Wetten und Geldanlage. Trading-Apps animieren zu regem Handel und machen das Umschichten von Depots zur Fingerübung, Finanz-Influencer geben zweifelhafte Tipps im Internet und an der Finanzbildung der breiten Bevölkerung hakt es in Deutschland bedenklich. Beim nächsten Crash könnte sich das rächen.
Buffett lag schon einmal richtig. Im Jahr 2002 bezeichnete er in seinem Aktionärsbrief Derivate als „Zeitbomben“ – jene Finanzvehikel, die in der Krise 2008 die Weltwirtschaft an den Abgrund brachten. „Derivate sind finanzielle Massenzerstörungswaffen“, warnte er die Finanzwelt damals.