Wurzelwerk hindert das Wasser am abfließen. Foto: Stadt Balingen/ITR

Im Frommerner Untergrund ist Schicht im Schacht. Die Kanalisation weist erhebliche Schädigungen auf. Sofortmaßnahmen sollen diese nun beheben. Was bedeutet das für die Anwohner?

Die Kanalisation in Frommern ist nicht nur von der Lage her unterirdisch. Den Zustand der Kanäle kann man durchaus als katastrophal bezeichnen. Tiefbauamtsleiter Markus Streich spricht von „starken Schädigungen“.

 

Wurzelwerk und Kalkablagerungen stellen demnach Hindernisse für das Wasser dar und stehen einem schnellen Abfluss im Wege. „Der bauliche Zustand offenbart zum Teil erhebliche Mängel. Zum Teil mit ‚Gefahr im Verzug‘“, lautet das Fazit vom Ingenieurbüro ITR aus Neukirch ob Eck.

Sofortmaßnahmen sind nötig

Daher kommt die Stadtverwaltung in einem ersten Schritt nicht um Sofortmaßnahmen herum, um die Kanalisation wieder einigermaßen in Stand zu setzen. In den kommenden Wochen plant die Stadt die Vergabe zweier Maßnahmenpakete:

„Zum einen die Sanierung von Kanälen in geschlossener Bauweise, also ohne Aufgrabung. Dabei werden zum einen die vielen Abflusshindernisse im Kanal (Versinterungen, Wurzeln) beseitigt“, sagt uns Stadtsprecher Dennis Schmidt auf Nachfrage. Dazu sollen sogenannte Inliner – ein mit Reaktionsharz getränkter Glasfaser- oder Filzschlauch – schadhafte Kanalabschnitte ertüchtigen.

730 000 Euro kosten die ersten Maßnahmen

„Das zweite Maßnahmenpaket beinhaltet überwiegend punktuelle Kanal- und Schachtsanierungen in offener Bauweise, bei denen eine Sanierung in geschlossener Bauweise technisch nicht möglich ist.“

730 000 Euro sollen die Sofortmaßnahmen kosten. Doch damit wird das Problem nicht endgültig gelöst sein. Denn: Den baulichen Zustand könnte man als nur die Spitze des Eisbergs betrachten. „Das Kanalnetz ist nach den heutigen Maßstäben unterdimensioniert und muss bei einer Kanalsanierung entsprechend aufdimensioniert werden“, lautet das Fazit der Gesamtbetrachtungen des Kanalnetzes unter Frommern.

Verpfuschte Hausanschlüsse machen die meisten Schäden aus

Besonders gravierende Schäden wurden etwa in der Rappenbach-Verdolung, in der Ebinger Straße südlich der Beethovenstraße, an der Kreuzung Geschwister-Scholl-Straße/Stauffenbergstraße sowie in der Beethovenstraße östlich der Stauffenbergstraße festgestellt.

Erhebliche Risse im Betonwerk Foto: Stadt Balingen/ITR

Den größten Teil der Schäden – nach Angaben von Amtsleiter Streich in der jüngsten Sitzung des technischen Ausschusses – machen mit rund zwei Drittel „verpfuschte Hausanschlüsse“ aus. Viele Kalkablagerungen seien entstanden, weil früher „zahlreiche Drainagen einfach angeschlossen wurden“, berichtete Streich. Dazu kommen Fälle von Rissbildung, Verwurzelungen oder Rohrbrüche.

Auf Bürger kommen Kosten zu

Was bedeutet das alles nun für den einzelnen Bürger? „Die Beeinträchtigung der Bürger resultiert in diesem Fall fast ausschließlich aus den für die Bauarbeiten notwendigen Straßensperrungen“, sagt uns Sprecher Schmidt. Sonstige kurzfristige und kurzzeitige Einschränkungen würden an die betroffenen Anlieger direkt kommuniziert.

Aber auch finanziell könnte auf die Bürger einiges zukommen. „In der Abwassersatzung ist geregelt, dass alle Abwasserleitungen bis zum öffentlichen Kanal in der Zuständigkeit der Grundstückseigentümer liegen, unabhängig davon, ob sie auf privaten oder öffentlichen Grund verlaufen.“ Das wurde uns seitens der Stadt auf eine Anfrage im Juli 2023 mitgeteilt. Eventuell auftretende Schäden seien von den Grundstückseigentümern auszubessern.

Stadt bietet Beratung an

Und was bedeutet das nun im konkreten Fall? Hier konnte die Stadt uns keine konkreten Auskünfte geben: „Die Kosten für die privaten Anlieger können wir nicht abschätzen. Bei Anfragen steht das Tiefbauamt den Anliegern selbstverständlich für eine Beratung zur Verfügung.“

Klar ist: Die Einwohner Frommerns müssen auch künftig bei Starkregenereignissen wie etwa im vergangnen Jahr mit Überschwemmungen rechnen. „Eine Überschwemmungsgefahr bei Starkregen ist bekanntermaßen – aus leidvoller Erfahrung der Anlieger – gegeben und lässt sich auch zukünftig nur reduzieren, nie aber ganz ausschließen.“