Nicht sehr groß, aber dafür sehr gefährlich: die Wurfgranate aus dem Mühlkanal Foto: Uli Zimmer

Im Balinger Mühlkanal wurde kürzlich eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Wir haben nachgefragt, ob Gefahr für die Bevölkerung bestand und wie man sich in einem solchen Fall verhalten sollte.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) war am vergangenen Freitag in Balingen,um eine im Mühlkanal gefundene Wurfgranate mitzunehmen. Nun stellt sich die Frage, was eigentlich mit diesen gefundenen Gegenständen passiert, was Bürger in einem solchen Fall tun sollen und ob sogar Gefahr für die Bevölkerung bestand.

 

Sollten Bürger verdächtige Gegenstände dieser Art finden, gilt es umgehend die Polizei zu informieren. „Werden kampfmittelverdächtige Gegenstände aufgefunden, dürfen diese niemals bewegt, aufgenommen oder angefasst werden“, appelliert die Polizei.

Kampfmittelbeseitigungsdienst kümmert sich um Weltkriegsmunition

„Keinesfalls dürfen die verdächtigen Gegenstände zur Ortspolizeibehörde oder auf die Polizeidienststelle gebracht werden. Zudem ist der Fundort bis zum Eintreffen der zuständigen Behörden so abzusichern, dass keine Unbefugten Zugang an den verdächtigen Gegenstand erhalten“, schreibt die Polizei weiter.

Munition, die aus den beiden Weltkriegen in Baden-Württemberg aufgefunden wird – so wie die Wurfgranate aus dem Mühlkanal in Balingen –, wird durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst abgeholt.

Dieser muss vor Ort entscheiden, was mit den explosiven Fundstücken passiert. „Welche Munition entschärft, gesprengt oder abtransportiert werden kann, hängt von der Art der Munition und vom Zustand des Zünders ab“, heißt es seitens des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart, das Anfragen rund um den KMBD bearbeitet.

Keine Gefahr für die Bevölkerung

Diese Entscheidung treffe der zuständige Fachkundige des KMBD vor Ort. Im Fall des Balinger Granatenfundes vom Freitag fiel die Entscheidung auf Abtransport: „Vor Ort wurde die Wurfgranate als transportfähig eingestuft und konnte somit gefahrlos abtransportiert werden“, heißt es vom RP Stuttgart.

„Durch das rasche Handeln aller Beteiligten bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Anwohner“, versichert die Behörde auf Anfrage.

Und was passiert im weiteren Verlauf mit der deutschen 5 Zentimeter Wurfgranate? Vorerst wird der Fund auf der Dienststelle des KMBD eingelagert. Dort wartet dieser auf seine endgültige Vernichtung.

Granate wird kontrolliert zur Detonation gebracht

„In einer thermischen Vernichtungsanlage wird das Kampfmittel durch Wärmezufuhr kontrolliert zur Detonation gebracht“, erklärt man uns seitens der Behörde. Die Granate fliegt also nach all den Jahren im Mühlkanal doch noch in die Luft – allerdings tut sie das ohne Menschen Schaden zuzufügen.

Im vergangenen Jahr ist der KMBD etwa 100 Mal zu Munitionsfunden in den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen (Landkreise Esslingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalbkreis) alarmiert worden. „Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr; landesweit gibt es im langjährigen Mittel etwa 800 bis 1000 Fundmunitions-Einsätze für den KMBD“, schreibt das RP.

Der Stadtverwaltung in Balingen sind auf Nachfrage keine vergleichbaren Funde in der jüngsten Vergangenheit bekannt. Die Stadt wird aber nicht gezielt nach weiteren Granaten im Mühlkanal suchen.

„Eine aktive Suche in der breiten Fläche scheint uns nicht zielführend. Bei Baumaßnahmen in potenziell betroffenen Flächen wird zunächst eine Untersuchung mittels Luftbilder durchgeführt, die von Bombenabwürfen betroffene Flächen erkennen lassen“, schreibt uns Stadtsprecher Dennis Schmidt.

In Balingen ging der Fall also vergleichsweise glimpflich aus. So rund läuft es nicht immer. Erst am Dienstag war der KMBD in Rastatt im Einsatz. Dort hat eine 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe die Bevölkerung in Atem gehalten.